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Rückblick: Der Champion, der Absteiger, der Selbstbewusste: FC St.Gallen, deine Trainer

Seit der Jahrtausendwende stehen höchst unterschiedliche Charaktere an der Seitenlinie der Ostschweizer. Auch wegen ihrer Geschichten wissen die Anhänger heute, welchen Typ sie nicht mehr wollen. Und was für ein Profil der Coach haben soll.
Patricia Loher, Christian Brägger
Marcel Koller. (Bild: Archiv)

Marcel Koller. (Bild: Archiv)

Marcel Koller (Januar 1999 bis Januar 2002)

Der Zürcher steht in St.Gallen auch 18 Jahre nach dem Meistertitel noch immer über allen. Koller, der nach einem schlechten Start zwischenzeitlich kurz vor dem Aus steht, formt aus guten NLA-Spielern eine überdurchschnittliche Mannschaft. Dem ehemaligen Grasshoppers-Akteur gelingt es, den St.Gallern Selbstbewusstsein und Gewinnermentalität zu vermitteln. Nach einem 2:1 in Luzern und Basels Punktverlusten steht der FC St.Gallen bereits drei Spieltage vor Schluss, am 21. Mai 2000, als Champion fest. Unter Kollers Leitung bezwingen die Ostschweizer zudem im Uefa-Cup den FC Chelsea. Koller wird 1999 als Schweizer Trainer des Jahres geehrt. Er steht für die erfolgreichste Ära in der St.Galler Vereinsgeschichte. Der Zürcher weiss: Nach St.Gallen darf er ­jederzeit zurückkommen.

Gérard Castella. (Bild: Archiv)

Gérard Castella. (Bild: Archiv)

Gérard Castella (Januar 2002 bis September 2002)

Nach der Ära Koller hat es jeder Trainer schwer. St.Gallen entscheidet sich, auf einen Romand zu setzen. Castella ist Genfer und kommt von Etoile Carouge. Er hat Servette zum Meistertitel geführt, doch in der Ostschweiz findet er sich nur schwer zurecht. Zudem springt der Funke zwischen ihm und der Mannschaft nicht – auch aufgrund sprachlicher Barrieren. Nach zwölf Spielen und zwölf Punkten ist die Finalrundenteilnahme in Gefahr, St.Gallen trennt sich nach lediglich acht Monaten von Castella. Nachfolger ad interim wird U21-Trainer Thomas Staub. Er steht am 3. November 2002 beim denkwürdigen 3:11 gegen den FC Wil an der Seitenlinie. Staub beendet seine Tätigkeit im Dezember 2002.

Heinz Peischl. (Bild: Archiv)

Heinz Peischl. (Bild: Archiv)

Heinz Peischl (Januar 2003 bis April 2005)

Der Österreicher kommt vom FC Wil und erhält den Auftrag, die alternde und überbezahlte Mannschaft des FC St.Gallen umzubauen. So fällt Peischl einige unpopuläre Entscheide, er verbannt Spieler wie den beliebten Ionel Gane aus dem Trainingsbetrieb. Den aussortierten Profis wird von den Medien der ­legendäre Name «Gruppe Wald» verpasst. Peischl übernimmt St.Gallen 2003 auf einem Abstiegsrang und bewahrt den Club vor der Relegation. Doch er ist bald einmal ein Trainer ohne Lobby und tritt im April 2005 zurück. Assistenzcoach Werner Zünd und Sportchef René Weiler übernehmen ad interim.

Ralf Loose. (Bild: Keystone)

Ralf Loose. (Bild: Keystone)

Ralf Loose (Juli 2005 bis April 2006)

Nach dem «harten Hund» Peischl kommt der «nette Kerl» Loose. Der Deutsche bleibt mehr oder weniger blass. Nach einer Misserfolgsserie mit nur neun Punkten aus zehn Partien wird er beurlaubt. Damals schreibt diese Zeitung: «Der oft farblos wirkende Ralf Loose stellte sich, egal was vorgefallen war, stets vor die Spieler. Er schenkte ­ihnen viel Vertrauen, was einige von ­ihnen schamlos ausnützten.» Unter dem ehemaligen Nationaltrainer Liechtensteins leistet sich St.Gallen eine der peinlichsten Niederlagen im Cup. Im Oktober 2005 unterliegen die NLA-Spieler dem 2.-Liga-Club Küssnacht am Rigi 1:2.

Rolf Fringer. (Bild: Archiv)

Rolf Fringer. (Bild: Archiv)

Rolf Fringer (April 2006 bis Oktober 2007)

Mit Rolf Fringer läuft es schnell besser. So gut, dass der FC St.Gallen im Oktober 2006 von der Tabellenspitze grüsst. Fringers Vertrag wird vorzeitig verlängert, doch in der Rückrunde stagniert das Team mit einer Unentschieden-­Orgie. Als es in der Saison 2007/08 nicht wie gewünscht aus den Startlöchern kommt, im UI-Cup in der zweiten Runde an Chisinau in einem debakulösen Penaltyschiessen scheitert und Stürmer Francisco Aguirre sagt, er treffe dann schon, wenn es darauf ankomme, geht’s abwärts. Bald heisst es, die Mannschaft sei nicht fit und Fringer hole aus den Spielern zu wenig heraus. Im Oktober, nach zehn Punkten aus zwölf Spielen, zieht der Club die Reissleine. «Wir ­haben nicht mehr daran geglaubt, dass uns Rolf Fringer aus dieser erneuten Baisse herausführen kann», sagt Bill B. Mistura, der Vizepräsident der FC St.Gallen AG.

Krassimir Balakov. (Bild: Philipp Baer)

Krassimir Balakov. (Bild: Philipp Baer)

Krassimir Balakow (Oktober 2007 bis Juni 2008)

Der Bulgare schafft den Sprung vom ­erfolgreichen Spieler zum erfolgreichen Trainer nie. Bereits bei den Grasshoppers ohne Fortune, führt Krassimir Balakow im negativen Sinn die Arbeit Fringers weiter und schafft es nicht, den ­Abwärtstrend aufzuhalten. Kommunikative und taktische Mängel werden ihm vorgeworfen. Doch die Clubführung ­reagiert erst nach den verlorenen Barragespielen und dem bitteren Abstieg in die Challenge League. Davor schreibt diese Zeitung: «Es ist grotesk, auch nur daran zu denken, Balakov weiter zu ­beschäftigen. Ein Arbeitnehmer in leitender Funktion mit einem derart schlechten Leistungsausweis wie jener Balakovs in St.Gallen fliegt andernorts hochkant aus einem Unternehmen – ausser vielleicht bei einigen Grossbanken.»

Uli Forte. (Bild: Keystone)

Uli Forte. (Bild: Keystone)

Uli Forte (Juni 2008 bis März 2011)

Der damals erst 34-jährige Zürcher kommt vom FC Wil zum soeben in die Challenge League abgestiegenen, aber in die neue Arena umgezogenen FC St.Gallen. Dank seiner ausgezeichneten Rhetorik und guter Resultate gelingt es Forte, nach einem verpfuschten letzten Jahr im Espenmoos das Feuer wieder zu entfachen. St.Gallen spielt vor durchschnittlich 12'469 Zuschauern und steigt souverän in die Super League auf, wo Forte mit dem Team den Ligaerhalt schafft. Eine Saison später aber droht die Überschuldung der drei Stadion-Gesellschaften den Club zu ersticken. Der Mannschaft kann nicht genügend Qualität zugeführt werden, nach exakt 1000 Tagen im Amt muss Forte gehen.

Jeff Saibene. (Bild: Ralph Ribi)

Jeff Saibene. (Bild: Ralph Ribi)

Jeff Saibene (März 2011 bis September 2015)

Der Luxemburger ist der Trainer, der bis heute am meisten unterschätzt wird. Er wird vom Publikum jedenfalls nicht oder zu spät geliebt, vielleicht weil er das ­Ruder nach Forte nicht herumreissen kann und mit St.Gallen absteigt. Doch danach schafft Saibene – ohne zu glänzen zwar – den Wiederaufstieg und die Wende: Die Ostschweizer werden ein Spitzenteam und spielen international. Mit Dölf Früh und Heinz Peischl bildet Saibene ein Trio, das lange Zeit durch dick und dünn geht, bis Peischl im Mai 2015 entlassen wird und Früh sich verändert. Nach einer erneut schwachen Rückrunde wirkt Saibene müde, auch sieht er Unheil auf den Club zu kommen und verlässt diesen freiwillig. Heute schwärmt Arminia Bielefeld von Saibenes Arbeit.

Joe Zinnbauer. (Bild: Benjamin Manser)

Joe Zinnbauer. (Bild: Benjamin Manser)

Joe Zinnbauer (September 2015 bis Mai 2017)

Sportchef Christian Stübi zaubert mit Joe Zinnbauer einen Charakter aus dem Hut, den der FC St.Gallen noch nie gehabt hat. Der selbstbewusste Deutsche erhält als ehemaliger HSV-Coach Vorschusslorbeeren, es gibt Hoffnung auf gute Zeiten. Doch diese werden nach positivem Start zusehends schlechter – weil Zinnbauers Fussball mit hohem Stehen und Gegenpressing nicht funktioniert. Und seine Art die Spieler überfordert. Im zweiten Amtsjahr werden die Rufe nach Zinnbauers Entlassung lauter, doch weil intern hinter den Kulissen bereits ein Machtkampf tobt, gestaltet sich die Chose schwierig. Dann, nach fünf Niederlagen in Serie und dem drohenden Abstieg, kann im Frühjahr 2017 auch der scheidende Präsident Dölf Früh den Kopf seines Trainers nicht mehr retten.

Giorgio Contini. (Bild: Keystone)

Giorgio Contini. (Bild: Keystone)

Giorgio Contini (Mai 2017 bis April 2018)

Mit Giorgio Contini kehrt der Erfolg ­zurück. Doch weniger seine im Grunde gute Arbeit als vielmehr sein Staff und die negativen Strömungen im Club werden verhandelt. Als es zu Veränderungen im Verwaltungsrat kommt, Alain Sutter neuer Sportchef wird und Contini sich nicht mit ihm arrangieren kann, wird der ehemalige St.Galler Profi entlassen.

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