«So ist es schwer, Erfolg zu haben»

Endstation Cup-Halbfinal. St. Gallens Trainer Jeff Saibene ist auch einen Tag nach der 1:3-Niederlage gegen Basel bitter enttäuscht. Er hadert mit den Fehlern seines Teams und macht für den Rest der Saison keine Zielvorgaben mehr.

Christian Brägger
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Der enttäuschte St. Galler Trainer Jeff Saibene. (Bild: ky/Gian Ehrenzeller)

Der enttäuschte St. Galler Trainer Jeff Saibene. (Bild: ky/Gian Ehrenzeller)

Herr Saibene, wenn Sie Ihre Augen schliessen und den verlorenen Cup-Halbfinal gegen Basel Revue passieren lassen. Was fühlen Sie?

Jeff Saibene: Eine riesige Enttäuschung. So nahe am Finaleinzug waren wir schon lange nicht mehr. Ich finde, wir sind von der Taktik und Organisation her gut in die Partie gekommen. Wir wollten auf Konter spielen und Sicherheit ausstrahlen. Aber dann bestraften wir uns selbst mit unglaublichen individuellen Fehlern. So ist es schwer, Erfolg zu haben – viel zu oft unterlaufen uns in den vergangenen Partien diese dummen Fehler.

Sie sprechen das Missgeschick von Daniele Russo zum 0:1 an?

Saibene: Darum geht es gar nicht. Einmal ist es der eine, einmal der andere, dem das Malheur passiert. Es geht um das Prinzip, so fehleranfällig zu sein. Natürlich sind wir jetzt in einer Phase, in der vieles gegen uns läuft. Noch im Herbst war das anders, da lief vieles für uns.

Man spürt Ihre Enttäuschung. Haben Sie dennoch gut geschlafen?

Saibene: Ich habe überhaupt nicht geschlafen.

Haben Sie eine Erklärung, weshalb am Mittwochabend die Emotionen auf und neben dem Platz fehlten?

Saibene: Das hatte sicherlich mit unserer abwartenden Taktik zu tun. Wenn wir so auftreten, ist es schwieriger, unsere Anhänger zu begeistern.

Was für ein St. Galler Team haben Sie gestern beim ersten Training nach der Niederlage vorgefunden?

Saibene: Das kann man sich vorstellen. Es herrschte grosse Frustration. Wir waren optimal vorbereitet, und wenn es so rauskommt, ist es einfach schlimm und bitter.

Würden Sie nochmals alles gleich machen für dieses kapitale Spiel?

Saibene: Ja. Alles. Wir wollten defensiv unbedingt stabiler in die Partie gehen. Wir starteten mit fast derselben Mannschaft wie bei unserem 2:0-Erfolg in Basel und standen auch tiefer. Aber nochmals: Wenn du solche Fehler produzierst, hast du keine echte Chance.

Das ist dann aber irgendwo auch eine Qualitätsfrage, nicht? Mario Mutsch und Daniele Russo wirken derzeit jedenfalls so, als ob sie ihren Zenit überschritten haben.

Saibene: Das sehe ich nicht so extrem. Ich finde diese Formulierung zu hart.

Aber gerade Mutsch spielt schon länger auf schwachem Niveau.

Saibene: Beide, Mutsch und Russo, zeigten gute Vorrunden. Nur schon unter diesem Aspekt kann man drei Monate später nach der Winterpause nicht kommen und sagen, die beiden hätten ihren Zenit überschritten.

Dann muss man es anders formulieren. Seit die beiden die Verträge verlängert haben, rufen sie ihre Leistung nicht mehr ab.

Saibene: Auf dem Papier ist das vielleicht korrekt. Nur sind diese beiden Spieler besonders sensibel. In einer schwierigen Phase wie jetzt können sie Rückschläge nicht einfach wegstecken. Das nagt an ihrem Selbstvertrauen.

Kamen ihre Vertragsverlängerungen in der Vorrunde zu früh?

Saibene: Man stelle sich vor: Jemand spielt wie Russo eine gute Vorrunde, und dann kommt in der Rückrunde ein anderer Club und wirbt ihn ab. Dann würde jeder sagen: Hallo, wieso habt ihr den Vertrag nicht bereits früher verlängert? Ganz so einfach ist es also nicht.

Sie sind jetzt gefordert. Morgen kommen die Young Boys. Wie lautet Ihr Konzept?

Saibene: Wir arbeiten mit Videoanalysen. Und ich möchte nicht alles auf den Kopf stellen. Ich sah gegen Basel trotz der Niederlage eine Steigerung. Auf ein bis zwei Positionen wird es Änderungen geben. Aber nicht mehr.

Die Vorrunde fiel über dem richtigen Level der St. Galler aus, die Rückrunde darunter. Wo sehen Sie den FC St. Gallen?

Saibene: Wir sind sicher besser, als wir derzeit auftreten. Aber so souverän und stabil wie in der Vorrunde sind wir auch nicht. Wir könnten auch Siebenter oder Achter sein. Wenn wir gefestigt sind und als Team am Limit spielen, sind wir in etwa im vorderen Mittelfeld. Das ist absolut okay, wir dürfen die Realität nicht aus den Augen verlieren.

Wie sehen nun Ihre Zielvorgaben für den Rest der Saison aus?

Saibene: Ich wünsche mir ein Erfolgserlebnis, einen Sieg. Das ist das Wichtigste. Wir müssen alles dafür tun, damit das Glück auf unsere Seite kippt. Und wir müssen diese Fehler vermeiden.

Bloss ein Sieg als Wunsch, das tönt nach wenig. Wie lautet denn das neue Saisonziel?

Saibene: In der Situation, in der wir stecken, gebe ich keine Ziele mehr vor. Wir müssen wieder alles investieren in einen Sieg, dann holen wir wieder Punkte.

Manchmal vermissen die Anhänger die Leidenschaft einiger Spieler, für den Club zu leiden.

Saibene: Wir haben unterschiedliche Charaktere im Team, das stimmt.

Zieht die Niederlagenserie personelle Konsequenzen nach sich?

Saibene: Auf den Seiten sind wir grundsätzlich gut aufgestellt. Aber wir brauchen auf der Hauptachse sicher zwei bis drei Leadertypen, die uns unterstützen. Also vorne, in der Mitte und hinten jeweils einen Spieler.

In der Vorsaison fiel Ihre Mannschaft in der Rückrunde in ein Tief. Sie haben in dieser Winterpause gesagt, der FC St. Gallen habe für diese Saison daraus die Lehren gezogen. Wieso geriet der Club dennoch wieder in ein Schlamassel?

Saibene: Wenn ich dafür die Gründe nennen müsste, sind wir wieder beim gleichen Thema. Es sind die Dinge auf dem Platz, die wir besser machen müssen.

Sie haben Ihren Vertrag bis 2017 – sicherlich mit Visionen – vorzeitig verlängert. Wo sehen Sie sich auf Ihrem Weg mit dem Verein?

Saibene: Aktuell sind wir nur tabellenmässig im Soll. Letztlich ist Fussball aber ein Tagesgeschäft, der Club lebt vom Heute und nicht von Visionen. Heute leiden wir alle. Momentan sind unsere Resultate einfach Horror.

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