Super League
Ein Spiel zum Vergessen und zwei leere Fankurven: Der FC St.Gallen kassiert eine 0:4-Heimpleite gegen die Grasshoppers

Der FC St.Gallen kommt nicht vom Fleck. Nach einem frühen Platzverweis gegen Basil Stillhart verlieren die Ostschweizer das dritte Mal in Folge.

Tim Naef
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Ein Bild mit Symbolcharakter: Victor Ruiz am Boden. Er wird in der zweiten Hälfte ausgewechselt.

Ein Bild mit Symbolcharakter: Victor Ruiz am Boden. Er wird in der zweiten Hälfte ausgewechselt.

Bild: Keystone

Die Spielwertung

Verkorkst. Für den neutralen Zuschauer ein unterhaltsames Spiel mit einem Traumtor, für den FCSG-Fan ein Nachmittag zum Vergessen. Spielnote: 4

Die Tore

  • 0:1, 32. Minute, Kaly Sène: Die Grasshoppers legen sich den Ball über mehrere Stationen zurecht, ehe Schmid den Ball flach ins Zentrum bringt. Léo Bonatini verpasst zunächst, Kaly Sène steht aber goldrichtig und hat keine Mühe den Führungstreffer zu erzielen. 
  • 0:2, 43. Minute, Kaly Sène: Der Ball kommt wiederum von rechts in den St.Galler Strafraum. Was folgt, ist hohe Fussballkunst. Sène setzt zum Seitfallzieher an und trifft traumhaft zum 2:0 für GC.
  • 0:3, 58. Minute, Kaly Sène: Nach einem mustergültigen Konter der Gäste legt Ermir Lenjani quer, wo Sène ohne Mühe seinen dritten Treffer erzielen kann. 
  • 0:4, 83. Minute, Hayao Kawabe: Wieder laufen die St.Galler in einen Konter. Lenjani spielt den Ball in die Spitze, wo André Santos und Hayao Kawabe sich beinahe absprechen können, wer den vierten Treffer erzielen soll.

Die Spielanalyse

Was für ein Start ins Spiel. Gleich nach dem Anspiel kombinieren sich die St.Galler vor das GC-Tor. Élie Youan scheitert aus aussichtsreichster Position an André Moreira. Nur Sekunden später braucht es auch FCSG-Goalie Lawrence Zigi. Nach einem langen Ball in die Spitze rettet er spektakulär mit einem Flugkopfball. So darf es, zumindest für den neutralen Zuschauer, gerne weitergehen. Und das geht es auch. Nach acht Minuten muss es eigentlich 1:0 für die Grasshoppers stehen. Léo Bonatini kommt am Fünfmeterraum frei zum Abschluss, bringt es aber zustande, den Ball in den St.Galler Nachthimmel zu bugsieren. In der Folge entwickelt sicht ein offener Schlagabtausch.

FCSG mit einem Mann weniger

In der 18. Minute trifft Basil Stillhart nach einem Einwurf seinen Gegner mit offener Sohle am Knie. Er sieht zuerst die gelbe Karte, aber nur kurze Zeit später meldet sich der VAR bei Schiedsrichter Alessandro Dudic. Dieser sieht sich die Szene nur kurz an der Seitenlinie an, der Fall ist klar: rote Karte für Stillhart. FCSG-Coach Peter Zeidler muss daraufhin seinen Matchplan überdenken. Er zieht Ousmane Diakité in die Innenverteidigung zurück und lässt neu mit einem 4-3-1-1 spielen. Aus der einst ausgeglichenen Partie entwickelt sich ein Spiel auf ein Tor. Zigi und seine Verteidiger können zwei, drei Mal in extremis retten. In der 32. Minute sind aber auch sie machtlos. Der Ball kullert quer durch den Strafraum zu Sène. Von der Unterkante der Latte landet der Ball im Netz.

Der Rückstand scheint den St.Gallern gut zu tun. Sie erspielen sich innert weniger Minuten zwei Topchancen. Zweimal scheitert Kwadwo Duah, zuerst mit einem Schuss aus 11 Metern, anschliessend mit dem Kopf. Doch wie sagt man so schön: «Wer sie vorne nicht macht, kassiert sie hinten.» Und wie! In der 43. Minute Sène per Seitfallzieher zum 2:0 für die Gäste, was gleichzeitig auch der Pausenstand ist.

Ohne Chance in der zweiten Hälfte

Nach einem guten Start in die zweite Hälfte laufen die St.Galler in der 58. Minute ins offene Messer. Ex-St.Galler Ermir Lenjani bringt den Ball nach einem Konter in die Mitte, wo wiederum Sène völlig frei zum Abschluss kommt. Er hat keine Mühe und erzielt seinen Hattrick. Im Anschluss versucht Zeidler nochmals zu reagieren und bringt für Duah und Victor Ruiz die beiden Stürmer Jérémy Guillemenot und Fabian Schubert. Einen wirklichen Einfluss können die beiden aber nicht nehmen. Torchancen für den FCSG in der zweiten Hälft: Null. In der Folge spielen es die Grasshoppers souverän zu Ende und erzielen in der 83. Minute in Person von Hayao Kawabe noch das vierte Tor.

Der Beste

Keiner.

Der Schlechteste

Man muss es leider sagen: Basil Stillhart. Mit seinem unnötigen Foul an der Mittellinie und dem anschliessenden Platzverweis entscheidet er das Spiel in der 18. Minute zu Ungunsten des FCSG.

Lawrence Ati Zigi: Note 4. Bei allen Gegentoren macht- und halt- auch glücklos. Ansonsten ohne Fehl und Tadel.
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Musah Nuhu: Note 3,5. Taktisch eingewechselt für Münst, um in Unterzahl als Innenverteidiger Stabilität zu geben. Das gelingt nur bedingt.
Basil Stillhart: Note 2. Wird zuerst verwarnt, weil er gegen Herc mit offener Sohle einsteigt. Der VAR signalisiert Schiedsrichter Dudic, die Szene nochmals anzuschauen: das führt zu Rot nach 18 Minuten.
Fabian Schubert: Note 3. Hat nach der Einwechslung zwei Halbchancen. Sinnbildlich, was er daraus macht.
Ousmane Diakité: Note 3,5. Könnte das 0:1 tatsächlich verhindern. Gute Möglichkeit (23.), sichtlich fehlt die Spielpraxis.
Jérémy Guillemenot: Note 3. Kann in den 30 Minuten nach der Hereinnahme nichts bewegen.
Victor Ruiz: Note 3. Der Spanier ist nicht in Form. Die Zuspiele in der Gefahrenzone finden selten einen St.Galler.
Kwadwo Duah: Note 3. Bemüht, und bis zur Auswechslung mit Chancen – doch fehlen Qualität wie Durchschlagskraft.
Leonhard Münst: Note 3. Münst wird nach der roten Karte geopfert. Der Leihspieler hatte bis dahin keine Aktion.
Lukas Görtler: Note 4. Der Wille ist bis zum Ende da, eine Chance und die Emotionen auch. Er sagt später, man dürfe jetzt ja nicht resignieren.
Thody Élie Youan: Note 3,5. Aktiver Beginn. Riesenchance nach acht Sekunden. Eigentlich der einzige St.Galler, vor dem sich GC fürchten muss. Aber letztlich ist das: zu wenig.
Betim Fazliji: Note 3,5. Wieder einmal Innenverteidiger. Aber im Mittelfeld ist Fazliji inzwischen besser aufgehoben.
Boubacar Traore: Note 3. Nach vorne mit Licht (tolle Chance), nach hinten mit viel Schatten. Ist er ein Verteidiger?
Patrick Sutter, Note: 3. Hat anfänglich Mühe, ist beim 0:1 und 0:2 immer ein Schritt zu spät. Beisst sich dann hinein.
David Jacovic: Keine Bewertung. Kommt für die Schlussviertelstunde.
Christian Witzig: Keine Bewertung. Kommt für die Schlussviertelstunde.

Lawrence Ati Zigi: Note 4. Bei allen Gegentoren macht- und halt- auch glücklos. Ansonsten ohne Fehl und Tadel.

Der Aufreger

Der Platzverweis gegen Basil Stillhart. In der 18. Minute sieht Stillhart nach einem unglücklichen Zweikampf folgerichtig die rote Karte. Im Nachhinein die Spielentscheidende Szene. Es ist bereits der fünfte Platzverweis im 16. Spiel.

Der Schiedsrichter

Der Unparteiische behält in einer turbulenten Partie die Übersicht. Liegt bei (fast) allen Situationen richtig, auch bei der roten Karte.

Die Fans

Den ersten Aufreger gab es bereits vor dem Spiel. Mit einer schweizweiten, abgestimmten Aktion protestierten beide Fanlager gegen die mögliche Einführung personalisierter Tickets für die kommende Saison. «Die Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) will die leider noch immer notwendigen Corona-Schutzmassnahmen unter Zuhilfenahme von opportunen Einzelvorfällen und anderer fadenscheiniger Argumente in das bereits mehr als ausreichende Repressionsarsenal überführen. Im Gegensatz zu den bisherigen Repressionsinstrumenten wären neu nicht mehr nur Einzelpersonen davon betroffen, sondern alle Fussballfans in der Schweiz - egal, ob sie eine Straftat begangen haben oder nicht», heisst es in einem vor dem Spiel verteilten Informationsblatt. Die Fanszenen würden ihre Fankultur und die damit zusammenhängenden Werte und Ideale jedoch nicht kampflos aufgeben.

Kurz vor der Pause ist es dann soweit. Beide Fankurven begeben sich zum Ausgang. Nach wenigen Minuten klafft in beiden Sektoren eine Lücke.

Manuel Nagel

Manuel Nagel

Alle auf ihren Stühlen

Angesichts der Pandemielage verschärfte der Kanton St.Gallen vergangene Woche seine Coronaregeln, was direkte Auswirkungen auf das Sonntagsspiel gegen die Grasshoppers hat. Im und um den Kybunpark gilt neu nicht nur eine konsequente Maskenpflicht, auch die Stehplätze wurden aufgehoben. Die dafür nötige Umbauaktion fand am Samstag mit über 80 Freiwilligen statt. Es war bereits das zweite Mal, dass die Steh- durch Sitzplätze ersetzt werden mussten.

Die Reaktionen

FCSG-Trainer Peter Zeidler nach dem Spiel:

«Die rote Karte hat das Spiel entschieden.»
«Wir dürfen bei der Analyse nicht vergessen, dass wir nach dem 0:1 unsere beste Phase mit klaren Torchancen hatten.»
«Ich werde Stillhart jetzt nicht sanktionieren oder so. Das gehört zum Fussball. Dennoch ist es ärgerlich.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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