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SIEGESSERIE DES FCSG: Plötzlich stand Matthias Hüppi in der St.Galler Fankurve

Die Partie zwischen dem FC St.Gallen und den Grashoppers verzögerte sich am Samstag wegen der Fans. Fackeln auf der einen Seite, Rauchpetarden auf der anderen. Mittendrin stand plötzlich FCSG-Präsident Matthias Hüppi.
Ralf Streule
FCSG-Präsident Hüppi sprach angeregt mit den St.Galler «Capos», die Fangesänge und Choreos koordinieren. (Bild: EDDY RISCH (KEYSTONE))

FCSG-Präsident Hüppi sprach angeregt mit den St.Galler «Capos», die Fangesänge und Choreos koordinieren. (Bild: EDDY RISCH (KEYSTONE))

Der 2:1-Erfolg gegen die Grasshoppers ist der fünfte Sieg in Folge für den FC St.Gallen. Gleiches gelang der Mannschaft im Spätsommer 2012 unter Jeff Saibene. Nicht nur der aktuelle Lauf stimmt beim Club in diesen Tagen zuversichtlich, wie der Überblick zeigt. Es sind sonnige Zeiten – nur ein kleines, schwer fassbares Wölklein ist am FCSG-Himmel zu finden.

Der Präsident in der Fankurve

Der Spielbeginn am Samstag verzögerte sich, St.Galler Fans zündeten Fackeln, die Grasshoppers-Anhänger Rauchpetarden. Hüppi tat Überraschendes. Plötzlich stand er im Fansektor, sprach angeregt mit den «Capos», die Fangesänge und Choreos koordinieren. «Diese Kurve ist dermassen wichtig für uns», erklärte er danach. Da wolle er das Gespräch suchen und direkt erklären, wenn etwas dem Club mehr schade als nütze. Das Gespräch sucht Hüppi auch bei Fananlässen in der Stadt. Die offene Kommunikation ist eine von Hüppis Stärken. Auch wenn seine ideologische Sicht auf den Fussball ihm in nationalen Medien schon den Vorwurf eingebracht hat, naiv zu handeln: Seine Haltung wirkt echt, seine Aktionen kommen bei Fans und Sponsoren an. Ein wichtiges Detail, wenn es darum geht, den Club finanziell im Gleichgewicht zu halten und die Leute hinter den Club zu bringen.

Das gefestigte Gesicht der Mannschaft

Natürlich schrieb Runar Sigurjonsson am Samstag die Geschichte des Abends: ein Traumtor und eine starke Leistung gegen den Club, bei dem er noch unter Vertrag steht und dessen Trainer Murat Yakin er, gelinde gesagt, nicht gerade ins Herz geschlossen hat. Es ist eine Geschichte, die in der aktuellen Situation des FC St.Gallen bezeichnend ist. Das Team wird mit jedem Erfolg selbstbewusster, man sieht es an der Körpersprache. Aber auch daran, dass die Automatismen funktionieren, dass Fehler ohne Hadern ausgebügelt werden. Das eingespielte Team, auf das Trainer Giorgio Contini setzt und das er mit klarer Hand zu führen scheint, wirkt kompakt. Es greift dosiert an, ohne dass Löcher in der Hintermannschaft entstehen, auch nach Gegentoren ist das so. Der Zuschauer bekam am Samstag zu spüren: Das Team wirkt abgeklärt genug, um auch allfällige künftige Niederlagen zu verkraften – deshalb agiert es ohne Angst. Ein fruchtbarer Boden für Märchen à la Sigurjonsson. Und für Débuts wie jenes von Jasper van der Werff. Zu dessen Knieverletzung übrigens soll heute Genaueres bekannt werden. «Er scheint Glück gehabt zu haben», heisst es vom Verein fürs erste.

Die Tabellenlage und die europäischen Aussichten

Der FC St.Gallen liegt auf dem dritten Platz, Basel ist nicht weit weg, der Vorsprung auf den Vierten, den nächsten Gegner FC Luzern, beträgt fünf Punkte. Zehn Runden vor Schluss sind das gute Aussichten. Holen sich die Young Boys gegen den FC Zürich Ende Mai den Cup-Titel und werden sie gleichzeitig Meister, reicht der aktuelle dritte Platz für die direkte Qualifikation für die Europa-League-Gruppenphase. Einen Uefa-Zustupf könnte die angeschlagene St.Galler Kasse gut gebrauchen. Erinnerungen an den grossartigen europäischen Herbst 2013 werden wach.

Die Euphorie im Umfeld und unter den Zuschauern

Präsident Matthias Hüppi und Co. haben es schnell als eines der zentralen Ziele angegeben: Das Stadion in St.Gallen soll wieder zum Hexenkessel werden, wie dies oft im Espenmoos der Fall gewesen war. Der Moment nach der Pause am Samstag, als Sigurjonsson traf, war einer der emotionaleren im St.Galler Stadion seit dem Umzug in den Westen 2008. Das Publikum scheint beflügelt von den Erfolgen, vielleicht auch von den Umwälzungen in der Führungsetage. Noch ist aber Vorsicht angesagt, was die Zuschauerzahlen anbelangt. Zwar wurde mit gut 14000 am Samstag ein Saisonrekord aufgestellt, vor Jahresfrist war gegen die Grasshoppers aber noch etwas mehr Publikum im Kybunpark. Alles relativ: Die bisherigen Heimspiele dieses Jahres fanden allesamt bei garstigem Wetter statt. Hüppi jedenfalls teilte die Beobachtung vieler, dass nun «langsam wieder Leben in die Bude» komme.

Der erfolgreiche Trainer setzt auf Konfrontation

Contini sitzt – natürlich – nach fünf Siegen fest im Sattel. Dass das Einvernehmen im Club nicht immer reibungslos ist, ist aber offensichtlich. Noch immer spricht Contini offen darüber, dass die Rückkehr von Physiotherapeut Simon Storm nicht in seinem Sinne sei. Er sagte: «Dass ich mir die Zusammenarbeit mit Storm schwierig vorstelle, hatte ich schon bei der Vertragsunterzeichnung 2017 erklärt.» Das Bemerkenswerte ist die offensive Art, wie der Coach sich gegen den Entscheid der neuen Führung stellt. Er wolle Contini nicht vorschreiben, wie er sich äussere, sagt derweil Hüppi. «Das ist seine Sache.» Der Präsident lässt aber durchblicken, dass er Continis Offenheit «im Sinne des Gesamtprojekts» nicht unbedingt als förderlich ansieht. Ohnehin aber sei es für ihn ein kleines Nebengeräusch, so Hüppi. Letztlich stehe man hinter dem Trainer und dem Physio. Der Konflikt bleibt also vorerst. Ein kleines Störfeuer in einer goldenen Zeit.

FCSG-Präsident Matthias Hüppi begibt sich beim Spiel am Samstag zu den Anhängern und will beruhigen. (Bild: Ralph Ribi)

FCSG-Präsident Matthias Hüppi begibt sich beim Spiel am Samstag zu den Anhängern und will beruhigen. (Bild: Ralph Ribi)

St.Galler Jubel nach dem Siegtreffer von Runar Sigurjonsson zum 1:0. (Bild: RALPH RIBI)

St.Galler Jubel nach dem Siegtreffer von Runar Sigurjonsson zum 1:0. (Bild: RALPH RIBI)

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