So wäre auch die Super League super

Alle schwärmen von der besten Challenge-League „aller Zeiten“. Man könnte in dieser Saison die zweithöchste Liga auch als untere Hälfte der Super League bezeichnen. Eine Chance öffnet sich, die aber kaum jemand wahrzunehmen scheint.

Fredi Kurth
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Mit einer 14er-Liga würden Traditionsclub wie der FC St.Gallen nicht so rasch in Abstiegsgefahr geraten. (Bild: Keystone)

Mit einer 14er-Liga würden Traditionsclub wie der FC St.Gallen nicht so rasch in Abstiegsgefahr geraten. (Bild: Keystone)

Ein bekanntes Schuhunternehmen (nicht Kybun) wollte einmal in einem afrikanischen Staat seine Marktchancen sondieren und sandte zu diesem Zweck zwei Beobachter in das Land, einen in den Norden, den andern in den Süden. Der eine meldete: „Da ist nichts zu machen. Die gehen alle nur barfuss oder tragen Sandalen.“ Der andere meldete: „Da ist ein riesiger Markt vorhanden. Die gehen alle nur barfuss oder tragen Sandalen.“

Mindestens fünf Jahre
Der Witz kam mir wieder in den Sinn, als sich die Challenge-League-Saison grossartig ankündigte, mit nicht weniger als fünf Vereinen, die man sich auch in der Super-League vorstellen könnte. Aarau, Servette, Wil, Xamax und nicht zuletzt Zürich wollen hinauf. Dabei hätten auch noch Chiasso, Schaffhausen und Winterthur Nationalliga-A-Tradition vorzuweisen. Auch ich schaue fasziniert auf diese nun plötzlich attraktive Liga, stelle aber gleichzeitig betrübt fest, dass es mindestens fünf Jahre dauern wird, bis sich jeder dieser fünf Aufstiegsinteressierten in der höchsten Liga wiederfindet, weil pro Jahr nur einer den Schritt machen kann.

Zu klein geraten
Die Entwicklung ist nicht einmal so überraschend: Fast alle Vereine, die im Zuge der Ligareduktion, aber auch eigener Sünden Konkurs gegangen sind, melden sich zurück und stehen nun Schlange. Lugano und Lausanne haben die Rückkehr in die Super League bereits geschafft. Wie lange sie sich dort oben festhalten können oder wie sehr andere dafür weichen müssen wie zuletzt der FC Zürich, ist offen. Kein Zweifel: Die höchste Liga ist zu klein geraten, um dem Potenzial des Schweizer Fussballs gerecht zu werden.

Eine 14-er-Liga zum Atmen
Natürlich wäre es vermessen, Super League und Challenge League zusammenzulegen, aber eine mittlere Aufstockung, ideal wären wohl 14 Mannschaften, liesse sich langfristig durchaus vertreten. „Neureiche“ wie Vaduz oder der FC Wil hätten dann ebenso Platz wie viele Traditionsvereine, die alle eine Bereicherung für die Super-League wären wie zuletzt der FC Lugano. Gleichzeitig würde sich der Druck auf die Traditionsvereine vermindern: wenn nur die Nummer 13 und 14 des Schweizer Fussballs absteigen müsste statt bereits die Nummer 10. Gleichzeitig bedeutete ein Abstieg nicht mehr so sehr ein Fall ins Bodenlose, wenn aus dem Unterbau wieder zwei Teams aufsteigen könnten. Natürlich müsste man sich auch beim FC St. Gallen darüber Gedanken. So wie er sich aktuell präsentiert, ist nicht auszuschliessen, dass er während der Arena-Ära zum dritten Mal die Last eines Abstiegs schultern muss und ein dritter direkter Wiederaufstieg aufgrund der jetzigen Konstellation sehr fraglich wäre.

Neue Stadien als Fallgrube
Wie sehr der strukturelle Druck der Zehnerliga viele Vereine zu Panikaktionen und schliesslich ins finanzielle Desaster getrieben hat, habe ich an dieser Stelle schon dargelegt. Verschärft wurde die Situation oft mit dem Bau neuer Stadien. Jene in Genf und Neuenburg konnten ihren Zweck als Heimat des lokalen Vereins kaum je erfüllen. Der FC St. Gallen wäre darob auch beinahe zerbrochen, und der FC Biel stellte in der Challenge League in diesem Frühjahr den Betrieb noch vor Ende der ersten Saison im neuen Stadion ein.

14 Vereine in einer Regular Season mit 26 Runden, einer Final- und Abstiegsrunde ab April (Trennung nicht schon wie früher im Winter und keine Punktehalbierung) – dann würde endlich auch die Super League super, auch wenn deren Attraktivität bis auf Weiteres unter der Dominanz des FC Basel leiden dürfte. Bei Gestaltung der Finalrunde stünden einige Varianten zur Debatte. Eine bietet bereits die israelische Spitzenliga an: Finale mit sechs, Abstiegsrunde mit acht Teams. Lösungen mit je sieben Teams wären ebenfalls denkbar.

Sport wichtiger als das Geld
Ja der Markt. Er wird oft zitiert, wenn pro Zehnerliga argumentiert wird. Die knappen Sponsor- und TV-Gelder mögen bei der Verteilung eine gewisse Rolle spielen im Schweizer Fussball. Aber sie können doch nicht entscheidend sein, wenn es sportlich eine bessere Alternative gibt. In Österreich übrigens wird die seit 1994 bestehende Zehnerliga ab 2018/19 auf zwölf Vereine erhöht. Dort gab es eine ähnliche Entwicklung wie hierzulande, verschwanden Traditionsvereine der Reihe nach.

Ja, und nochmals der Markt. „Schau einmal in Genf, das leere Stadion. Da ist überhaupt kein Markt für Spitzenfussball vorhanden.“ Oder doch eher: „Schau einmal in Genf – da besteht doch ein riesiges Potenzial.“ Oder wer erinnert sich nicht, welche Massen in Neuenburg in den 1980-er-Jahren ins Stade de la Maladière strömten. Hat jene Konkurrenz irgendjemandem geschadet? Den Berner Young Boys zum Beispiel, die in jener Zeit zum letzten Mal Meister und Cupsieger gewonnen haben? Nein, der lokale Markt ist überall vorhanden und kann bei Gelegenheit belebt werden, sicher besser als in der „Super Challenge League“.
Die Zeit für eine wahre Super League ist reif. Jetzt müssten es nur noch die Menschen sein, die darüber befinden könnten.