St. Gallens Strategie der Geduld

Mit Everton, Geoffrey Tréand und Yannis Tafer sind drei neue Spieler massgeblich am 3:0-Sieg St. Gallens gegen die Grasshoppers beteiligt. Gewinner der vergangenen Tage ist Tafer, der noch zu Saisonbeginn wenig eingesetzt wurde.

Patricia Loher
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Die St. Galler Everton, Ermir Lenjani, Geoffrey Tréand und Stéphane Besle (von links) jubeln: Zum erstenmal seit fünf Jahren gelingt es ihnen, zu Hause die Grasshoppers zu bezwingen. (Bild: ky/Ennio Leanza)

Die St. Galler Everton, Ermir Lenjani, Geoffrey Tréand und Stéphane Besle (von links) jubeln: Zum erstenmal seit fünf Jahren gelingt es ihnen, zu Hause die Grasshoppers zu bezwingen. (Bild: ky/Ennio Leanza)

FUSSBALL. Es war eine Premiere. Zum erstenmal in einem Meisterschaftsspiel dieser Saison gehörten St. Gallens Startformation am Mittwoch fünf Neuzuzüge an. Nach der vergangenen Meisterschaft hatten die Ostschweizer acht Transfers getätigt, um nach der missglückten Rückrunde eine «neue Dynamik» zu entfachen. Doch zu Saisonbeginn kamen jeweils bloss zwei oder drei Neue zum Einsatz, beim Sieg in Basel und der Niederlage in Thun waren es vier.

Am Mittwoch trugen mit Everton, der in der Super League sein erstes Spiel bestritt, sowie den Torschützen Geoffrey Tréand und Yannis Tafer drei neue Spieler viel dazu bei, dass die Ostschweizer erstmals seit fünf Jahren gegen die Zürcher einen Heimsieg feiern konnten. Pascal Thrier, der als rechter Aussenverteidiger erneut den verletzten Mario Mutsch vertrat, und Albert Bunjaku lieferten ebenfalls solide Leistungen ab.

«Sonst werden sie verheizt»

Gewinner der vergangenen Wochen ist aber Tafer. Der 23jährige Franzose hat zuletzt in drei Spielen in Meisterschaft und Cup zwei Tore erzielt. Zudem lieferte er zwei Vorlagen. Zu Saisonbeginn war Tafer zu zwei Teileinsätzen gekommen, danach aber setzte Trainer Jeff Saibene in fünf Partien nicht mehr auf den offensiven Mittelfeldspieler. «Neue Akteure müssen sich an eine neue Umgebung, an den Rhythmus und die Taktik des Trainers gewöhnen», so Saibene. Sowohl bei Tafer als auch bei Everton habe er in den vergangenen Tagen das Gefühl gehabt, dass der Moment gekommen sei, um sie wieder oder erstmals einzusetzen. «Natürlich fragten sich die Zuschauer: Wieso holt St. Gallen neue Spieler, gibt ihnen aber keine Einsatzzeit?», so der Luxemburger. Aber ihr Plan sei immer noch derselbe wie in den vergangenen Jahren: «Wir holen Spieler und bauen sie auf. Wir geben ihnen Zeit – sowohl auf der sportlichen, als auch auf der menschlichen Ebene.» Es bringe nichts, sie einzusetzen, wenn sie noch nicht so weit seien wie gewünscht. «Sonst werden sie verheizt.» St. Gallen hat mit der Strategie der Geduld in den Jahren seit dem Aufstieg oft Erfolg gehabt. Marco Mathys, Ermir Lenjani und auch Dejan Janjatovic wurden geholt, aber nicht gleich zu Stammspielern gemacht. «Als Trainer muss man spüren, wann die Zeit reif ist», so Saibene.

Einen Schritt weiter

Auf der Suche nach der richtigen Mischung scheint St. Gallen trotz der verletzungsbedingten Abwesenheiten von Philippe Montandon, Mutsch und Nisso Kapiloto einen Schritt weitergekommen zu sein. Auf die Diskussion, ob seine Mannschaft am Mittwoch in der ersten Halbzeit möglicherweise nur deshalb einen fast fehlerlosen Auftritt abliefern konnte, weil die Grasshoppers einen rabenschwarzen Tag einzogen, will sich der Trainer nicht einlassen: «Ich beschäftige mich grundsätzlich nicht mit dem Gegner.»

Für Saibene zählt einzig, dass sich seine Mannschaft Luft verschafft hat. Das erste Viertel der Meisterschaft hat sie mit einer ausgeglichenen Bilanz abgeschlossen: Drei Siegen stehen drei Unentschieden und drei Niederlagen gegenüber. Unterdessen ist auch die Tordifferenz wieder positiv. Allerdings muss sich St. Gallen nun bestätigen, am Sonntag gastiert es beim letztklassierten Luzern. Siegen die Ostschweizer, wäre das ebenfalls eine Premiere: Noch nie gelang es ihnen in dieser Saison, zweimal hintereinander zu gewinnen.