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Der gnadenlose Klimaschefski, der stehengelassene Zünd: Episoden aus 140 Jahren FC St.Gallen

Der FC St.Gallen, das sind zwei Meisterschaften, ein Cupsieg und ungezählte Episoden, die unvergesslich bleiben. Wir erzählen aus Anlass des 140-Jahr-Jubiläums der Ostschweizer drei von ihnen.

Uwe Klimaschefski, oder: Wenn nur noch beten hilft

«Wer unter ihm ein Jahr durchhält, ist im Leben einen grossen Schritt weiter gekommen und braucht sich vor nichts mehr zu fürchten.» Dieses Zitat stammt von Franco Foda, dem ehemaligen Bundesligaprofi und heutigen österreichischen Nationaltrainer. Die Spieler, welche in der Saison 1986/87 dem Kader des FC St.Gallen angehört haben, wissen, wovon Foda spricht. Von Uwe Klimaschefski, der im Juli 1986 das Traineramt beim Ostschweizer Club übernahm, Sprüche klopfte und im März 1987 entlassen wurde.

Möglicherweise der berüchtigtste Trainer in 140 Jahren FC St.Gallen: Uwe Klimaschefski. (Bild: Imago)

Möglicherweise der berüchtigtste Trainer in 140 Jahren FC St.Gallen: Uwe Klimaschefski. (Bild: Imago)

Was Uwe Klimaschefski von seiner Mannschaft hielt, tat er schon nach den ersten Trainings kund. In der Lukasmühle sass er auf einer Steinmauer, sah seinem Team bei der Arbeit zu und sagte:

«Weisst du, ich habe meiner Frau gesagt, sie solle mal die nächste Kirche suchen. Da hilft nur noch beten.»

Oder: «Unsere Spieler können 50-Meter-Pässe spielen: fünf Meter weit und 45 Meter hoch.»

Es gäbe so manche Anekdote zu erzählen. Doch am Ende soll es bei dieser bleiben, die sich während eines Heimspiels auf der Trainerbank zutrug – verbürgt von jenen, die neben ihm sassen. Als einer seiner Spieler eine Chance vergab, raunzte Klimaschefski: «Holt mir den Zwicker zurück, der ist besoffen noch besser als die, die hier rumstehen.»

Markus Scherrer, von 1998 bis Juli 2010 «Tagblatt»-Sportredaktor

Werner Zünd, oder: Allein in Neuenburg

Im Frühling 1992 musste ich zum ersten Mal als Cheftrainer einspringen, nachdem der Club Heinz Bigler entlassen hatte. So fuhren wir nach Neuenburg, wo wir Xamax trotz so guter Spieler wie Jörg Stiel, Urs Fischer, Thomas Hengartner oder Fabian Estay mit 1:3 unterlagen. Ich kann mich noch an die Schlagzeile in einer Boulevardzeitung erinnern: «Stiel liess Zünd im Stich.»

Das Spiel bleibt mir aber vor allem wegen einer anderen Begebenheit haften. Als ich die Maladière verliess, fragten mich einige St.Galler Anhänger, was ich denn noch hier machen würde. Der Mannschaftsbus sei schon lange abgefahren. Man hatte mich also vergessen! Nachdem ich als Assistenztrainer drei Jahre lang dafür verantwortlich gewesen war, dem Busfahrer das Zeichen zur Abfahrt zu geben, liess man mich nach meinem ersten Spiel als Chefcoach einfach stehen.

Seit Jahrzehnten in unterschiedlichen Funktionen beim FC St.Gallen: Werner Zünd. (Bild: Archiv)

Seit Jahrzehnten in unterschiedlichen Funktionen beim FC St.Gallen: Werner Zünd. (Bild: Archiv)

Die zwei Radiojournalisten Ivo Riedi und Johannes Gunzenreiner räumten in ihrem Auto bereits einen Platz frei, um mich in die Ostschweiz mitzunehmen, als der damalige Chauffeur Charly Gahler mit dem Mannschaftsbus wieder vorfuhr. Nach einigen Kilometern war meine Person anscheinend doch noch vermisst worden...

Werner Zünd, von 1989 bis 2006 Assistenztrainer der St.Galler

Helmuth Johannsen, oder: Der festgehaltene Spieler

Im Sommer 1983 verbrachte der Türke Metin Sengör Stunden auf einer Bank, die härter war als jede Spielerbank. Der FC St.Gallen wollte Geld sparen, und alles war wunderbar aufgegleist. Von Hamburg sollte die Mannschaft mit Personenwagen und Kleinbus zwei Sommermeisterschaftsspiele anpeilen, eines gegen Malmö FF. Doch oh Schreck. Niemand hatte daran gedacht, dass Sengör, der lupenreines Züritütsch sprach, je ein Visum für Deutschland, Dänemark und Schweden benötigt hätte.

Er trainierte den FC St.Gallen in der ersten Hälfte der 80er-Jahre: Helmuth Johannsen (links), hier mit Ladislav Jurkemik (Mitte) und Zdenek Urban. (Bild: Keystone)

Er trainierte den FC St.Gallen in der ersten Hälfte der 80er-Jahre: Helmuth Johannsen (links), hier mit Ladislav Jurkemik (Mitte) und Zdenek Urban. (Bild: Keystone)

Dem redegewandten Trainer Helmuth Johannsen gelang es zwar noch, Sengör durch den Flughafen der Hansestadt zu lotsen. Aber tags darauf gestaltete sich die 400 Kilometer lange Hinreise über zwei Grenzen hinweg und mit zwei Verschiffungen schwierig. Schon die dänischen Beamten ertappten den illegalen Einwanderer und kannten kein Pardon. Sengör musste am Zoll zurückbleiben.

Wegen der Umstände und des starken Reiseverkehrs hätte die St.Galler Expedition in Kopenhagen beinahe auch die Fähre und somit das Spiel verpasst, es gab noch keine Autobahnbrücke nach Malmö. Sengör sass derweil etwa acht lange Stunden fest, bis ihn die Mannschaft, tief in der Nacht, wieder aufnahm.

Fredi Kurth, von 1976 bis 1984 FCSG-Sekretär und bis 1993 Sportredaktor des Tagblatts.

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