St.Gallen trotz Niederlage im Plan

FUSSBALL. Der FC St.Gallen verliert das erste Testspiel in Belek gegen Kaiserslautern mit 2:4. Nach zwei Wochen Vorbereitung kann das Spiel als Gradmesser für ein Zwischenfazit dienen: Die St.Galler liegen im Soll, haben aber noch Potenzial.

Andy Sager/Belek
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St.Gallens Captain Stéphane Besle ist in der Südtürkei vor Kaiserslauterns Srdjan Lakic am Ball. Der FC St.Gallen ist erst in der zweiten Halbzeit ein ebenbürtiger Gegner. (Bild: Joachim Sielski)

St.Gallens Captain Stéphane Besle ist in der Südtürkei vor Kaiserslauterns Srdjan Lakic am Ball. Der FC St.Gallen ist erst in der zweiten Halbzeit ein ebenbürtiger Gegner. (Bild: Joachim Sielski)

Für Aussenstehende kommt ein Testspiel am zweiten Tag des Trainingslagers, besonders nach strengen Einheiten am Vortag, ungelegen. Spiele wie jenes des FC St.Gallen gestern gegen Kaiserslautern ordnet St.Gallens Trainer Jeff Saibene aber so ein: "Wir können unsere Schlüsse daraus ziehen. Solche Spiele sind gut für die Bestimmung der aktuellen Form."

Schlüsse lassen sich in der Tat ziehen. Weder die Fitness, noch der Rhythmus durften gestern das entscheidende Argument sein. Auf den Tag genau gleich lang befinden sich Kaiserslautern und St.Gallen in der Vorbereitung. Dennoch endete das Spiel mit einem verdienten 4:2 für den Club aus der zweiten Bundesliga. Doch St.Gallen spielte besser, als es das Resultat zeigt. "Wir hatten das Spiel lange im Griff und haben organisiert gespielt. Wenn man dem Gegner die Möglichkeiten aber so hinlegt, hat man auf diesem Niveau keine Chance", sagte Saibene.

Pressing wird forciert
Tatsächlich haben die Ostschweizer zu Beginn überlegt agiert und früh Druck auf den Gegner ausgeübt. In diesen Situationen war ersichtlich, dass die Trainingsarbeit von Saibene fruchtet. Dort liess er zuletzt früh attackieren und den Gegner nach Ballverlusten sofort unter Druck setzen. Auch gestern gingen die Offensivspieler weite Wege und liefen gar den gegnerischen Torhüter entschlossen an. Der Gegner wurde zu ungenauen Pässen gezwungen. Ebenso auffällig agierten die St.Galler im Umschaltspiel. Sobald sie den Ball in ihren Reihen wussten, ging der Angriff zügig nach vorne. Von ruhigem Aufbau war phasenweise wenig zu sehen.

Dass diese Taktiken auch Risiken bergen, wurde gestern aber ebenso deutlich: Im Verlauf der ersten Halbzeit wurde die Rückwärtsbewegung etwas langsamer und die Abstände zwischen den einzelnen Linien grösser. Alle drei Tore zum 0:3-Pausenrückstand waren die Folge davon. Individuelle Fehler, wie sie Saibene im Anschluss ansprach, taten ihr Übriges dazu. Natürlich müsse man die Anstrengung der vergangenen Tage berücksichtigen, sagte Saibene. Doch auch dann könne man "gewisse Erwartungen" haben. Trotz der Niederlage sieht der Trainer seine Equipe aber "im Plan".

Bereits in der zweiten Halbzeit gelang es den St.Gallern besser, eine Balance zwischen schnellem Angriff und sicherem Aufbau zu finden. Dass Saibene in der Pause auf sieben Positionen wechselte, fiel dabei kaum ins Gewicht. Die grosse Stärke der Hinrunde hat damit auch 2015 Bestand. Der homogene Eindruck, der beim Leistungsniveau entsteht, täusche nicht, so Saibene. "Die Konkurrenz besteht. Es gibt vier, fünf Positionen, auf denen Akteure auf ähnlichem Niveau spielen." Eine bevorzugte Formation ist im Moment kaum auszumachen. Spieler wie Muhamed Demiri und Roberto Rodriguez scheinen herangerückt zu sein. Tatsächlich kann jede Position doppelt besetzt werden. Dass dabei kein grosses Leistungsgefälle auszumachen ist, kann nur für St.Gallen sprechen. Mit der Verpflichtung von Daniel Dziwniel, der gestern in Belek eingetroffen ist, ist die letzte Lücke geschlossen.

Balance als Ziel
Bis zum Rückrundenstart in zweieinhalb Wochen bleibt dem Team zudem genügend Zeit, um auch die Balance zwischen sicherem Aufbau, schnellem Umschalten und Pressing zu finden.