Servette-Goalie Jérémy Frick – vom Hurensohn zum Ehrenmann in 30 Minuten

Dass die Fans des FC St.Gallen den gegnerischen Goalie mit Schimpftiraden eindecken, kommt immer wieder vor. Dass sie dieselbe Person später als «Ehrenmann» bezeichnen, eher selten. Jérémy Frick, Goalie von Servette, erlebte am Sonntag im Kybunpark beides.

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Jérémy Frick provoziert die St.Galler Fans – später kam es zur Versöhnung.

Jérémy Frick provoziert die St.Galler Fans – später kam es zur Versöhnung.

Bild: Andy Müller/Freshfocus (St.Gallen, 4. Oktober 2020)

(mos) Nach sieben Monaten vor fast leeren Rängen hatten sich die Fussballer vergangenes Wochenende ganz besonders auf die Rückkehr des Publikums gefreut. Im Kybunpark waren beim Match gegen Servette über 9000 Fans zugegen und sorgten für das lange vermisste Ambiente.

Auch der gut gefüllte Fanblock der Espen machte immer wieder Stimmung. Das bekam auch Servette-Torhüter Jérémy Frick zu spüren, als er sich beim Schiedsrichter über ein vermeintliches Stürmerfoul beschwerte und damit den Ärger der Fans auf sich zog. Frick liess sich provozieren und forderte die Fans gestenreich auf, sich zu erheben. Das taten diese erbost und deckten den Servettien mit wüsten Schimpftiraden ein. Fortan musste sich dieser bei jedem Abstoss mit Sprüchen unter der Gürtellinie beschimpfen lassen.

Doch siehe da: Kaum war das Spiel abgepfiffen, drehte sich Frick zum Espen-Anhang um und entschuldigte sich mit bittenden Händen und gesenktem Kopf. Aus den Pfiffen wurde so innert Sekunden wohlwollender Applaus. Es kam noch besser: In einem Interview lobte Jérémy Frick gar die tolle Atmosphäre im Stadion. Und so kam es, dass dem Gast aus Genf, während des Spiel als «Hurensohn» beschimpft, anschliessend im Fan-Forum als «Ehrenmann» gehuldigt wurde. Fussball ist ein kurzlebiges Geschäft.

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