St.Gallens Sonntagsgewand

FUSSBALL. Überraschend oft präsentiert sich der FC St. Gallen ausgerechnet gegen den favorisierten FC Basel von der besten Seite. Um gegen den Ligakrösus immer wieder zu bestehen, braucht es Glück und Willen. Und das Team muss funktionieren.

Christian Brägger
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Jubelpose der St. Galler nach dem 2:1 gegen Basel. Ein Bild, das die Anhänger der Ostschweizer in jüngster Zeit öfters gegen den Club vom Rheinknie erlebten. (Bild: Urs Bucher)

Jubelpose der St. Galler nach dem 2:1 gegen Basel. Ein Bild, das die Anhänger der Ostschweizer in jüngster Zeit öfters gegen den Club vom Rheinknie erlebten. (Bild: Urs Bucher)

Der FC St. Gallen hat in der Vorrunde kurz vor der Winterpause also doch noch seine gute Form gefunden. Seit vier Meisterschaftsspielen ist er ungeschlagen, zuletzt hat er dreimal in Folge gewonnen und dabei insgesamt nur ein Gegentor erhalten. Auch wenn die Siege gegen Thun und Luzern nicht weniger Wert sind, überstrahlt das Husarenstück gegen Basel vom Sonntag alles. Besonders die Art und Weise, wie das 2:1 gegen den haushohen Favoriten zustanden gekommen ist, gibt ein gutes Gefühl. Das war vor ein paar Wochen noch anders. Als Trainer Joe Zinnbauer mit St. Gallen damals ins Tessin gefahren war, um beim damaligen Tabellenletzten Lugano Punkte zu holen, passte wenig zusammen. Besonders die Körpersprache nach dem frühen Rückstand verhiess nichts Gutes; St. Gallen liess die Köpfe hängen, brach ein und verlor 1:3. Jedoch blieb jene Niederlage die einzige, die das Team in der Liga unter dem Deutschen einstecken musste.

Starke Reaktion auf das 0:1

Gegen Basel gerieten die Ostschweizer ebenfalls früh in Rückstand, aber sie hielten die Köpfe weiter aufrecht, die Brust blieb breit. So, wie das Zinnbauer von seinen Profis stets einfordert: «Seid mutig, riskiert etwas, arbeitet für euer Glück.» Wenn sich dann wie an diesem kalten Sonntag alle steigern und als Einheit auf ein Ziel hinarbeiten, sieht man, was für diese Equipe möglich sein kann; es ist fähig, eine Partie zu drehen, deren Sieger vor dem Anpfiff mit Basel eigentlich bereits feststand. Seit Jahren regiert der Vorzeigeclub über die Super League und zwingt ihr somit das Prädikat «langweilig» auf. Eine frühe Führung spielt also normalerweise dem FC Basel so sehr in die Karten, dass ein FC St. Gallen in Normalform dem nichts mehr entgegenzusetzen hat.

Doch St. Gallen hatte am Sonntag sein schönstes Kleid angezogen und sich von seiner besten Seite präsentiert. In diesem Gewand musste sich auch Yannis Tafer wohl gefühlt haben, der zuletzt nicht erste Wahl war und mit Wechselabsichten kokettierte. Obwohl es wohl vielmehr seine Berater sind, die diese im Hintergrund äussern. Zinnbauer sagte: «Wenn einer drei Wochen lang weniger berücksichtigt wird, dann erwarte ich mir auch, dass er sich den Frust von der Seele schiesst.»

Dieser Sieg wie auch jene vergangener Jahre gegen Basel dürfen trotz aller Euphorie niemals als Massstab herhalten. Dafür sind die Affichen zu speziell. Es liegt im Naturell des Spielers, dass in diesen Partien die Motivation anders ist, der Kick sowieso. Vielleicht erklärt das, weshalb Roy Gelmi, dem es während des Spiels kotzübel war, oder Geoffrey Tréand, der sich in der Pause übergeben hatte, an ihr körperliches Limit gingen und doch durchspielten. Zinnbauer sagte: «Basel kann nicht die Norm sein. Jeder ist topmotiviert und gibt hundert Prozent. Mein Team legte ein Mass vor, das wir schon beobachten. Daran wollen wir uns orientieren. Wir sehen, was möglich ist und was wir vom Team einfordern können.»

Mit Stolz nach Bern

Der FC St. Gallen hat sich unter Zinnbauer definitiv stabilisiert. In den zweimal acht Runden der Meisterschaft hat er das Torverhältnis von 5:9 auf 11:8 verbessert. Er kann stolz sein auf die Leistung gegen Basel. Wie er auch stolz sein kann auf die beste und insbesondere jüngste Abwehr der Liga. Es lag ebenfalls an ihr, dass sich die vielgelobte Offensive des Leaders nicht entfalten konnte. Bis morgen haben die Spieler nun frei. Bereits am Samstag gegen die Young Boys können sie sich nichts mehr für diese drei Punkte kaufen. In Bern wird es ein neuer Anzug sein, der dem Anhänger gezeigt wird.