Super League
Der FCSG vergibt gute Chancen, Goalie Zigi pariert brillant: gerechtes 0:0 im Abstiegskampf gegen Luzern

Der FC St.Gallen und Luzern trennen sich in einem erst nach der Pause unterhaltsameren Spiel 0:0. Für die Ostschweizer ist dieser eine Punkt zu wenig, um die Lage im Kampf gegen den Barrageplatz etwas zu beruhigen. Vaduz spielt am Sonntag in Lausanne. Mit einem Sieg überholen die Liechtensteiner sowohl Luzern als auch St.Gallen.

Patricia Loher
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Die Spielwertung

Die erste Halbzeit ist auf beiden Seiten von Vorsicht geprägt. Das Spiel zwischen den Tabellennachbarn, die beide gegen den Fall auf den Barrageplatz kämpfen, lebt vor allem von der Spannung, Unterhaltung bietet es wenig. Nach der Pause läuft ein bisschen mehr. Spielnote: 4

Die Lage des FC St.Gallen bleibt weiter angespannt: Stürmer Junior Adamu nach einer verpassten Chance.

Die Lage des FC St.Gallen bleibt weiter angespannt: Stürmer Junior Adamu nach einer verpassten Chance.

Benjamin Manser

Die Spielanalyse

In der ersten Halbzeit ist spürbar, dass es um viel geht in dieser Partie. Beide Teams spielen kontrolliert, auch St.Gallen stürmt nicht so an wie üblich. Trotzdem übernehmen die Ostschweizer nach wenigen Minuten das Spieldiktat.

Trainer Peter Zeidler hat im Vergleich mit dem Cup-Viertelfinal bei den Grasshoppers und im Hinblick auf eine weitere englische Woche zwei Wechsel vorgenommen: Für Basil Stillhart rückt Thody Élie Youan in St.Gallens Startformation, für Junior Adamu kommt Kwadwo Duah.

In der vierten Minute erspielt sich Luzern eine gute Möglichkeit, Goalie Lawrence Ati Zigi ist aber zur Stelle, zudem war der Stürmer aus einer Abseitsposition gestartet. Die Zentralschweizer überlassen St.Gallen das Spiel, die wenigen Nadelstiche der Gäste klären die Ostschweizer gut.

Obwohl St.Gallen mehr im Ballbesitz und die deutlich aktivere Mannschaft ist, erspielt es sich gegen tief stehende Luzerner nur wenig gute Chancen. In der elften Minute flankt Lukas Görtler, der Ball ist für Jérémy Guillemenot allerdings zu hoch. Wenig später bringt Görtler mit einer Flanke Luzerns Torhüter Marius Müller in Bedrängnis.

St. Gallens Betim Fazliji gerät kurz vor der Pause mit Luzerns Ibrahima Ndiaye aneinander.

St. Gallens Betim Fazliji gerät kurz vor der Pause mit Luzerns Ibrahima Ndiaye aneinander.

Christian Merz/Keystone

In der 24. Minute folgt dann St.Gallens beste Chance nach einer guten Aktion über Duah: Den Abschluss von Jordi Quintillà lässt Müller nach vorne abprallen, Victor Ruiz' Abschluss ist zu hoch. In der 29. Minute geht ein Schuss von Duah ins Aussennetz,

St.Gallen versucht unermüdlich, eine Lücke zu finden. Gegen Luzerner, die sich darauf konzentrieren, keine Fehler zu begehen, ist das schwierig. Und so ist es auf einmal der Gast, der ein Zeichen setzt. In der 38. Minute geht ein Weitschuss von Martin Frydek an die Latte. Glück für die St.Galler.

Nach der Pause beginnt das Spiel lebendiger. St.Gallen wirkt nun etwas mutiger und macht seine Sache bis an den Sechzehnmeterraum grundsätzlich solide. In der 59. Minute nimmt Luzerns Trainer Fabio Celestini einen Dreifachwechsel vor, er bringt Dejan Sorgic, Pascal Schürpf und Varol Tasar.

In der 64. Minute bringt St.Gallens Trainer mit Stillhart und Adamu ebenfalls zwei frische Kräfte. Die Spielanteile gleichen sich nun etwas aus, Luzern ist nicht mehr so passiv wie zuvor. Die Ostschweizer verteidigen aber gut.

Der St. Galler Kwadwo Duah nach der verpassten Chance.

Der St. Galler Kwadwo Duah nach der verpassten Chance.

Benjamin Manser

In der 75. Minute erspielt sich St.Gallen die beste Möglichkeit dieser Partie: Youan spielt sich stark von links in den Strafraum, Adamu scheitert an Müller, ehe Duah den Ball aus guter Position über das Tor setzt. Das hätte der Führungstreffer für die St.Galler sein müssen.

St.Gallen sucht die Führung nun etwas vehementer, doch die Effizienz lässt zu wünschen übrig. Zudem unterlaufen den Gastgebern in aussichtsreichen Positionen oft Abspielfehler. In der Nachspielzeit hält Goalie Zigi mit einer brillanten Parade gegen Varol Tasar den einen Punkt für die St.Galler fest.

Die Ostschweizer bleiben damit im siebten Meisterschaftsspiel in Folge ohne Sieg. Am nächsten Mittwoch gastieren sie in Lugano, ehe sie am Samstag zu Hause auf Vaduz treffen. Gewinnen die Liechtensteiner am Sonntag in Lausanne, überholen sie in der Tabelle sowohl Luzern als auch St.Gallen.

Die Noten

Lawrence Ati Zigi: Note 5. Er findet nach einer Baisse zu alter Stärke zurück. Pariert in der Schlussphase gegen Varol Tasar mit starkem Reflex und hält seinem Team damit den Punkt fest.
14 Bilder
Leonidas Stergiou: Note 5. Lässt die Gegner immer wieder ins Leere laufen. Auch als Luzern geballte Offensivkraft einwechselt, hält der 19-Jährige unaufgeregt dagegen.
Basil Stillhart: Note 3,5. Kommt für Ruiz, gute Balleroberungen. Aber offensiv, wie zuvor der Spanier, mit wenig Einfluss.
Jordi Quintillà: Note 4. Räumt vor der Abwehr gut auf. Aber im Spielaufbau könnte der Captain noch mehr Verantwortung übernehmen.
Jérémy Guillemenot: Note 3,5. Am Einsatz liegt es nicht. Aber er verliert zu viele Bälle und lässt sich wieder zu oft fallen.
Victor Ruiz: Note 3,5. Der Spanier läuft viel und wirbelt. Doch insgesamt bringt er zu wenig und wird ausgewechselt.
Lukas Görtler: Note 4,5.Omnipräsent. Eine seiner Flanken senkt sich gefährlich, der Goalie pariert in letzter Sekunde. Offensiv gelingt ihm nicht alles.
Thody Élie Youan: Note 5. Nach zuletzt durchzogenen Leistungen zeigt der Franzose ein gutes Spiel. Erobert viele Bälle. So leitet er auch St. Gallens beste Chance ein.
Miro Muheim: Note 4,5. Muss sich das eine oder andere Mal überlaufen lassen. Offensiv weniger auffällig als Cabral auf der anderen Seite.
Betim Fazliji: Note 5. Wie an Stergiou kommen die Luzerner auch an ihm kaum vorbei. Nur mit einem Wackler in der zweiten Halbzeit.
Kwadwo Duah: Note 3,5. Das tut weh! Vergibt in der 76. Minute freistehend die beste Chance. Sonst unauffällig.
Boris Babic: Note -. Er kommt in der 86. Minute. Zu spät für eine Note.
Euclides Cabral, Note: 5. Wie schon gegen die Grasshoppers lange mit einer tadellosen Leistung. Offensiv auffällig und mit starkem Antritt.
Chukwubuike Junior Adamu, Note: 3,5. Er ersetzt Guillemenot, kann das Spiel aber nicht in bessere Bahnen lenken, als er an Goalie Müller scheitert.

Lawrence Ati Zigi: Note 5. Er findet nach einer Baisse zu alter Stärke zurück. Pariert in der Schlussphase gegen Varol Tasar mit starkem Reflex und hält seinem Team damit den Punkt fest.

Der Beste

Euclides Cabral. Schon wie im Cup bei den Grasshoppers ist der Aussenverteidiger ein Aktivposten. Schaltet sich immer wieder stark in die Offensive ein und lässt über seine Seite nur wenig zu.

Der Schlechteste

Jérémy Guillemenot. Am Einsatz liegt es nicht. Guillemenot ist wie immer mannschaftsdienlich. Aber im Strafraum muss er mehr Präsenz markieren, zudem fällt er wieder oft etwas leicht um.

Der Schiedsrichter

Lionel Tschudi leitet die Partie unaufgeregt, auch als zwischenzeitlich Hektik aufkommt, behält er den Überblick.

Als letztmals Zuschauerinnen und Zuschauer dabei sein durften: 4. Oktober 2020, am Spiel zwischen St.Gallen und Servette.

Als letztmals Zuschauerinnen und Zuschauer dabei sein durften:
4. Oktober 2020, am Spiel zwischen St.Gallen und Servette.

Bild: Benjamin Manser

Die Fans

Nach dem Bundesratsentscheid vom Mittwoch sind ab Montag wieder 100 Zuschauerinnen und Zuschauer zu Fussballspielen der Super League zugelassen. Schon am nächsten Samstag gegen Vaduz darf also wieder eine Handvoll Fans im Kybunpark dabei sein. Wie das Auswahlverfahren laufen wird, ist laut dem FC St.Gallen noch offen.

Die Reaktionen

Peter Zeidler, Trainer FC St.Gallen: «Luzern hat sehr kompakt verteidigt. Das machte es schwierig für uns, zu gefährlichen Aktionen zu kommen. Aber wir haben es geschafft, keine Konter zuzulassen. Nach der Pause versuchten wir, den Rhythmus zu erhöhen, was uns teilweise gelungen ist. Einmal mehr haben uns die Zuschauer gefehlt. Sie hätten uns nochmals gepusht, was sehr wertvoll sein kann während eines so anstrengenden Programms. Doch der Punkt ist wertvoll. Ich bin zufrieden mit meinen Jungs. Die nächste Chance bietet sich uns am Mittwoch in Lugano.»

Kwadwo Duah, Stürmer FC St.Gallen: «Aus meiner Sicht waren wir die klar bessere Mannschaft, wir hatten ein paar Chancen mehr als Luzern. Dazu standen wir solide in der Verteidigung. Bei meiner grossen Chance ist mir der Ball nach der Abwehr des Torhüters unerwartet vor die Füsse gefallen. Ich war überrascht. Diese Möglichkeit hätte ich reinmachen müssen.»

Fabio Celestini, Trainer FC Luzern: «Wir wollten gut verteidigen, wir hatten zuletzt viele Probleme, zu Null zu spielen. Das Gegenpressing der St.Galler war gut, sie kamen zu einigen Chancen. Allerdings hätten auch wir hier gewinnen können. Das Unentschieden ist aber gerecht.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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