"Saibene ist kein Thema"

Morgen tritt der FC St. Gallen beim FC Vaduz an. Eine Niederlage würde St.Gallen in Richtung Tabellenende spülen. Und wohl den Trainer destabilisieren. Präsident Dölf Früh und der Sportchef Christian Stübi stärken ihm aber den Rücken.

Ralf Streule
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Nur eine Durststrecke? FCSG-Trainer Jeff Saibene. (Bild: Ralph Ribi)

Nur eine Durststrecke? FCSG-Trainer Jeff Saibene. (Bild: Ralph Ribi)

Sieben Punkte, sechster Platz – der FC St.Gallen ist seit vergangenem Wochenende im Mittelfeld der Super League angelangt. Damit liegt der Club etwa dort, wo man ihn – zumindest mit Blick aufs Budget des Vereins – erwarten darf. Dennoch scheint Trainer Jeff Saibene derzeit weniger fest im Sattel zu sitzen als auch schon. Von Personen aus dem Umfeld des Vereins ist sogar zu hören, dass das morgige Spiel gegen Vaduz zu einem Schicksalsspiel für Saibene werden könnte. Der Trainer sei intern, zumindest bei einigen Teilen der Clubführung, nicht mehr unumstritten.

Früh: «Wir stehen hinter ihm»

Mitnichten, erklärt Dölf Früh auf Anfrage. Man stecke in einer Phase, wie es sie im Spitzenfussball schlicht und einfach hin und wieder gebe, sagt der Präsident. «Jeff Saibene hat solche Phasen in seiner Zeit im Amt schon mehrmals durchlebt.» In der vergangenen Verwaltungsratssitzung sei das Thema Trainer in keiner Weise angeschnitten worden. «Wir alle stehen hinter Saibene», sagt Früh. Auch Sportchef Christian Stübi will von solchen Vermutungen, wie sie unter Anhängern kursieren, nichts wissen. Saibene mache einen guten Job. Und ohnehin sei es zu früh, sportliche Bilanz zu ziehen.

Tatsächlich steht man noch am Beginn der Saison, bei schnellen Schlüssen ist Vorsicht geboten. Im Fussball kann es schnell gehen – auch im positiven Sinne. Mit einem Sieg gegen die Liechtensteiner liegen die St.Galler unter Umständen wieder auf dem dritten Platz.

Leidenschaft fehlt im Team

Doch nicht nur die Tabellenlage darf für eine Zwischenbilanz herhalten. Sorgen macht eher die Art und Weise der zuletzt gesehenen Auftritte und der erlittenen Niederlagen. Oft war der FC St. Gallen erschreckend ideenlos, zum Beispiel gegen die Grasshoppers, aber auch gegen den FC Zürich. Viele Akteure scheinen uninspiriert. Auch fällt auf, dass besonders in den Heimspielen die von den Anhängern geforderte und für ein Team der Super League notwendige Leidenschaft bisweilen fehlte.

Es gibt viele Fragen, die sich Anhänger derzeit stellen: Wie steht es um die Motivation des Franzosen Yannis Tafer? Vergangene Saison war er noch einer der wichtigsten Akteure, nun aber ist er offenbar mit einem Bein auf dem Absprung und scheint mental nicht auf der Höhe des Geschehens. Wie schädlich fürs Teamgefüge ist diese Situation? Woher kommt die spielerische Nonchalance talentierter Spieler wie Dejan Janjatovic? Und aus welchen Gründen kommt Danijel Aleksic, der technisch vielleicht beste St.Galler und zunächst als eigentlicher Transfer-Wurf gehandelt, oft nicht einmal mehr zu Kurzeinsätzen? Auch Spieler wie Mickaël Facchinetti spielen derzeit, im Gegensatz zu vergangener Saison, unter den Erwartungen.

Reaktion in Vaduz gefordert

Dass viele Anhänger diese Probleme alleine dem Trainer ankreiden, ist aber zu kurz gegriffen. Saibene hat bei der Zusammenstellung der neuen Innenverteidigung mit Roy Gelmi und Alain Wiss Mut und gutes Gespür gezeigt, und auch die Wahl von Daniel Lopar als Nummer eins im Tor hat sich als richtig herausgestellt.

Dennoch könnte das Spiel in Liechtenstein wegweisend werden für die St.Galler und ihren Trainer. Auch wenn die Vaduzer bisher in dieser Saison oft unter Wert besiegt wurden: Gegen einen Gegner, der am Tabellenende liegt, müssen die Ostschweizer zwingend reagieren. Drei Punkte, zumindest aber ein spielerischer und mentaler Fortschritt sind gefordert. Und vor allem: Viel Leidenschaft.