RÜCKKEHRER: Barnetta auf den Spuren von Stiel und Zellweger

Es ist in diesen Tagen eine der Fragen, die St. Gallens Anhänger umtreibt. Was kann Tranquillo Barnetta bewirken? Ein Blick in die Geschichte zeigt: Mit wenigen Ausnahmen haben Spieler, die nach St. Gallen zurückkehrten, nicht enttäuscht.

Patricia Loher, Christian Brägger
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Tranquillo Barnetta spielte bis 2004 für die Espen und ist jetzt zurück. (Bild: Andy Mueller/freshfocus (freshfocus))

Tranquillo Barnetta spielte bis 2004 für die Espen und ist jetzt zurück. (Bild: Andy Mueller/freshfocus (freshfocus))

Bruno Huwyler: Trainer Helmut Johannsen holte den Goalie nach dem Abgang von Roberto Böckli als neue Nummer eins. St. Gallen war in jenen Jahren erfolgreich. Ende der Saison 1987/88 wurde Huwyler, der seinen Stammplatz verloren hatte, mitgeteilt, dass er keinen Vertrag mehr erhalten würde. In der Folgesaison kämpfte St. Gallen nicht nur ums finanzielle, sondern auch ums sportliche Überleben. Der Urner wurde zurückgeholt und half mit, den Klassenerhalt zu sichern. Dennoch hiess es für ihn am Saisonende nach fast 250 Spielen für St. Gallen wieder Abschied nehmen.

Adrian Allenspach: Der Stürmer mit dem Lockenkopf durchlief alle Juniorenstufen beim FC Münchwilen. Als 17-Jähriger wechselte er nach St. Gallen, kam in der ersten Mannschaft aber nur zu einem Einsatz. Allenspach ging nach Winterthur, Schaffhausen und Aarau. In seinem letzten Spiel für Aarau war er beim 4:3-Auswärtssieg im Espenmoos Doppeltorschütze. Bereits zuvor war bekannt, dass Allenspach zum FC St. Gallen zurückkehren würde. Sein zweiter Anlauf in der Ostschweiz glückte. Allenspach traf in einer Saison elfmal, verliess den Club danach aber Richtung Lugano.

Jörg Stiel:Die ersten drei Jahre in St. Gallen waren durchwachsen, und 1993 stieg Jörg Stiel mit dem Club gar in die NLB ab. «Nie mehr St. Gallen», sagte der Goalie 1993, als er die Tür zum Espenmoos zuschlug. Die Wut des Publikums nach dem Abstieg hatte sich vor allem an ihm entladen. Ein Fliegenfänger sei er. Und arrogant obendrein. Trotz allem: Nach drei Jahren in Mexiko und beim FC Zürich kehrte Stiel zurück. Es war eine fulminante zweite Karriere in St. Gallen. Stiel entwickelte sich zum Publikumsliebling. Er war Aushängeschild und Captain einer Mannschaft, die 2000 überraschend Schweizer Meister wurde. In jener Zeit schaffte der heute 48-Jährige auch den Sprung in die Nationalmannschaft.

Bruno Huwyler, Tor: Juli 1982 bis Juni 1988 und November 1988 bis Juni 1989. (Bild: St.Galler Tagblatt)
10 Bilder
Adrian Allenspach, Sturm: Juli 1987 bis Juni 1991 und Juli 1996 bis Juni 1997. (Bild: Michel Canonica)
Jörg Stiel, Tor: Juli 1990 bis Juni 1993 und Juli 1996 bis Juli 2001. (Bild: Michel Canonica)
Mario Frick, Sturm: Juli 1994 bis Juni 1996 und Juli 2009 bis Januar 2011. (Bild: Urs Jaudas)
Marc Zellweger, Verteidigung: Januar 1995 bis November 2001 und Juli 2003 bis Juni 2010. (Bild: Urs Jaudas)
Tranquillo Barnetta, Mittelfeld: Ab 1996 im Nachwuchs und bis Juni 2004 sowie ab Januar 2017. (Bild: Freshfocus)
Daniel Imhof, Mittelfeld: Februar 200 bis Juni 2005 und Januar 2010 bis Juni 2012. (Bild: Urs Bucher)
Franco Di Jorio, Mittelfeld: September 2001 bis Juni 2002 und Juli 2006 bis April 2008. (Bild: Trix Niederau)
Moreno Merenda, Sturm: Januar 2003 bis Dezember 2005 und Juli 2008 bis Juni 2010. (Bild: Urs Bucher)
Fussball Testspiel zwischen dem FC St. Gallen, schwarz, und dem TSV 1860 Muenchen, blau, in der AFG Arena. Philippe Montandon. 12.07.2014 Bild: Urs Jaudas (Bild: Michel Canonica/Urs Jaudas/Urs Bucher)

Bruno Huwyler, Tor: Juli 1982 bis Juni 1988 und November 1988 bis Juni 1989. (Bild: St.Galler Tagblatt)


Mario Frick: Der Liechtensteiner kam mit 19 Jahren vom 2.-Liga-Verein Balzers zum FC St. Gallen. Der Stürmer erzielte in zwei Saisons elf Meisterschaftstore und erarbeitete sich einen guten Namen. Über Basel, den FC Zürich und diverse italienische Clubs kehrte Frick im Sommer 2009 zum FC St. Gallen zurück. Die Ostschweizer waren soeben in die Super League aufgestiegen. Gleich im ersten Spiel traf Frick und man glaubte, es werde eine gute Rückkehr. Doch Frick geriet in eine Krise. In seiner ersten Saison traf er viermal, in der zweiten Saison überwarf er sich mit Trainer Uli Forte. Fricks Vertrag wurde im Winter aufgelöst.

Marc Zellweger: Marc Zellweger wurde von St. Gallens Anhängern kürzlich zur «Clublegende» gewählt. Das hängt sowohl mit seinen Anfängen in St. Gallen als auch mit seiner Rückkehr zusammen. Zellweger war stets ein Kämpfer, und er liess die St. Galler immer wissen, wie sehr auch er an diesem Club hängt. 2000 wurde Zellweger mit St. Gallen Meister. Als er die Ostschweiz in Richtung Köln verliess, verschenkte er sein letztes Hemd der Fankurve im Espenmoos. Die Zeiten nach seiner Rückkehr waren turbulent. 2008 stieg er mit St. Gallen in die Challenge League ab. Aber den Gedanken, den Club zu verlassen, gab es bei ihm nicht. Zellweger stieg zum Captain auf und führte sein Team zurück in die Super League.

Tranquillo Barnetta: Er war jung, und vor allem war er gut, als Tranquillo Barnetta als 17-Jähriger beim FC St. Gallen sein Début gab und zwei Jahre lang die Anhänger verzückte. Bevor die langjährige, erfolgreiche Karriere in der Bundesliga folgte. Zurück in der Ostschweiz ist Barnetta seit drei Monaten, diesen Sonntag gegen Vaduz gibt der offensive Mittelfeldspieler in einem Pflichtspiel das langersehnte Comeback. Doch was für einen Barnetta wird der Zuschauer sehen? Die Erwartungen an den inzwischen 31-Jährigen, der 75 Länderspiele für die Schweiz absolvierte, sind riesig.

Daniel Imhof: Es gab eine Zeit, in der sich der FC St. Gallen öfters beim Kantonsrivalen Wil bediente. So folgte Daniel Imhof im Februar 2000 als 22-Jähriger dem Ruf seines früheren Trainers Marcel Koller und wurde Teil der Meistermannschaft, doch erst in der Folgesaison etablierte sich der unermüdliche Arbeiter. Im Sommer 2005 wechselte Imhof nach Bochum, im Januar 2010, als es ihm im Ruhrpott nicht mehr lief, kehrte der Defensivspieler in die Ostschweiz zurück. Dannzumal durchlief der Club schwere Zeiten, und Teamleader Imhof stieg 2011 mit St. Gallen in die Challenge League ab. Nach dem sofortigen Wiederaufstieg trat er 34-jährig zurück.

Franco Di Jorio: Im Sommer 2001 vom Serie-B-Club Salernitana kommend, hatte Franco di Jorio ein gutes Jahr in St. Gallen. Europacup inklusive. Eine Weiterbeschäftigung scheiterte an den Forderungen des linken Mittelfeldspielers, doch 2006 kehrte der 13-fache Schweizer Internationale für zwei Saisons zurück. Anfänglich wusste Di Jorio mit seinen Flankenläufen zu überzeugen, im zweiten Jahr, als St. Gallen abstieg, spielte er wenig und wurde zuletzt von Trainer Krassimir Balakov aus disziplinarischen Gründen gar freigestellt.

Moreno Merenda: In der ersten Phase bestach Moreno Merenda mit hoher Treffsicherheit – insbesondere als Joker. Doch er wollte mehr spielen, vor allem unter Trainer Ralf Loose kam er seiner Meinung nach zu kurz und verliess Ende 2005 den Club. Nach einer starken Saison mit Xamax kehrte der Stürmer im Sommer 2008 nochmals für zwei Saisons zurück. Er erzielte 22 Tore zum sofortigen Wiederaufstieg. Auch in der Folgesaison traf Merenda – jetzt wieder häufiger als Joker eingesetzt – neun Mal.

Philippe Montandon: Als Philippe Montandon 24-jährig den FC St. Gallen erstmals verliess, begleiteten ihn Misstöne. Als der Innenverteidiger 32-jährig dem Club zum zweiten Mal den Rücken kehrte, war da grosse Trauer, sein Verlust als Mensch und Profi schmerzte. Nach der achten Hirnerschütterung musste der Leader, Captain und Vorbildspieler des Vereins kapitulieren – er konnte lange nicht ersetzt werden.