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Interview

«Wir können es nicht korrigieren»: FCSG-Trainer Peter Zeidler nimmt nach dem Aus im Cup Stellung

Das frühe Aus im Cup wirft Fragen auf. St.Gallens Trainer Peter Zeidler stellt sich nach dem Ausscheiden fünf Behauptungen.
Christian Brägger
«Wir waren gut vorbereitet», sagt Peter Zeidler. Bild: Melanie Duchene/KEY (Winterthur, 13. September 2019)

«Wir waren gut vorbereitet», sagt Peter Zeidler. Bild: Melanie Duchene/KEY (Winterthur, 13. September 2019)

«Genugtuung!» spürte Roman Buess. Der verletzte Davide Callà arbeitete mit tiefer Freude einen Harass Bier in die eigene Garderobe vor, während ein Lokaljournalist in der innigen Diskussion mit einem Winterthurer Spieler den Mahnfinger hob: «Aber gell, jetzt nicht abheben. Gegen den FC Wil, unseren nächsten Gegner, ist es dann im Fall auch wichtig.»

Es war spät geworden am Freitagabend, der Mond lächelte den Winterthurern zu, die im Cup den FC St.Gallen soeben zu Hause 2:0 besiegt hatten. Und wenn sie das nicht schon immer getan hätten, wirkten die Kabinengänge der Schützenwiese spätestens jetzt wie die Kulisse für Amateurfussballer, irgendwo in der Schweiz, auf irgendeiner Anlage. Gerade in Winterthur, wo die Zeit stillzustehen scheint und auch der Nachgang der Partie handgestrickt blieb, gefiel es dem hoffnungslosen Fussballromantiker wohl noch mehr, dass auf der anderen Seite der FC St.Gallen niedergeschlagen dastand; ein Verein mit grosser Entourage für alle erdenklichen und unerdenklichen Dinge, auf Fortschritt bedacht, manchmal sich selbstsuchend. Und verglichen mit dem FC Winterthur, dem alternativen Club mit Linksgesinnung, fast schon abgehoben wirkend.

Natürlich warf das frühe Out Fragen zum FC St.Gallen auf, und es zog teilweise plakative Behauptungen nach sich; diesen stellte sich Trainer Peter Zeidler am Sonntag in der Früh.

Behauptung eins: Rückblickend müsste Trainer Peter Zeidler einiges anders machen gegen Winterthur.

Peter Zeidler: «Ein deutliches Nein. Wir sprachen immer von der Wichtigkeit des Cups für uns. Meine Idee war, genau so spielen zu lassen, die Aufstellung war gerechtfertigt, die taktische Ausrichtung passte. Unser Beginn zeigte, dass wir gut vorbereitet waren. Und wir waren später auch in Unterzahl in vielen Situationen das bessere Team. Aber ich will niemals, dass eine Mannschaft, von der ich Trainer bin, so verteidigt wie bei der roten Karte und beim 0:1. Das waren völlig unerzwungene Fehler. Beruflich ist das Cup-Out für mich eine wahnsinnige Enttäuschung, wir können es nicht korrigieren. All die Wünsche von Spielern und Trainern, vom Verein und Anhang sind zerschellt.»

Behauptung zwei: St.Gallens 4-3-3 ist mittlerweile für jeden Gegner lesbar.

«Nein. Weil wir in Winterthur nicht 4-3-3, sondern ein 4-4-2 spielten mit Ruiz in Sonderposition. Wir passen unser Spiel schon den Begebenheiten an, aber der Gegner hat ebenfalls Qualität. Wir sind variabel, das haben wir auch nach dem Platzverweis bewiesen. Ich habe meine klaren Prinzipien, mit ihnen drückten wir Winterthur vor allem zu Beginn hinten rein, die Gegentore erhielten wir nicht wegen unserer Taktik. Von daher kann ich nicht zustimmen.»

Behauptung drei: Dereck Kutesas Weggang hat das Mannschaftsgefüge zu sehr irritiert.

«Nein. Kutesas Wechsel ist ein Verlust, auch weil ich meinte, dass er bei uns kurz vor dem Durchbruch steht. Wir müssen jetzt anders auftreten, weil er unser Spiel mitprägte. Wir sind ja oftmals sehr romantisch im Fussball: Aber als der Spieler das erste Angebot erhielt, wollte er auch weg. Von jenem Zeitpunkt an beschäftigte es uns, das war schon früh in der Saison. Gut tat uns diese Zeit gewiss nicht. Doch der Transfer hat mein Team nicht irritiert.»

Behauptung vier: Die Ausgabe des FC St.Gallen im September 2019 ist viel schlechter als jene vom September 2018.

«Ich vergleiche das aktuelle Team lieber mit jenem der Schlussphase der letzten Saison. In jenen fünf bis sechs Spielen war klar, wie der FC St.Gallen auftritt. Unsere Formation war damals um Barnetta, Sierro, ­Ashimeru, Vilotic, Nuhu und Wittwer aufgebaut. Das hat gepasst. Weil viele nicht mehr da sind, musste ich im Sommer praktisch eine neue Mannschaft ordnen, und das hat ganz passabel geklappt. Und dann kam das Kutesa-Thema. Aber wir bewiesen Mentalität, wie gegen Lugano. Das heutige Team ist anders, aber unser Weg geht weiter. Es geht nicht darum, ob wir jetzt besser oder schlechter sind. Irgendwann wollen wir besser sein als die Vorjahresausgabe – noch ist es jedoch nicht so weit.»

Behauptung fünf: Mit dem Cup-Out hat der FC St.Gallen das Saisonziel schlechthin bereits viel zu früh verpasst. Damit nimmt der Druck auf Team und Trainer zu.

«Wir haben zwei Saisonziele. Die Mannschaft entwickeln und möglichst weit weg von hinten sein. Darauf aufbauend wollen wir schauen, ob vielleicht mehr möglich ist. Dazu der Cup – ihn haben wir verpasst. Ich sehe in dieser Behauptung keinen Sinn. Unser Ausscheiden tut richtig weh, und wenn die nächste Cuprunde gespielt wird, spüren wir das noch mehr. Aber die Leute müssen lernen, dass St.Gallen anders tickt: Der Druck ist ­natürlich immer da, doch es ­entsteht selbst dann keine Unruhe, wenn wir in der Tabelle einmal in Nähe der Barrage sein sollten. Unser neues Team braucht Zeit. Wir benötigen jetzt jedoch möglichst schnell Erfolgserlebnisse, die Verein, Spieler und Fans noch mehr zusammenschweissen.»

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