St.Gallen spielt auf Zeit

Elf Tage ist es her, seit St.Gallens zweiter Co-Trainer Martin Stocklasa ohne erkennbaren Grund von seinen Aufgaben entbunden worden ist. Angeblich, ohne dass Cheftrainer Joe Zinnbauer von der Trennung gewusst haben, geschweige denn die Ursache dafür auch Tage später kennen will.

Christian Brägger
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Elf Tage ist es her, seit St.Gallens zweiter Co-Trainer Martin Stocklasa ohne erkennbaren Grund von seinen Aufgaben entbunden worden ist. Angeblich, ohne dass Cheftrainer Joe Zinnbauer von der Trennung gewusst haben, geschweige denn die Ursache dafür auch Tage später kennen will. Das irritiert. Immerhin hat der Deutsche einen seiner engsten Mitarbeiter quasi in einer Nacht-und-Nebel-Aktion verloren. Möchte man da als Chefcoach nicht alles ganz genau wissen?

Seither ruhen die Dinge, und weil dem so ist, droht der Fall Stocklasa zu versanden. Das wiederum käme dem FC St.Gallen wohl gelegen: Dass Ruhe einkehrt. Dass niemand mehr nachfragt. Dass fragwürdige Machenschaften im Hintergrund nicht zählen. Die Absetzung Stocklasas ist weiterhin verstörend. Nicht, weil sie passiert ist. Sondern, weil sie nie sachlich und damit nachvollziehbar begründet worden ist. Von Präsident Dölf Früh war vor Wochenfrist zu vernehmen, dass er gemeinsam mit Sportchef Christian Stübi so entschieden habe. Und die Massnahme als Reaktion auf die sportliche Situation und im Zuge einer Restrukturierung vollzogen worden sei. Seither herrscht Funkstille.

Eine Frage, die im FC St.Gallen bewegt: Wer hat letztlich das Sagen, und wer flüstert wem ein? Wenn man ein Zeichen setzen wollte gegen die sportliche Misere, stellt man nicht einen Co-Trainer frei, der im Verein höchstens geringe Entscheidungs- und Ausführungsgewalt besitzt – und somit die Leistungen auf dem Rasen nur marginal zu verantworten hat. Stübi hatte Stocklasa Anfang des Jahres vom Future Champs Ostschweiz in die erste Mannschaft geholt, war vom Liechtensteiner also überzeugt. Sollte sich das urplötzlich geändert haben? Wohl weniger. Der Verwaltungsrat war laut den Aussagen Frühs von der Vorwoche nicht in den Entscheid involviert. Bliebe nur noch der Präsident – womit sich die These des präsidialen Bauernopfers bestärkt. Vermutlich hat Früh intern wie extern ein Zeichen setzen und seinen eigenen Weg bestärken wollen: Zinnbauer ist sein Trainer.