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Stürmer vs. Club: Nassim Ben Khalifa klagt gegen den FC St.Gallen

Am Freitag stehen sich Nassim Ben Khalifa und der FC St.Gallen vor Gericht gegenüber. Der Spieler sieht seine Rechte als Arbeitnehmer verletzt und klagt gegen den Club. Es geht wohl auch um Stolz und verletzte Gefühle.
Christian Brägger
Klagt gegen seinen Arbeitgeber den FC St.Gallen: Stürmer Nassim Ben Khalifa. (Bild: Michel Canonica)

Klagt gegen seinen Arbeitgeber den FC St.Gallen: Stürmer Nassim Ben Khalifa. (Bild: Michel Canonica)

Enge Freunde werden sie wohl nie mehr. Dafür ist zu viel Porzellan zerschlagen worden, es ist viel zu viel passiert zwischen dem FC St.Gallen und seinem Spieler Nassim Ben Khalifa. Die Enttäuschungen auf beiden Seiten sind zu gross. Doch nun ist eine nächste Stufe im Konflikt erreicht, weil Ben Khalifa im Verein offenbar nicht mehr alles mittun darf. Der 27-Jährige sieht jedenfalls seine Rechte als Arbeitnehmer verletzt und klagt am Kreisgericht St.Gallen gegen seinen Arbeitgeber.

Ben Khalifa selbst will schon länger nicht mehr mit den Medien sprechen, er verweist in der Angelegenheit auf seinen Rechtsvertreter, der in solchen Streitsachen kein Unbekannter ist: Kai Ludwig. Der Anwalt stand einst im viel beachteten Fall um den Fussballer Veroljub Salatic im Fokus, den er 2014 nach dessen Suspendierung bei den Grasshoppers vertrat. Dem Mittelfeldspieler wurde damals vereinsschädigendes Verhalten vorgeworfen, er durfte nicht mehr am Trainings- und Spielbetrieb der ersten Mannschaft teilnehmen – Ludwig gewann vor Gericht und erwirkte Salatics Rückkehr.

Erinnerung an den «Fall Salatic»

Wie damals Veroljub Salatic ist heute Nassim Ben Khalifa beim Arbeitgeber in Ungnade gefallen. Es hatte sich abgezeichnet. Im FC St. Gallen lief schon unter Trainer Giorgio Contini nicht alles perfekt, unter dem Interimscoach Boro Kuzmanovic am Ende der vergangenen Saison schon gar nicht. Kurz vor Transferschluss im vergangenen Sommer wollte der Club dann Ben Khalifa plötzlich loswerden. Schliesslich stand der Stürmer unter Trainer Peter Zeidler am 1. Dezember 2018 ein letztes Mal für die Ostschweizer in der Super League auf dem Platz.

Noch im selben Monat beschied die Clubführung, nicht mehr mit ihm zu planen. Und dass er ablösefrei wechseln könne, was auch der absolute Wunsch des Fussballprofis war. Es fand sich in dieser Transferperiode im In- und Ausland indes kein geeigneter Abnehmer, weshalb der U17-Weltmeister vertraglich noch immer und bis Sommer 2020 dem FC St.Gallen gehört.

Da es auch künftig keine Einsätze für die erste Mannschaft des FC St.Gallen mehr geben wird, ist Ben Khalifa faktisch vom Spielbetrieb ausgeschlossen. Ins Wintertrainingslager der ersten Mannschaft nach Spanien durfte er nicht mit, stattdessen sagte man ihm, er könne sich zwei Wochen später mit der U21 im ­Süden vorbereiten. Ben Khalifa folgte dem Angebot nicht, wohl auch aus Stolz.

Später soll ihm temporär die Teilnahme an einzelnen Trainings und punktuell der Zugang zu medizinischen Dienstleistungen verwehrt geblieben sein, heisst es. Der Vorwurf von Mobbing kam auf. Doch immer wieder folgten Zugeständnisse von Vereinsseite, wohl auch mit Blick auf das Arbeitsrecht.

Die rechtliche Situation ist heikel

Offenbar waren diese Zugeständnisse für die Gegenpartei nicht genug, und auch eine aussergerichtliche Einigung scheint kaum mehr möglich, weshalb es nun zur Verhandlung kommt. Ludwig sagt:

«Grundsätzlich äussere ich mich nicht zu einem laufenden Verfahren. Aber Nassim Ben Khalifa hat einen vertraglichen Anspruch auf eine rechtmässige Beschäftigung beim FC St.Gallen und auf das Training mit der ersten Mannschaft.»

Dieser Anspruch rühre her von der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers. Laut Ludwig gebe es wenige ­Berufsgruppen, die diesen Anspruch geltend machen dürften. Fussballer hätten ihn, und Ärzte sowie Piloten. Ludwig sagt weiter:

«Wir sind ganz klar der Meinung, dass Nassim Ben Khalifa nicht rechtmässig beschäftigt wird im FC St.Gallen. Er wird von gewissen Trainings und Besprechungen ausgeschlossen. Es geht um den Schutz seiner Persönlichkeit.»

Der Anwalt will mit dem Gang vors Gericht wohl verhindern, dass sein Mandant weiter an Marktwert verliert. Vor allem ist es für Ben Khalifa schwierig, das Leistungsniveau ohne Wettkampf zu halten. Letztlich dürfte er, der stolze Schweizer mit tunesischen Wurzeln, der schon immer über den Fussballtellerrand sah und durchaus kritisch durchs Leben geht, seine berufliche Zukunft durch das Verhalten des FC St.Gallen als kompromittiert sehen.

«Nassim Ben Khalifa spielt keine Rolle mehr»

St.Gallens Trainer Peter Zeidler, der mit Sportchef Alain Sutter ebenfalls zur Verhandlung vorgeladen ist, mag schon lange nicht mehr über Ben Khalifa sprechen – und tat dies immer wieder öffentlich kund, indem er sagte:

«Weshalb soll ich meine Zeit in einen Spieler investieren, der weg will? Nassim Ben Khalifa trainiert noch mit uns. Mehr nicht. Er spielt keine Rolle mehr.»

Anfänglich ziemt sich auch Matthias Hüppi, Worte über den Spieler und die Causa zu verlieren. Man spürt beim Präsidenten förmlich den Unmut, den das Thema auslöst. Später, nach der Rücksprache mit dem Anwalt des Clubs, sagt Hüppi:

«Es ist ein laufendes Verfahren, grundsätzlich gibt es von mir keine Details. Nur so viel – Punkt eins: Nassim Ben Khalifa hat mehrfach den Wunsch geäussert, uns zu verlassen. Wir legten ihm dabei keine Steine in den Weg und entsprachen seinem Wunsch, doch der Wechsel kam nicht zu Stande.»

In einem zweiten Punkt sagt Hüppi, dass der FC St.Gallen den vertraglichen Verpflichtungen nachkomme und Nassim Ben Khalifa ein Training unter professionellen Bedingungen offeriere. «Und es gibt noch den dritten Punkt: Es ist logisch, dass ein Spieler mit deutlich formulierten Abwanderungsgedanken für die sportliche Leitung keine Rolle mehr spielt in Bezug auf Einsätze mit der ersten Mannschaft.»

Stört Ben Khalifa den Betriebsfrieden?

Wie werden die beiden Parteien wohl argumentieren? Rechtlich ist die Sache relativ offen, beide Parteien sind sich keiner Verfehlungen bewusst. Und so könnte im Schweizer Fussball ein Urteil gefällt werden, das durchaus Strahlkraft für die Zukunft hätte, weil es den rechtlichen Status des Fussballers auf eine andere Ebene hebt. Jedenfalls bejahen die Lehre und Rechtsprechung das Vorliegen einer Pflicht zur Beschäftigung, soweit ihr nicht gewichtige Interessen des Arbeitgebers wie Betriebsstörung oder Gefährdung des Betriebsfriedens entgegenstehen.

Von den Mitspielern beim FC St.Gallen ist über Ben Khalifa auch hinter vorgehaltener Hand kein böses Wort zu ­hören. Tatsächlich gilt der Stürmer nicht unbedingt als einfacher Zeitgenosse, der Charakter ist speziell. Das hinderte die Ostschweizer im Sommer 2017 nicht an einer Verpflichtung.

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