Schweizer Cup
«St.Gallen ist der verdiente Sieger»: Stimmen und Fakten zum Ostschweizer Cup-Spektakel und YB-Out

Die Ostschweizer besiegen die zuletzt so dominierenden Berner im Cup-Achtelfinal überraschend deutlich mit 4:1. Im Viertelfinal treffen sie am Mittwoch auswärts auf die Grasshoppers.

Patricia Loher
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St.Gallens Miro Muheim (links) gegen Nicolas Moumi Ngamaleu.

St.Gallens Miro Muheim (links) gegen Nicolas Moumi Ngamaleu.

Bild: Claudio Thoma/Freshfocus

Die Spielwertung

St.Gallen ist vor der Pause das bessere Team, die Führung ist verdient. In den zweiten 45 Minuten entwickelt sich ein offener Schlagabtausch. Und einmal mehr gibt in einem Spiel zwischen St.Gallern und Bernern eine Szene zu reden: In der 70. Minute zieht Schiedsrichter Sandro Schärer einen Penalty für St.Gallen nach einer Intervention des Videoschiedsrichters zurück. Doch die Ostschweizer legen nochmals zu und setzen sich verdient durch. Spielnote: 5

Die Tore

  • 1:0, 33. Minute, Junior Adamu: Aussenverteidiger Miro Muheim spielt einen Ball von links flach in den Strafraum, wo Salzburg-Leihgabe Adamu freistehend das 1:0 für St.Gallen erzielt. 
  • 2:0, 50. Minute, Kwadwo Duah: Lukas Görtler erkämpft sich einen Ball zurück, den er zuvor verloren hat, und spielt einen perfekten Pass auf Adamu. Der Torschütze des 1:0 legt mit der Hacke für Duah ab, der gegen seinen Jugendklub auf 2:0 erhöht.
  • 2:1, 53. Minute, Christian Fassnacht: Nach einem Corner für die Young Boys verteidigt St.Gallen schlecht und lässt Fassnacht völlig unbedrängt zum Kopfball kommen. Der Berner sagt danke.
  • 3:1, 84. Minute, Victor Ruiz: Nach einem Handspiel von Camara ist die Sache klar: Penalty. Mittelfeldspieler Ruiz verwertet souverän.
  • 4:1, 94. Minute, Jérémy Guillemenot: Görtler löst sich bei einem Konter, spielt Adamu an, der mit einem Querpass Guillemenot bedient. Der Genfer erhöht kurz vor Schluss auf 4:1.

Die Spielanalyse

Der FC St.Gallen startet gut in dieses Spiel gegen den Titelverteidiger und kommt früh zu einer Chance durch Junior Adamu. Die Mannschaft von Trainer Peter Zeidler hat den Gegner im Griff, aber in der elften Minute sind es die Young Boys, die sich eine gute Möglichkeit erspielen. Meschack Elia scheitert nach einer Unaufmerksamkeit in St.Gallens Abwehr am stark reagierenden Goalie Lawrence Ati Zigi.

Nach einer guten Chance von Victor Ruiz, der hinter den Spitzen agiert, dominiert St.Gallen immer mehr. Es steht hoch und presst gut. Die Berner laufen dem Gegner oft nur hinterher. Die Ostschweizer machen aus ihrer Überlegenheit im und um den Sechzehnmeterraum aber lange zu wenig.

St.Gallens Torschütze Junior Adamu (hinten) gegen Fabian Lustenberger.

St.Gallens Torschütze Junior Adamu (hinten) gegen Fabian Lustenberger.

Claudio Thoma/Freshfocus

Nach gut einer halben Stunde wird das beinahe bestraft, nur scheitert Jean-Pierre Nsame an Zigi. Zwei Minuten später aber belohnt sich St.Gallen für den überzeugenden Auftritt: Junior Adamu bringt die Ostschweizer in Führung.

Stürmer Junior Adamu eröffnete das St.Galler Torfestival.

Stürmer Junior Adamu eröffnete das St.Galler Torfestival.

Bild: Freshfocus

In der Tabelle der Super League trennen die beiden Teams 27 Punkte. Davon ist in der ersten Halbzeit dieses Cupspiels wenig zu sehen.

St.Gallen erhöht, kassiert aber umgehend das Anschlusstor

Nach der Pause reagieren die Young Boys mit druckvollem Spiel. Zählbares gelingt ihnen aber nicht und nach einer schönen Aktion über Görtler und Adamu erhöht St.Gallens bester Torschütze Kwadwo Duah auf 2:0. Nur gelingt es dem Aussenseiter gegen den Favoriten nicht, diese Führung länger zu konservieren. Drei Minuten später erzielt Christian Fassnacht das 1:2.

Wie schon so oft in Spielen zwischen St.Gallern und Bernern läuft einiges. Gleich nach dem Anschlusstreffer werden die Ostschweizer wieder gefährlich, doch das Tor von Adamu wird wegen Abseits nicht anerkannt.

Es ist nun ein offener Schlagabtausch. Die Young Boys fordern den Gegner nun deutlich mehr als noch vor der Pause.

Dann passiert, was in so einer Partie offenbar einfach passieren muss. Es ist eine Szene, die wieder zu diskutieren gibt: In der 70. Minute kommt der eingewechselte Jérémy Guillemenot nach einem Schubser im Strafraum zu Fall. Schiedsrichter Sandro Schärer entscheidet auf Penalty, aber der Videoschiedsrichter greift ein. Nach der Konsultation der TV-Bilder zieht Schärer den Elfmeter zurück. War es ein klarer Fehlentscheid? Die Diskussionen gehen in eine nächste Runde.

St.Galler Jubel über den Einzug in den Cup-Viertelfinal.

St.Galler Jubel über den Einzug in den Cup-Viertelfinal.

Bild: Freshfocus

Eine Viertelstunde vor Spielende klärt Zigi stark gegen Nsame. Es ist nun ein unterhaltsames Cupspiel zwischen zwei Mannschaften, die sich auf Augenhöhe begegnen. Doch in ruhigen Bahnen verläuft diese Partie weiter nicht: Nach einem Handspiel sechs Minuten vor dem Spielende verwertet Victor Ruiz den Penalty souverän, kurz vor Schluss gelingt Guillemenot nach einem Konter gar noch das 4:1.

Die Besten

Junior Adamu und Lawrence Ati Zigi. Stürmer Adamu taucht immer wieder gefährlich vor dem YB-Tor auf, das 1:0 erzielt die Salzburg-Leihgabe gekonnt. Der 19-Jährige ist an drei von vier St.Galler Toren direkt beteiligt und holt den Penalty heraus. Ohne Zigi aber würde es schwierig, den Vorsprung über die Runden zu bringen. Der Ghanaer rettet immer wieder stark, wie er in der Schlussphase gegen Nsame pariert, ist klasse. Kurz vor Schluss interveniert er gar mirakulös.

Lawrence Ati Zigi: Note 5,5. Er ist wieder ganz der Alte: Zigi pariert oft sehr stark und am Schluss gar mirakulös.
15 Bilder
Musah Nuhu: Kommt in der 88. Minute, der Einsatz ist zu kurz für eine Note.
Leonidas Stergiou: Note 5. Hat in der ersten Halbzeit Glück, dass der Gegner einen Fehler nicht bestraft. Dann aber stark.
Basil Stillhart: Note 5. Kommt für Quintillà und hilft mit, dass der Gegner in einer entscheidenden Phase nicht weiter auf Touren kommt.
Jordi Quintillà: Note 4,5. Ist mitverantwortlich dafür, dass YB im Mittelfeld kaum Räume vorfindet. Sein Einfluss auf das Spiel war aber schon grösser. Scheidet mit einer Schienbeinprellung (52.) aus.
Jérémy Guillemenot: Note 5. Trifft nach einem Konter zum 4:1. Im Pech, als der Schiedsrichter nach einem Schubser an ihm und einer VAR-Intervention den Penalty zurückzieht.
Victor Ruiz: Note 5. Wieder ein gutes Spiel hinter den Spitzen. Der Spanier verwertet den Handspenalty souverän.
Lukas Görtler: Note 5. Klasse, wie er das 2:0 einleitet. Es ist ein Spiel, wie es der Deutsche mag: Viele Zweikämpfe, grosse Emotionen.
Thody Élie Youan: Note 4,5. Zu Beginn mit einer grossen Chance, oft im Ballbesitz. Aber noch macht er zu wenig daraus.
Miro Muheim: Note 5. Ihm gelingt ein guter Auftritt. Zweikampfstark, aktiv und Vorbereiter des 1:0.
Betim Fazliji: Note 5. Beim Gegentor wie seine Kollegen zu passiv. Sonst aber mit einer tadellosen Leistung.
Kwadwo Duah: Note 5. St.Gallens zuverlässigster Torschütze trifft erneut. Lässt in der ersten Halbzeit allerdings auch eine Grosschance liegen.
Nicolas Lüchinger: Note 5. Überzeugt nach seiner langen Pause erneut. Wagt sich mehr in die Offensive als gegen Zürich.
Euclides Cabral, Note: 4,5. Ersetzt Lüchinger, solid, bleibt aber unauffällig.
Junior Adamu, Note: 5,5. Der Österreicher ist überragend und an drei von vier St.Galler Toren direkt beteiligt. Schöner Treffer zum 1:0. Zudem führt seine Flanke zum Handspenalty.

Lawrence Ati Zigi: Note 5,5. Er ist wieder ganz der Alte: Zigi pariert oft sehr stark und am Schluss gar mirakulös.

Der Schlechteste

St.Gallen besticht mit einer starken Mannschaftsleistung. Keiner fällt ab.

Der Schiedsrichter

In der 70. Minute entscheidet Schärer nach einem Schubser gegen Jérémy Guillemenot auf Penalty, zieht ihn aber nach einer VAR-Intervention zurück. Nur: War es ein klarer Fehlentscheid?

Die Reaktionen

Peter Zeidler, Trainer FC St.Gallen: «Wir waren von Anfang an da. Nach dem 2:1 konnten wir uns bei Zigi bedanken, dass wir nicht den Ausgleich kassierten. Unsere Leistung war aber in vielen Bereichen hervorragend. Nun wollen wir am Sonntag auch in Bern punkten.»

Gerardo Seoane, Trainer Young Boys: «St.Gallen ist der verdiente Sieger. Wir konnten uns nicht so entfalten, wie wir uns das vorgestellt hatten. Trotzdem kamen wir zu Torchancen, aber wir waren dann zu wenig effizient. Wir haben heute unser Topniveau nicht erreicht.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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