Rolf Bollmann: Manndecker und Mediensanierer

Hervorgegangen aus den Junioren des FC Winterthur, spielte Rolf Bollmann zehn Jahre lang ausschliesslich in der höchsten Liga, zwei davon auf dem Espenmoos. Was ihn zum «Evergreen» stempelt, ist sein Bekenntnis: «Die Zeit in St. Gallen war die schönste meiner Laufbahn.

Fredi Kurth
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Rolf Bollmann (Mitte) kämpft als Spieler des FC Winterthur im Cupfinal 1975 mit Ottmar Hitzfeld um den Ball. Rechts FCW-Torhüter Hans Küng. (Bild: pd)

Rolf Bollmann (Mitte) kämpft als Spieler des FC Winterthur im Cupfinal 1975 mit Ottmar Hitzfeld um den Ball. Rechts FCW-Torhüter Hans Küng. (Bild: pd)

Hervorgegangen aus den Junioren des FC Winterthur, spielte Rolf Bollmann zehn Jahre lang ausschliesslich in der höchsten Liga, zwei davon auf dem Espenmoos. Was ihn zum «Evergreen» stempelt, ist sein Bekenntnis: «Die Zeit in St. Gallen war die schönste meiner Laufbahn.» Bollmann versucht sich das mit dem familiären Umfeld und der Herzlichkeit zu erklären, denen er beim Ostschweizer Nationalliga-A-Verein begegnet ist. «Es waren alles gute Kollegen im Team.»

Willy Sommer gefolgt

Beide Vereine strebten damals einen sicheren Platz in der Elite des Schweizer Fussballs an. Winterthur gelang dies zuerst. Der FCW war dem FCSG in den 1970er-Jahren stets eine Nasenlänge voraus. Als sich dieses «Ostschweizer Derby» immer mehr zugunsten der St. Galler wendete, wechselte auch Rolf Bollmann die Seite. «Winterthur stieg 1977 ab, da holte mich Willy Sommer in die Gallusstadt», erinnert er sich. Damit gab es ein Wiedersehen mit jenem Trainer, der zwei Jahre zuvor denselben Weg gegangen ist.

Rolf Bollmann Der ehemalige Verteidiger spielte zwei Jahre beim FCSG. (Bild: ph)

Rolf Bollmann Der ehemalige Verteidiger spielte zwei Jahre beim FCSG. (Bild: ph)

In Winterthur war Bollmann umgeben von bestandenen Fussballern wie Eigil Nielsen, Timo Konietzka, Fritz Künzli, Hilmar Zigerlig oder Kurt Grünig, dem Ex-St. Galler. Auf dem Espenmoos traf er auf Spieler, die sich nicht zuletzt dank Willy Sommer erst hier einen Namen machten: Christian Labhart, Kurt Brander, Gerhard Ritter, Markus Schüepp, Martin Gisinger, Luigi Stomeo. Selbst Herbert Stöckl, den Bundesliga-Profi vom Wuppertaler SV, kannte hierzulande anfänglich niemand. «Und da gab es noch einen super Spieler, der zu wenig aus seinem Talent machte: Bertram Mogg», sagt Bollmann unverhohlen.

Mit St. Gallen auf Platz vier

Vielleicht erinnert sich Bollmann deshalb so gut an den feingliedrigen Mittelfeldspieler, weil er selber eher ein Fussballer der zupackenden Art war: Ein Manndecker, der den gegnerischen Mittelstürmer bremsen musste, «ausschalten», wie es damals hiess. Einer von Bollmanns Lieblingsgegnern war Ottmar Hitzfeld, «der gegen mich nie ein Tor erzielte». Auch nicht im Cupfinal 1975, den Winterthur gegen Basel trotzdem mit 1:2 verlor. Beim FC St. Gallen erlebte Bollmann als Höhepunkt die Saison zum hundertjährigen Bestehen, mit Platz vier damals eine der erfolgreichsten seit Jahrzehnten. Aussergewöhnlich war auch der hohe Sieg bei den Grasshoppers auf dem Hardturm, den der FCSG mit couragiertem Einsatz erkämpfte. Das bekam den Zürcher Fans schlecht. Sie beschimpften die St. Galler schon früh mit «Rueche, Rueche». Bollmann verstand aber «bueche, bueche», und seine Teamkollegen «buchten» munter weitere Tore. Die Spezies Manndecker ist inzwischen ausgestorben. «Gerne hätte ich auch <im Raum> gespielt», weist Bollmann auf die markanteste Veränderung im Fussball hin. «In den Angriff durfte ich nur selten.»

«20 Minuten» aufgebaut

Als Bollmann beim FC St. Gallen aufhörte, konzentrierte er sich auf seine berufliche Laufbahn. Unter anderem akquirierte er schon zu Zeiten als Fussballer Inserate für die NZZ. Er gehörte unter anderem acht Jahre lang der Geschäftsleitung von Adidas Schweiz an und machte sich einen Namen, als er hierzulande für den norwegischen Medienkonzern Schibsted die Gratiszeitung «20 Minuten» aufbaute. «Dieses Produkt wurde zur rentabelsten Zeitung in Europa», bemerkt Bollmann. Tamedia kaufte den Titel und nahm Bollmann gleich mit ins Boot.

In Blochers Auftrag

Er galt in der Branche fortan als ebenso erfolgreicher wie konsequenter Sanierer, was dazu führte, dass ihn Christoph Blocher vor einem Jahr zur Basler Zeitung abwarb. Der SVP-Vater hatte dort zwei Millionen Franken verloren. Bollmann wurde neben Blocher und Chefredaktor Markus Somm zu einem Drittel Mitbesitzer der «BaZ». Er entfernte alles, was nicht mit der Zeitung zu tun hatte. Der Kahlschlag von 720 auf 150 Angestellte löste in Basel Proteste aus. Hatte Bollmann einst seine Gegenspieler «in Obhut» genommen, war er es, der nun Personenschutz erhielt. Doch die «BaZ» sei inzwischen auf Kurs, sagt er. «Blocher ist im persönlichen Kontakt anders, als er zuweilen in seiner Aussendarstellung wahrgenommen wird», fügt Bollmann an, der sich keiner politischen Ausrichtung zugehörig fühlt. Für ihn zählt der Auftrag – wie einst auf dem grünen Rasen.

Matchtip Rolf Bollmann: FC St. Gallen – FC Thun 2:0 (heute, AFG Arena, 19.45 Uhr)