«Sehr trauriges Ende»: Streit nach Aus für zwei FCSG-Radiokommentatoren

Auf unkonventionelle Weise hat die Sendung «Adrenalin» auf Radio Toxic.fm seit Jahren die Spiele des FC St.Gallen begleitet. Nun gibt es Streit zwischen dem Sender und den beiden bisherigen Kommentatoren – es geht ums Geld.

Daniel Walt
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Viel Bier, viel Leidenschaft für Grünweiss: So ging es auf den Toxic.fm-Kommentatorenplätzen bei Spielen des FC St.Gallen zu. (Bild: pd/Facebook)

Viel Bier, viel Leidenschaft für Grünweiss: So ging es auf den Toxic.fm-Kommentatorenplätzen bei Spielen des FC St.Gallen zu. (Bild: pd/Facebook)

Welches ist das schönste Fanplakat? Wie heisst die Grossmutter des Bierverkäufers? Und mit wie vielen Toren Vorsprung wird St.Gallen Meister? Während vieler Jahre beantwortete das «Adrenalin»-Team von Radio Toxic.fm an den Spielen des FC St.Gallen Fragen wie diese. Auf der Website von Toxic.fm ist der entsprechende Präsentationstext zum Format nach wie vor online. Auf Facebook hingegen haben die beiden Kommentatoren Jaan Schaller – er ist bereits seit zwölf Jahren dabei - und Philipp Cäsar Widmer verkündet, dass sie per sofort nicht mehr im Einsatz für den Sender stehen.

Kein Abschiedsspiel

«Nach unseren bescheidenen finanziellen Forderungen wurde uns letzte Woche mitgeteilt, dass wir nicht mehr gebraucht werden», heisst es in einem ersten Facebook-Post auf der Facebook-Seite «Adrenalin - einst auf Toxic.fm». Man versuche noch ein Abschiedsspiel zu erhalten, während der Radiosender auf der Suche nach neuen Kommentatoren sei. «Wir hoffen natürlich, dass die Suche nicht ganz so erfolgreich sein wird», schreiben Jaan Schaller und Philipp Cäsar Widmer.

Die beiden halten weiter fest, zwölf Jahre einer «wunderbar schrägen, eigenen und speziellen Sendung» fänden ihr sehr trauriges Ende.

In einem zweiten Post doppeln die beiden dann nach: Wie sie mitteilen, gewährt ihnen Toxic.fm kein Abschiedsspiel. «Natürlich mussten wir bereits damit rechnen, aber einen nach so langer Zeit einfach so rauszuschmeissen ist doch sehr hart».

In der Folge gehen sie genauer auf die Hintergründe für das Zerwürfnis ein: In den ersten paar Jahren habe man überhaupt keine Entschädigung erhalten, später dann 50 Franken für jedes kommentierte Auswärtsspiel. Diese Summe habe sich dann auf aktuell 125 Franken Entschädigung pro Monat erhöht. Die beiden Moderatoren forderten nun 250 Franken pro Monat nach zwölf Jahren Engagement, in denen man das Format und den Sender auch in anderen Radio- und TV-Stationen sowie im Internet immer beworben habe. Das letzte Angebot von Toxic.fm sei bei 180 Franken pro Monat gelegen. Ihr Posting schliessen die beiden mit der Zusage, alles daran zu setzen, auf einem anderen Kanal ein Comeback zu geben.

Ein Bild aus Espenmoos-Zeiten: Der damalige Co-Moderator Lukas Bollhalder (links) mit Jaan Schaller. (Bild: Trix Niederau)

Ein Bild aus Espenmoos-Zeiten: Der damalige Co-Moderator Lukas Bollhalder (links) mit Jaan Schaller. (Bild: Trix Niederau)

«Das ist leider nicht gelungen»

Auf Anfrage bestätigt Philipp Kröger, Geschäftsführer von Radio Toxic.fm, den Sachverhalt. Ohne auf Zahlen einzugehen, hält Kröger fest: «Wir haben auf Wunsch der beiden Moderatoren hin verhandelt, aber keine Einigung gefunden.» Es habe verschiedene Varianten und Angebote gegeben, welche von den beiden aber abgelehnt worden seien. Kröger weiter:

«Wenn man verhandelt, braucht es zwei Parteien, die sich finden – das ist leider nicht gelungen.»

Wie gross ist insbesondere durch den Abgang von Jaan Schaller, der seit vielen Jahren im «Adrenalin»-Team dabei war, der Verlust an Identifikation für den Sender? «Das ist schwierig abzuschätzen. Wenn jemand so lange an einem Format mitgewirkt hat, hat er sich selbstverständlich einen Namen gemacht. Auch deshalb hätten wir gerne so weitergemacht und bedauern die Entwicklung», sagt Philipp Kröger. Andererseits biete sich nun auch eine Chance für andere Leute, zumal Toxic.fm ein Ausbildungsradio sei.

Kein «Adrenalin» gegen Luzern

Aufgrund der aktuellen Entwicklungen wird auf Radio Toxic.fm am Heimspiel des FC St.Gallen vom Sonntag gegen Luzern kein «Adrenalin» zu hören sein. «Wir brauchen noch etwas Zeit für die Umstellung. Ab September sind wir aber wieder am Start», verspricht Kröger.