Siegesserie gerissen: FC St.Gallen verliert in Luzern nach durchzogenem Auftritt mit 0:1 +++ Espen bleiben trotzdem auf Platz 1 +++ Trainer Zeidler: «Es geht keine Welt unter»

Der FC St.Gallen kassiert beim FC Luzern seine erste Rückrunden-Niederlage. Ein Elfmetertreffer durch Francesco Margiotta bleibt das einzige Tor der Partie. Weil auch YB patzt, bleiben die Ostschweizer trotz der Niederlage auf dem Leaderthron.

Daniel Walt
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Die Tore

  • 30. Minute, 1:0, Francesco Margiotta. Der Luzerner Angreifer verwandelt einen Elfmeter gegen Lawrence Ati Zigi souverän in die linke untere Ecke.

Die Spiel-Analyse

Achtung, fertig los in der Swisspor Arena: Nach weniger als zehn Sekunden begeht ein Luzerner das erste sackgrobe Foul an Jordi Quintillà. Nach einer Minute der erste Luzerner Konter. Und nach knapp zwei Minuten zunächst ein Abschlussversuch von Boris Babic, gefolgt von einem Schuss Cedric Ittens. Ja, die 11'406 Fans sehen von Beginn an ein Spiel mit viel Tempo. Und einem wie gewohnt sehr offensiven, hoch stehenden FC St.Gallen.

Trotz der Absenz des rotgesperrten Victor Ruiz führen die Ostschweizer zunächst die feinere Klinge, ohne allerdings zu grossen Chancen zu kommen. Bloss die Meldung, dass Lugano gegen YB in Führung gegangen ist, sorgt für Jubel unter den vielen Gästefans:

Bild: Daniel Walt

Erst nach einer Viertelstunde gelingt es den Luzernern, sich etwas aus der Umklammerung des Leaders zu lösen. Die Startviertelstunde wird zudem geprägt von vielen, teils harten Zweikämpfen, beide Teams schenken sich nichts. Trotz vielversprechender Ansätze kommen aber beide Mannschaften zu praktisch keinen nennenswerten Chancen.

Nach 30 Minuten sorgt dann Schiedsrichter Sandro Schärer für einen Paukenschlag. Zuvor hat er sich in diversen Szenen den Unmut des Heimpublikums zugezogen – nun entscheidet er nach einer Intervention im Strafraum der St.Galler auf Elfmeter. Francesco Margiotta lässt sich die Chance nicht entgehen: Er schickt Lawrence Ati Zigi in die falsche Ecke und bringt die Luzerner in Führung:

Alexandra Wey / KEYSTONE

Die Ausgangslage vor dem zweiten Umgang präsentiert sich für die Espen ähnlich wie beim Rückrunden-Start daheim gegen Lugano: Gefühlt haben die Ostschweizer mehr vom Spiel – so lautet das Cornerverhältnis beispielsweise 6:1 für die Gäste. Vorne fehlt ihnen aber die Durchschlagskraft, und sie produzieren viel zu viele Fehlpässe. Die St.Galler sind nach Wiederanpfiff denn auch sichtlich besorgt, mehr Sorge zum Ball zu tragen. Ein Abschluss von Babic nach einer Hereingabe von Demirovic nach 51 Minuten fällt zu harmlos aus. Trainer Peter Zeidler wechselt in der Folge Axel Bakayoko für Lukas Görtler ein. Ebendieser Bakayoko hat nach 62 Minuten die bis anhin grösste Ausgleichschance: Nach schönem Durchspiel zieht er ab, aber Luzern-Goalie Müller lenkt mirakulös über die Latte. Nur drei Minuten später zirkelt Quintillà einen Freistoss wunderbar in die entfernte Ecke, doch Müller ist erneut zur Stelle.

An ihm gab es kein Vorbeikommen: Marius Müller.

An ihm gab es kein Vorbeikommen: Marius Müller.

Bild: Keystone

Nach spätestens 75 Minuten dürfte jedem FCSG-Fan im Stadion klar sein: Mehr als einen Punkt werden die Ostschweizer heute kaum aus der Swisspor Arena entführen. Zu bissig und zu stilsicher agieren die Einheimischen – vor allem aber kommt die vielgelobte Offensive der Gäste auch in Halbzeit zwei nicht so richtig in Schwung. Insbesondere Itten und Demirovic bleiben blass. Und wenn die Espen mal gefährlich zum Abschluss kommen, ist auch in der Schlussviertelstunde Luzern-Goalie Marius Müller da. Die St.Galler haben sogar noch Glück, dass sie um einen zweiten Gegentreffer herumkommen: Bei einem Konter treffen die Luzerner nur die Latte.

Weil YB in Lugano mit 1:2 verliert, bleiben die St.Galler trotz der Niederlage in Luzern Tabellenführer. Somit heisst es am kommenden Sonntag, 23. Februar, im Kybunpark: Willkommen zum Duell Erster gegen Zweiter – willkommen zu FC St.Gallen gegen YB!

Der Beste

In den letzten Wochen war es ob der geschlossenen Teamleistungen jeweils schwierig, den schlechtesten Spieler zu küren. Heute ist der Fall in der Rubrik «Der Beste» delikat. In Hochform präsentiert sich in Luzern keiner. Am besten ist nach dem gewohnt starken Goalie Zigi Verteidiger Yannis Letard. Er wirkt ruhig und überzeugt mit gutem Stellungsspiel.

Der Schlechteste

Cedric Itten und Ermedin Demirovic ziehen einen schwachen Tag ein. Insbesondere Demirovic sieht man kaum.

Lawrence Ati Zigi: Note 5. Beim Penalty chancenlos. Bewahrt sein Team mit starken Reflexen in der Schlussphase mehrmals vor weiteren Gegentoren.
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Silvan Hefti: Note 4. Kommt immer wieder stark über die rechte Seite, aber überraschen kann er Luzerns Abwehr damit nicht.
Yannis Letard: Note 5. Der Franzose bewahrt in der hektischen Schlussphase kühlen Kopf und ist dank des guten Stellungsspiels einer der besseren St. Galler.
Leonidas Stergiou: Note 4,5. So wie Letard macht auch der 17-Jährige einen mehrheitlich guten Job. Muss sich aber ein-, zweimal überlaufen lassen.
Miro Muheim: Note 4. Der Unglücksrabe. Verschuldet den am Ende entscheidenden Penalty. Unternimmt danach viele Vorstösse, die Flanken bleiben für einmal aber wirkungslos.
Lukas Görtler: Note 4. Er kämpft wie immer – auch, nachdem er früh einen Schlag auf den Oberschenkel kassiert hat. Kann so kaum Einfluss nehmen und muss dann ausgewechselt werden.
Jérémy Guillemenot: Note 3,5. Dem Romand unterlaufen viele unerzwungene Fehler. Verpasst mit einem Kopfball das 1:1.
Jordi Quintillà: Note 4,5. Luzern tritt der Spielstärke des Spaniers mit körperlicher Härte entgegen. Starker Freistoss in der 65. Minute.
Boris Babic: Note 3,5. Er spielt hinter den Spitzen. Nach einer nicht überzeugenden ersten Halbzeit steigert er sich.
Cedric Itten: Note 4. Der Basler wirkt oft etwas verloren, weil mit wenig Bindung zum Spiel. Fällt aber mit der einen oder anderen Balleroberung auf.
Axel Bakayoko: Note 4,5. Kommt für Görtler. Bringt viel Schwung – und scheitert in der 62. Minute am starken Goalie Marius Müller.
Ermedin Demirovic: Note 3,5. Luzern meldet den gefährlichen Stürmer fast 90 Minuten ab. Als er trotzdem zu einer guten Chance kommt, verwertet er diese atypischerweise nicht.
André Ribeiro: Note -. Kommt in der 86. Minute für Guillemenot. Die Zeit ist zu kurz für eine Note.

Lawrence Ati Zigi: Note 5. Beim Penalty chancenlos. Bewahrt sein Team mit starken Reflexen in der Schlussphase mehrmals vor weiteren Gegentoren.

Urs Bucher

Kuriosum des Spiels: Gelbrote Karte für Masseur Storm

Im Verlauf der zweiten Halbzeit eilt Schiedsrichter Sandro Schärer zur St.Galler Bank und zückt die gelbrote Karte. Schnell wird klar: Sie betrifft Simon Storm, Leiter Physiotherapie und Athletik. Trainer Peter Zeidler wird nach dem Spiel aufklären: Der Österreicher habe mehrfach reklamiert und den Schiedsrichter auf das Zeitspiel der Luzerner und deren hartes Einsteigen aufmerksam gemacht. Deshalb habe er schliesslich Gelbrot gesehen. «Er muss uns deshalb jetzt zu einem Kaiserschmarrn einladen», schmunzelt Zeidler.

Unruhe beim FCL trotz des Sieges

Die Wogen rund um den FC Luzern gehen seit Monaten hoch, weil die Investoren heillos zerstritten sind. Die Anhänger der Leuchten richten kurz vor Spielschluss eine klare Botschaft an das eitle «Investoren-Pack», wie sie die Geldgeber Alpstaeg & Co. nennen:

Der Vertipper des Tages

Lawrence Ati Zigi, Leonidas Stergiou, Jérémy Guillemenot: Nein, die Spieler des FC St.Gallen haben orthographisch gesehen nicht die einfachsten Namen. Auf dem Matchblatt umschifft der FC Luzern auch die schwierigsten Klippen, was die Aufstellung des Tabellenführers angeht. Ausgerechnet den Vornamen des eigenen Torhüters schreiben die Luzerner Verantwortlichen aber falsch – aus Marius Müller wird Maris Müller:

Die Reaktionen

Peter Zeidler, Trainer FC St.Gallen.

Peter Zeidler, Trainer FC St.Gallen.

Bild: Keystone

Peter Zeidler, Trainer FC St.Gallen: «Wir haben das Spiel gut begonnen. Leider haben wir nach zehn Minuten die Kontrolle über die Partie dann etwas verloren, ohne dass der Gegner allerdings zu grossen Chancen gekommen wäre. Die Luzerner haben dann natürlich vom Elfmeter profitiert, das war letztlich die entscheidende Szene des Spiels. In der zweiten Halbzeit war unser Gegner dann lange nicht mehr in unserer Hälfte, geschweige denn in unserem Strafraum. Wir unsererseits haben fünf, sechs hochkarätige Chancen vergeben, aufgrund derer wir den Ausgleich auch verdient gehabt hätten. Wegen dieser Niederlage geht keine Welt unter. Wir freuen uns jetzt auf das Heimspiel gegen YB vor ausverkauftem Haus am kommenden Sonntag.»

Miro Muheim, Verteidiger FC St.Gallen: «Ich habe den Eindruck, dass ich Margiotta vor dem Elfmeterpfiff kaum berührt habe. Ich sah ihn nicht, und dann fiel er auch schon um. Im Nachhinein wäre es das Beste gewesen, wenn ich den Ball gleich weggeschlagen hätte.»

Fabio Celestini, Trainer FC Luzern.

Fabio Celestini, Trainer FC Luzern.

Bild: Keystone

Fabio Celestini, Trainer FC Luzern: «In der ersten Halbzeit haben wir mit und ohne Ball gut gespielt. St.Gallen zieht ein fantastisches Pressing auf. In der zweiten Halbzeit haben wir die Kontrolle über das Spiel dann verloren, und St.Gallen spielte auch besser.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:
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