Rechnen mit Europa

Nach den zwei Siegen in Folge rückt für St. Gallen die Europa-League-Qualifikation in Griffnähe. Das Rechnen beginnt: Reicht ein fünfter Platz? Zu was berechtigt ein dritter? Sicher ist: Der Weg in die Gruppenphase wäre länger als 2013.

Ralf Streule
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Will der FC St. Gallen wie 2013 (hier vor dem Heimspiel gegen Valencia) in der Europa-League-Gruppenphase spielen, muss er mehr Hürden nehmen als vor zwei Jahren. (Bild: Urs Bucher)

Will der FC St. Gallen wie 2013 (hier vor dem Heimspiel gegen Valencia) in der Europa-League-Gruppenphase spielen, muss er mehr Hürden nehmen als vor zwei Jahren. (Bild: Urs Bucher)

FUSSBALL. Was zwei erfolgreiche, teilweise glücklich verlaufende zweite Halbzeiten ausmachen können: Der FC St. Gallen befindet sich nach den Siegen gegen die Young Boys und den FC Zürich plötzlich nicht mehr in Schräglage. Vielmehr peilt die Mannschaft wieder den dritten Rang an – die Plazierung, die man im vergangenen Oktober zuletzt innehatte. Logisch, dass die Stimmung im Training am Dienstagmorgen entspannt ist. «So schnell kann's gehen», sagt Trainer Jeff Saibene.

Kein direkter Playoff-Einzug

Acht Runden vor Schluss ist eine Rangierung zwischen den Plätzen drei und fünf sehr realistisch. Und damit die Chance, im Spätsommer europäisch zu spielen. Sicher ist aber: Auch ein dritter Platz würde, anders als zuletzt öfters gehört, nicht direkt für die Gruppenphase der Europa League reichen. Der FC St. Gallen müsste den Umweg über die dritte Qualifikationsrunde und die Playoffs machen. Und damit einen längeren Weg gehen als 2013, als man mit dem dritten Meisterschaftsrang direkt für die Playoffs gegen Spartak Moskau qualifiziert gewesen war. Dies hat damit zu tun, dass das Qualifikationssystem angepasst wurde: Kein Team mehr stösst direkt in die Playoffs vor.

Den Überblick zu behalten, welcher Super-League-Rang in welchem Fall zu welcher Qualifikation reichen würde, ist nicht einfach. Erschwerend kommt dazu, dass für dieses Jahr eine neue Regelung in Kraft tritt: Wird der Landesmeister gleichzeitig Cupsieger, rückt nicht wie bisher der zweite Cupfinalist in die Europa League nach. Vielmehr übernimmt der Drittplazierte der Meisterschaft das Cupsieger-Europaticket, der Vierte erhält die Berechtigung des Dritten, der Fünfte erbt diejenige des Vierten. Sollte also Basel im Cupfinal Sion bezwingen, rückt nicht nur der Fünfte in die Europa-League-Qualifikation nach, vielmehr werden die Ausgangslagen der Teams auf den Plätzen drei und vier aufgewertet. Dies könnte in der Saison 2015/16 sehr relevant werden. Dann nämlich wird der Schweizer Cupsieger direkt in der Europa-League-Gruppenphase starten – den Erfolgen Basels und dem Schweizer Höhenflug im Uefa-Ranking sei Dank. In der jetzigen Konstellation könnte der Drittplazierte also auf einen Basler Sieg im Cup und damit auf den direkten Einzug in die Gruppenphase der Europa League hoffen. In diesem Jahr aber sieht die Sache noch anders aus.

Zweite Runde oder leere Hände?

Aus Sicht der St. Galler gibt es für diese Saison mehrere mögliche Szenarien. Sie reichen vom Einzug in die dritte Qualifikationsrunde bis zum europäischen Ausscheiden.

• Erreichen die St. Galler zum Saisonende den 3. Platz, stehen sie in der dritten Qualifikationsrunde für die Europa League – unabhängig davon, ob Basel oder Sion Cupsieger wird. Mögliche starke Gegner: Der Sechstplazierte der Bundesliga, der Premier League oder der Primera Division. Bei einem Sieg folgen die Playoffs, erst dann die Gruppenphase.

• Mit einem 4. Platz steht St. Gallen nur dann in der dritten Qualifikationsrunde, wenn Basel Cupsieger wird. Wenn nicht, muss es zuvor die zweite Qualifikationsrunde überstehen.

• Bleibt St. Gallen auf dem 5. Platz und wird Basel Cupsieger, steigen die Ostschweizer in der zweiten Qualifikationsrunde ein. Wird Sion Cupsieger, spielen die St. Galler nicht europäisch.

• Fällt der FC St. Gallen noch auf den 6. Platz zurück, müssen sich die Spieler den Cupfinal nicht ansehen: Er wird an ihrem nichteuropäischen Herbst nichts mehr ändern.