St.Gallens Mann am Steuer

ST.GALLEN. Mit fünf Toren ist der 24jährige Danijel Aleksic zusammen mit Yannis Tafer in dieser Saison St.Gallens bester Torschütze. Trotz der Niederlage gegen Thun sagt der Serbe: «45 Minuten lang hat es richtig Spass gemacht, Fussball zu spielen.»

Patricia Loher
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Mario Leitgeb Neuer Spieler FC St. Gallen (Bild: pd)

Mario Leitgeb Neuer Spieler FC St. Gallen (Bild: pd)

Für Danijel Aleksic war es ein aussergewöhnlicher Moment. Der 24-Jährige zeigte mit der Hand auf seinen Kopf und schaute ins glückliche Publikum, ehe ihm die Kollegen um den Hals fielen. Aleksic hatte zum Rückrundenauftakt gegen Thun nach einer halben Stunde das 1:0 erzielt, per Kopf, nach einer Cornerflanke. «Das kam in meiner Karriere noch nicht allzu oft vor», sagt der Mittelfeldspieler. Nur, die Freude war am Ende dann doch getrübt. Nach einem Gegentor in der 94. Minute verloren die Ostschweizer noch mit 1:2. Aleksic sagt, das sei ein bitterer Moment gewesen, die fehlende Erfahrung des jungen Teams habe den Unterschied ausgemacht. Aber auch er selber weiss, dass St.Gallen zu jenem Zeitpunkt mehr als bloss ein Tor auf seinem Konto hätte haben müssen. Der Linksfüsser vergab in der zweiten Halbzeit ebenfalls eine gute Chance: «Es fehlte uns auch das Glück. Aber zugegeben: In der Vorrunde stand uns dieses Glück auch oft zur Seite.»

Gefürchteter Freistossschütze

Aleksic sagt: «Ich kann mich nicht erinnern, mit St.Gallen je eine derart gute Halbzeit abgeliefert zu haben wie gegen Thun. Es hat richtig Spass gemacht, Fussball zu spielen.» Vor einer Woche war er einer der auffälligsten St.Galler. Trainer Joe Zinnbauer lobt die harten, präzisen Schüsse und die intelligente Spielweise in Richtung Sturm. Zudem sei Aleksic ein versierter Techniker, der sich auf engem Raum durchsetzen könne. «Aber manchmal könnte er seine Stärken noch gezielter einsetzen, einer wie er kann noch mehr in den Abschluss gehen.» Zudem dürfte Aleksic noch mehr Verantwortung übernehmen. «Er muss die Mannschaft steuern.»

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr hat Aleksic mit einem Vertrag bis 2018 nach St.Gallen gewechselt. Der Serbe wurde nach schwierigen Jahren mit vielen Vereinswechseln als Spieler geholt, der aufgebaut werden sollte. So richtig Anlauf nahm er zum Ende der vergangenen Saison, ein erstes Ausrufezeichen war der prächtige Freistosstreffer im letzten Spiel gegen Basel, der gar zum Tor des Jahres gewählt wurde. «Jener Freistoss», sagt Aleksic, «war einer meiner besten Momente in St.Gallen.» In der Zwischenzeit wissen sie in der Super League um die Präzision und Wucht von Aleksics Freistössen: Im Herbst traf er beim 1:1 zu Hause gegen Sion erneut aus beträchtlicher Distanz zur 1:0-Führung.

«Es muss zusammenwachsen»

Zu Beginn dieser Meisterschaft erzielte Aleksic nach seiner Einwechslung beim 2:0 gegen Lugano beide Treffer. Doch jener Sieg war nicht der Anfang einer unbeschwerten Saison. Vielmehr akzentuierten sich die Probleme: St.Gallen traf zu wenig, ein Leader fehlte, und auch Aleksic, der sich zum Stammspieler hochgekämpft hatte, nahm die Fäden nicht immer in die Hand. Hinzu kamen die Wechsel auf Führungsebene, der Sportchef ging, der Trainer später auch. Allein in diesem Winter hat Aleksic vier neue Teamkollegen erhalten. «Es braucht Zeit, bis alles zusammenwächst», sagt der Fussballer. «Doch St.Gallen verfügt über alle Voraussetzungen, um erfolgreich zu sein.»

Aleksic hat viel gesehen von der Welt. Unterdessen spricht er vier Sprachen. «Das bereichert mein Leben sehr.» Er weiss aber auch, wie es ist, als Wunderkind gelobt zu werden und dann tief zu fallen. Mit 17 Jahren war er jüngster Nationalspieler Serbiens, doch es blieb bei diesem einen Aufgebot. Sein Wechsel 2010 vom Stammclub Vojvodina zu Genua in die Serie A sei rückblickend ein Fehler gewesen. Aleksic ging nach Deutschland, nach Frankreich, nach Polen und im Winter 2015 in die Schweiz.

Der Fussballer ist in der 300 000-Einwohner-Stadt Novi Sad als Einzelkind aufgewachsen. In St.Gallen wohnt er in der Nähe von Dzengis Cavusevic, den er als einen seiner besten Freunde bezeichnet. «Es gibt in unserer Mannschaft keinen, der glaubt, besser zu sein als die anderen. Das schätze ich sehr.»

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