FCSG-Trainer Peter Zeidler nach der Niederlage in Luzern: «Wir haben am nächsten Sonntag wieder einiges vor»

Der FC St.Gallen nutzt die exzellente Ausgangslage an der Tabellenspitze nicht und verliert in Luzern 0:1.

Patricia Loher aus Luzern
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St.Gallens Trainer Peter Zeidler im Meisterschaftsspiel zwischen dem FC Luzern und dem FC St.Gallen, in der Swisspor Arena in Luzern.

St.Gallens Trainer Peter Zeidler im Meisterschaftsspiel zwischen dem FC Luzern und dem FC St.Gallen, in der Swisspor Arena in Luzern.

Bild: Alexandra Wey / KEYSTONE

Als wenige Minuten nach dem Spiel die Penaltysituation im TV wiederholt wurde, kam Peter Zeidler doch noch ein Fluchwort über die Lippen. St.Gallens Trainer sah, wie Miro Muheim Gegenspieler Francesco Margiotta berührte, wie der Schiedsrichter auf den Elfmeterpunkt zeigte, der Luzerner anlief und Goalie Lawrence Ati Zigi keine Abwehrchance liess. Zeidler befand den Entscheid im ersten Moment als zu hart.

Es waren die entscheidenden Minuten gewesen, weil St.Gallen von der Steigerung in der zweiten Halbzeit nicht profitieren konnte und Luzern mit Marius Müller über einen Goalie in Hochform verfügte. «Manchmal gibt es Tage, da will der Ball nicht ins Tor», sagte St.Gallens Ermedin Demirovic nach der ersten Auswärtsniederlage seit dem 10. November. Zum ersten Mal seit elf Spielen und dem 0:0 am 6. Oktober 2019 zu Hause gegen Basel haben die Ostschweizer in einem Spiel nicht getroffen.

Basel und die Young Boys dürften aufgeatmet haben

Vor allem der FC Basel, vielleicht aber auch die Young Boys, dürften nach ihren überraschenden Ausrutschern aber für einen Moment aufgeatmet haben. Denn hätten die St.Galler in Luzern gepunktet oder gar gewonnen, wären sie vor dem Spitzenspiel vom nächsten Sonntag gegen die Berner nun alleiniger Leader.

Basels Rückstand hätte bis auf acht Punkte anwachsen können. Aus einem Dreikampf wäre an der Tabellenspitze zumindest für einige Wochen wohl ein Zweikampf geworden. Vielleicht echauffierte sich Zeidler auch wegen der unerwartet exzellenten Ausgangslage derart über den Penaltyentscheid, der ohne Zweifel hart, aber wohl doch gerechtfertigt war. Nur sagte der Deutsche eben auch: «Wir schauen weiterhin nicht auf die Tabelle, obwohl wir natürlich wissen, dass wir nun vor einem grossen Spiel stehen.»

Aussenverteidiger Muheim, einer der Aufsteiger dieser Saison, sagte:

«Ich habe Margiotta kaum berührt. Ich hörte ihn nicht und dann fiel er hin. Aber natürlich war es dumm von mir. Ich hätte den Ball einfach wegschlagen müssen.»

Nur, den Kopf werde man dem jungen Spieler deswegen nun nicht abreissen, so der Trainer. Denn St.Gallen hatte ab der 30. Minute ja auch noch genügend Zeit, um den Lapsus zu korrigieren. Nach einer durchzogenen ersten Halbzeit kämpften sich die Gäste nach der Pause zurück. In den ersten zehn Minuten erarbeiteten sie sich mehr Chancen als insgesamt während der ersten 45 Minuten.

Aber Luzern war in jener Phase ein zäher, aggressiver und unangenehmer Gegner, der sich nach dem Führungstor vor allem darauf beschränkte, in der Abwehr keine Fehler zu begehen und den hohen Rhythmus des Gegners zu brechen. «Das konnten wir Luzern nicht verübeln», sagte Zeidler über die Zentralschweizer, die nun als einzige Mannschaft in dieser Rückrunde noch unbesiegt sind. Trotz der Steigerung blieb St.Gallens Fehlerquote weiterhin zu hoch. Was in früheren Spielen fast wie am Schnürchen lief, war nun mehr Kampf und Krampf.

«Für uns ist die Niederlage kein Weltuntergang»

Aber es gab die Phasen, als St.Gallen wie ein Leader spielte und die Partie in andere Bahnen hätte lenken können. Es gelang den Gästen immer wieder, dominant aufzutreten, den Gegner während Minuten zurückzudrängen und sich Torchancen herauszuspielen.

Lawrence Ati Zigi: Note 5. Beim Penalty chancenlos. Bewahrt sein Team mit starken Reflexen in der Schlussphase mehrmals vor weiteren Gegentoren.
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Silvan Hefti: Note 4. Kommt immer wieder stark über die rechte Seite, aber überraschen kann er Luzerns Abwehr damit nicht.
Yannis Letard: Note 5. Der Franzose bewahrt in der hektischen Schlussphase kühlen Kopf und ist dank des guten Stellungsspiels einer der besseren St. Galler.
Leonidas Stergiou: Note 4,5. So wie Letard macht auch der 17-Jährige einen mehrheitlich guten Job. Muss sich aber ein-, zweimal überlaufen lassen.
Miro Muheim: Note 4. Der Unglücksrabe. Verschuldet den am Ende entscheidenden Penalty. Unternimmt danach viele Vorstösse, die Flanken bleiben für einmal aber wirkungslos.
Lukas Görtler: Note 4. Er kämpft wie immer – auch, nachdem er früh einen Schlag auf den Oberschenkel kassiert hat. Kann so kaum Einfluss nehmen und muss dann ausgewechselt werden.
Jérémy Guillemenot: Note 3,5. Dem Romand unterlaufen viele unerzwungene Fehler. Verpasst mit einem Kopfball das 1:1.
Jordi Quintillà: Note 4,5. Luzern tritt der Spielstärke des Spaniers mit körperlicher Härte entgegen. Starker Freistoss in der 65. Minute.
Boris Babic: Note 3,5. Er spielt hinter den Spitzen. Nach einer nicht überzeugenden ersten Halbzeit steigert er sich.
Cedric Itten: Note 4. Der Basler wirkt oft etwas verloren, weil mit wenig Bindung zum Spiel. Fällt aber mit der einen oder anderen Balleroberung auf.
Axel Bakayoko: Note 4,5. Kommt für Görtler. Bringt viel Schwung – und scheitert in der 62. Minute am starken Goalie Marius Müller.
Ermedin Demirovic: Note 3,5. Luzern meldet den gefährlichen Stürmer fast 90 Minuten ab. Als er trotzdem zu einer guten Chance kommt, verwertet er diese atypischerweise nicht.
André Ribeiro: Note -. Kommt in der 86. Minute für Guillemenot. Die Zeit ist zu kurz für eine Note.

Lawrence Ati Zigi: Note 5. Beim Penalty chancenlos. Bewahrt sein Team mit starken Reflexen in der Schlussphase mehrmals vor weiteren Gegentoren.

Urs Bucher

So scheiterten in der 62. und 65. Minute zuerst Axel Bakayoko dann Jordi Quintillà mit einem Freistoss an Goalie Müller. In den letzten zehn Minuten parierte der Deutsche zudem einen Kopfball von Guillemenot und auch Demirovic vergab eine ausgezeichnete Möglichkeit. In der zweiten Halbzeit sei es ihnen gelungen, Luzern vom eigenen Strafraum fernzuhalten und sich viele Chancen herauszuspielen, sagte Zeidler:

«Luzern hatte einen hervorragenden Torhüter. Für uns ist die Niederlage kein Weltuntergang.»

Luzern setzte während der St.Galler Druckphase immer wieder Nadelstiche, die Zentralschweizer rauschten dann jeweils in Richtung des St.Galler Tors, spielten die Konter aber oft nicht sauber zu Ende oder scheiterten am erneut starken Goalie Zigi.

Die Schlussphase war hektisch: St.Gallens Physiochef Simon Storm erhielt vom Schiedsrichter die gelb-rote Karte gezeigt, offenbar hatte Storm den Unparteiischen auf übertriebene Luzerner Härte und Zeitspiel hingewiesen.

Kann Görtler am Sonntag wieder spielen?

St.Gallen hätte sich in Luzern einen Punkt verdient. Dabei war es dem Team noch in der ersten Halbzeit kaum gelungen, sein Pressing aufzuziehen. Guil­lemenot, der die Position des gesperrten Victor Ruiz einnahm, konnte den Spanier nicht vergessen machen. Und Boris Babic brauchte Zeit, um sich hinter den Spitzen zurechtzufinden. Hinzu kam, dass Lukas Görtler nach einem Schlag auf den Oberschenkel früh handicapiert war. Noch ist offen, ob der Deutsche am Sonntag gegen den Meister einsatzfähig sein wird.

St.Gallens Anhänger hoffen, dass die Niederlage in Luzern nur ein Zwischenstopp war. Zeidler sagte: «Wir haben am Sonntag wieder einiges vor.»

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