"Saisonkarten sind keine zurückgegeben worden"

FUSSBALL. Kritik von Fans und sogar vom eigenen Stadionsprecher: Daniel Last, Medienchef des FC St.Gallen, über Negativstimmung nach dem 0:4 von Thun, die Äusserungen von Speaker Richard Fischbacher und das speziell emotionale Umfeld des FCSG.

Daniel Walt
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Daniel Last. (Bild: pd)

Daniel Last. (Bild: pd)

Herr Last, weit über 100 Kommentare auf der Facebook-Page des FC St.Gallen, heisse Diskussionen im Fanforum: Die Anhänger sind sauer, schreiben nach dem 0:4 gegen Thun von Schande und Arbeitsverweigerung. Inwieweit kommen solche Rückmeldungen bei den Teamverantwortlichen und den Spielern an?
Daniel Last: Natürlich nimmt man Feedback zur Kenntnis, das darf aus der Emotion heraus auch sicher hart ausfallen. Wobei man nicht vergessen sollte: Am kritischsten zu den Leistungen sind Spieler und Verantwortliche selbst.

Daniel Last. (Bild: pd)

Daniel Last. (Bild: pd)

Gehen beim FC St.Gallen auch erboste Anrufe beziehungsweise Mails ein – oder schicken Fans gar ihre Saisonkarten zurück?
Last: Grundsätzlich freuen wir uns über jeden persönlichen Kontakt, bei dem man sich auch durchaus kritisch austauschen kann. Dass die Europa League und die vergangenen Erfolge Begehrlichkeiten geweckt haben, ist völlig normal und auch legitim, wenn auch nicht immer realistisch. Saisonkarten sind keine zurückgegeben worden, grundsätzlich wird auch von ausserhalb gesehen, dass beim FCSG in der vergangenen Zeit hart gearbeitet wurde und man auf einem guten Weg ist. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass die zuletzt gezeigten Leistungen der eigene Anspruch sind.

Unter die Facebook-Kritiker hat sich auch Stadionsprecher Richard Fischbacher gereiht. Was sagen Sie zu seiner öffentlichen Kritik an den Spielern und dem Seitenhieb gegen Trainer Jeff Saibene?
Last: Auch Herr Fischbacher hat sicherlich aus der Emotion als enttäuschter Fan heraus geschrieben. Ob er das heute noch so sieht, kann ich nicht beurteilen.

Richard Fischbacher ist für den FC St.Gallen tätig – wird der Club nach der öffentlichen Schelte das Gespräch mit ihm suchen?
Last:Natürlich tauscht man sich aus. Aber das machen wir intern.

Fischbacher befürchtet, dass viele Fans aufgrund der derzeit schlechten Leistungen ihre Saisonkarten nicht mehr erneuern könnten. Wie läuft es diesbezüglich bisher?
Last:Der Saisonkarten-Verkauf ist sehr vielversprechend angelaufen. Die sportlichen Leistungen der letzten Spiele sind wie erwähnt nicht der eigene Anspruch, aber auch nicht der einzige Gradmesser.

Das Umfeld des FC St.Gallen ist bei Erfolg und Misserfolg speziell emotional. Würden sich die Verantwortlichen manchmal wünschen, dass die Anhänger etwas nüchterner und damit auch geduldiger wären?
Last: Emotionalität gehört ohne Frage zum Sport dazu. Die besondere Leidenschaft des FCSG-Umfelds ist zudem etwas ganz Spezielles für Spieler und Verantwortliche. Dass diese Emotionalität in beide Richtungen ausschlagen kann, gehört zum Profigeschäft, und das akzeptiert auch jeder so.

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