Super League
Immerhin ein Punkt, doch der grosse Befreiungsschlag bleibt aus: Der FCSG und der FC Zürich trennen sich 1:1

Der FC St.Gallen erkämpft sich nach einer schwachen ersten Halbzeit gegen den FC Zürich noch ein 1:1. Der Ausgleich gelingt den aufopferungsvoll kämpfenden Ostschweizern in Unterzahl, ehe die Gäste ebenfalls noch eine gelb-rote Karte kassieren.

Patricia Loher
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St.Gallens Stürmer Kwadwo Duah (links) gegen Zürichs Nathan.

St.Gallens Stürmer Kwadwo Duah (links) gegen Zürichs Nathan.

Ralph Ribi

Die Spielwertung

Es ist lange nicht wirklich ein gutes Spiel. Beide Teams agieren, wohl auch aufgrund der Tabellensituation, zögerlich. Erst in der zweiten Halbzeit, als sich St.Gallen nach enttäuschenden ersten 45 Minuten deutlich steigert, wird der Unterhaltungswert besser. Mit den zwei gelb-roten Karten wird das Spiel schliesslich auch emotionaler. Spielnote: 4

Die Tore

  • 0:1, 48. Minute, Benjamin Kololli: St.Gallens Goalie Lawrence Ati Zigi verlässt kurz vor der Pause und nach einer Flanke der Zürcher das Tor, trifft mit den Fäusten aber nicht den Ball sondern den Kopf von Assan Ceesay. Den Foulpenalty verwertet Kololli souverän.
  • 1:1, 76. Minute, Kwadwo Duah: In Unterzahl kämpft sich St.Gallen zurück in dieses Spiel. Nach wunderbarer Vorarbeit von Victor Ruiz trifft St.Gallens bester Torschütze Duah genau in die untere rechte Ecke.

Die Spielanalyse

Es geht für den FC St.Gallen um viel in diesem Spiel. Nach vier Niederlagen in den vergangenen sechs Partien ist der Vorsprung der Ostschweizer auf den zweit- und den letzten Platz kontinuierlich kleiner geworden. Gegen den FC Zürich hilft nur ein Sieg, um vor dem Auswärtsspiel bei den Young Boys in einer Woche nicht noch weiter in Bedrängnis zu geraten.

Die Startphase ist animiert. St.Gallen sucht die Offensive konsequenter als der Gegner, gibt den Ball aber oft zu schnell wieder her. So dauert es bis zur 13. Minute, ehe die Mannschaft von Trainer Peter Zeidler erstmals gefährlich wird: Jérémy Guillemenot, vor wenigen Tagen noch mit der Schweizer U21-Nationalmannschaft an der EM im Einsatz, vergibt die Chance aus schwieriger Position.

Zürich hält gut dagegen. Offensichtlich ist, dass die Gäste den Gegner anlaufen lassen wollen, um ihn dann auszukontern. Nur gelingt das Zürich in der ersten Halbzeit nicht oft. St.Gallens Abwehr lässt wenig zu.

St.Gallen muss sich aber vorwerfen, aus im Ansatz eigentlich guten Aktionen viel zu wenig zu machen. Die Ostschweizer haben den Gegner im Griff, treffen um und im Sechzehnmeterraum aber allzu oft die falschen Entscheidungen. Zudem fehlt Gradlinigkeit und Präzision, um den Gegner länger unter Druck zu setzen. Phasenweise schiesst die Fehlpassquote der St.Galler in eine bedenkliche Höhe. Dem einen oder anderen Akteur des Gastgebers fehlt die Bindung zum Spiel.

Insgesamt ist es in der ersten Halbzeit keine gute Leistung der jungen St.Galler Mannschaft. Die Ostschweizer sind zu harmlos, um hier in Führung gehen zu können.

St.Gallens Torhüter Lawrence Ati Zigi trifft Zürichs Assan Ceesay am Kopf, was mit einem Penalty geahndet wird.

St.Gallens Torhüter Lawrence Ati Zigi trifft Zürichs Assan Ceesay am Kopf, was mit einem Penalty geahndet wird.

Gian Ehrenzeller/Keystone

Und so passiert, was passieren muss: Nach einem Ballverlust wird Zürich mit einer Flanke gefährlich, Goalie Zigi verpasst den Ball und trifft den Gegner, was in der Nachspielzeit einen Foulpenalty zur Folge hat, der zum 0:1 führt.

St.Gallen muss nun reagieren, es muss besser spielen, aktiver sein und vor allem deutlich torgefährlicher werden, sonst folgen schwere Wochen.

St.Gallen nimmt endlich Fahrt auf

Zeidler reagiert zur Pause mit einem Doppelwechsel. Für Guillemenot bringt er St.Gallens besten Torschützen Kwadwo Duah, für Nicolas Lüchinger den Offensivspieler Thody Elie Youan.

In der 52. Minute hat Zürich Glück, dass ein Abschluss von Victor Ruiz von einem Bein eines Verteidigers nicht ins eigene Tor geht. St.Gallen unternimmt nun deutlich mehr, um endlich Fahrt aufzunehmen. Es zieht ein Powerplay auf, Zürich kann sich kaum einmal befreien. Aber im Abschlussglück ist St.Gallen an diesem Abend nicht. Die Mannschaft von Trainer Massimo Rizzo zieht sich weit in die eigene Hälfte zurück.

Ein Kampfspiel nach der Länderspielpause: St.Gallens Lukas Görtler versucht sich gegen einen Zürcher durchzsetzen.

Ein Kampfspiel nach der Länderspielpause: St.Gallens Lukas Görtler versucht sich gegen einen Zürcher durchzsetzen.

Ralph Ribi

In der 66. Minute trifft Ruiz mit einem Flachschuss nur den Pfosten, Junior Adamu scheitert mit dem Nachschuss an Goalie Yanick Brecher. Es ist die bis anhin beste Chance der St.Galler in diesem Spiel.

Just in einer Phase des Aufschwungs folgt für St.Gallen ein Rückschlag. Captain Jordi Quintillà muss nach der zweiten gelben Karte wegen eines taktischen Fouls vom Platz. Es ist ein harter Entscheid von Schiedsrichter Alessandro Dudic.

Nun zweimal gegen die Young Boys

Nur stecken die Ostschweizer gegen nun destruktive Zürcher nicht auf. In der 76. Minute folgt dann der verdiente Lohn für die Steigerung, als Duah das 1:1 erzielt. Wenige Sekunden zuvor hatte Zigi seine Kollegen mit einer Glanzparade vor dem 0:2 bewahrt.

Nun stehen die Ostschweizer vor zwei weiteren schwierigen Aufgaben. Im Cup-Achtelfinal treffen sie am kommenden Donnerstag im Kybunpark auf die Young Boys, ehe sie am darauffolgenden Sonntag beim selben Gegner in Bern gastieren. Auswärts gegen den Meister müssen die Ostschweizer dann auf ihren gesperrten Captain Jordi Quintillà verzichten.

Der Beste

Victor Ruiz. Der Spanier kommt wieder besser in Form. Gegen Zürich beordert ihn Trainer Zeidler zwar wieder ins linke Mittelfeld, was der Spielfreude von Ruiz aber keinen Abbruch tut. Nach dem Pfostenschuss bereitet Ruiz das 1:1 durch Duah vor.

Lawrence Ati Zigi: Note 3,5. Der Ghanaer verschuldet den Foulpenalty, der zum 0:1 führt. Mit einer Glanzparade bewahrt Zigi sein Team aber vor dem 0:2.
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Leonidas Stergiou: Note 4. Dem 19-Jährigen gelingt nach der Reise mit der U21-Nationalmannschaft an die EM ein solider Auftritt.
Basil Stillhart: Note 3,5. Wirkt hinter den Spitzen verloren. Steigert sich aber nach der Pause, obwohl er zweimal die Position wechseln muss.
Jordi Quintillà: Note 3,5. Defensiv leistet der Captain wertvolle Arbeit. Die gelb-rote Karte ist hart, aber vertretbar.
Jérémy Guillemenot: Note 3,5. Er wirkt nicht so agil wie sonst. Trifft das eine oder andere Mal die falsche Entscheidung. Erarbeitet sich zwei Chancen, die er aber vergibt.
Victor Ruiz: Note 5. Der Spanier findet wieder zu seiner Form. Wirblig und auffällig. Nach dem Pfostenschuss bereitet er den Ausgleich vor.
Lukas Görtler: Note 4,5. Der Deutsche übernimmt in einer schwierigen Phase die Verantwortung und ist sehr präsent. Aber doch einige Fehlzuspiele.
Thody Élie Youan: Note 4. Auch seine Hereinnahme verleiht St.Gallen nach der Pause mehr Schwung. Zu Chancen kommt er aber nicht.
Miro Muheim: Note 4. Ein Aktivposten, war jedoch schon durchschlagskräftiger. Muss gegen seinen Jugendklub einiges einstecken.
Betim Fazliji: Note 4,5. Sehr zweikampfstark. Fazliji ist einer der besseren St.Galler, auch dank seiner Übersicht.
Kwadwo Duah: Note 5. St.Gallens bester Torschütze muss vorerst auf der Ersatzbank Platz nehmen. Trifft nach der Einwechslung zum 1:1. Es ist sein neuntes Saisontor.
Nicolas Lüchinger: Note 4. Erstmals seit zwei Jahren gehört er wieder der Startformation an. Seine Leistung nach der langen Leidenszeit geht in Ordnung.
Euclides Cabral, kommt in der 81. Minute, der Einsatz ist zu kurz für eine Note.
Chukwubuike Junior Adamu, Note: 3,5. Scheitert mit einem Nachschuss am stark parierenden Zürcher Torhüter. Strahlt insgesamt aber zu wenig Torgefahr aus.

Lawrence Ati Zigi: Note 3,5. Der Ghanaer verschuldet den Foulpenalty, der zum 0:1 führt. Mit einer Glanzparade bewahrt Zigi sein Team aber vor dem 0:2.

Der Schlechteste

Basil Stillhart findet zu Beginn hinter den Spitzen nicht ins Spiel. Dem Thurgauer fehlt die Bindung zum Team. Er steigert sich aber in der zweiten Halbzeit, während der er zuerst rechter Aussenverteidiger ist, dann im defensiven Mittelfeld die Position von Quintillà einnimmt.

Der Aufreger

Die gelben Karten sitzen locker bei Schiedsrichter Dudic und so sind zwei Platzverweise nach gelb-rot nur die logische Folge. Insgesamt zückt Dudic zehnmal die gelbe Karte, immerhin gleichmässig verteilt auf beide Teams.

St.Gallens Nicolas Lüchinger

St.Gallens Nicolas Lüchinger

Ralph Ribi

Aufgefallen

Zum ersten Mal seit fast zwei Jahren gehört Nicolas Lüchinger wieder St.Gallens Startformation an. Der 26-jährige Rheintaler hat eine lange Leidenszeit hinter sich, erledigt seine Sache gegen Zürich als rechter Aussenverteidiger aber zufriedenstellend. Nach 20 Minuten ist kein Trikot schmutziger als jenes von Lüchinger. Trotzdem wird er zur Pause ausgewechselt.

Die Reaktionen

Peter Zeidler, Trainer FC St.Gallen: «Wir wollten einen hohen Rhythmus gehen, was uns aber nicht gelang. Zürichs Kontertaktik ging noch vor der Pause auf, als wir nach einem Ballverlust einen gerechtfertigten Penalty kassierten. Nach dem Platzverweis für Jordi Quintillà waren wir an der Ehre gepackt und schlugen ein hohes Tempo an. Natürlich, zahlenmässig ist dieser eine Punkt zu wenig. Aber was wir in der zweiten Halbzeit fussballerisch und kämpferisch gezeigt haben, baut uns für kommende Aufgaben auf.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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