Ratlos in die zweiwöchige Pause

FUSSBALL. Vor der Nationalmannschaftspause rutscht der FC St.Gallen weiter in die Krise: Bei der 0:1-Niederlage in Vaduz patzen die Ostschweizer in den entscheidenden Momenten. Noch scheint Trainer Jeff Saibene sein Team zu suchen.

Ralf Streule
Drucken
Teilen
St.Gallen-Trainer Jeff Saibene. (Bild: Urs Bucher)

St.Gallen-Trainer Jeff Saibene. (Bild: Urs Bucher)

Dieses Gefühl hält nun etwas an. Zwei Wochen dauert die Nationalmannschaftspause, und so lange bleibt auch der letzte Eindruck haften, den der FC St.Gallen am Samstagabend hinterlassen hat. Auf einen Befreiungsschlag in Vaduz hatte man gehofft, um die Gemüter zu beruhigen nach einem ungenügenden Saisonstart. Der Vaduzer Stjepan Kukuruzovic aber kannte kein Erbarmen. Bei seinem Tor in der 82. Minute waren die St.Galler nur Zuschauer. Niemand hinderte ihn im Strafraum daran, sich den Ball zurechtzulegen und ruhig zu versenken. Er brachte damit sein Team weg vom Tabellenende – und St.Gallen ein kleines Stück weiter in Richtung Krise. Letztmals hatte Vaduz im April gewonnen. Gegen St.Gallen.

Die Gesichter bei den Ostschweizern sprachen Bände. Bei Sportchef, Trainer und Spielern war die Ratlosigkeit greifbar. Viele verschwanden wortlos in der Garderobe. Und andere wurden deutlich. Die Aussagen des besten St.Gallers, Goalie Daniel Lopar, liessen tief blicken: «Wenn jeder unter der Woche gut und anständig arbeiten würde, hätten wir mehr Punkte», sagte der Ostschweizer im Teleclub-Interview. Ohne anzudeuten, wen er damit kritisierte. Jeff Saibene hatte zuvor ein Fernsehinterview angeblich abgelehnt.

Versuch mit sechs Neuen

Später an der Pressekonferenz bemängelte der Trainer vor allem die St.Galler Chancenauswertung. Tatsächlich hätten seine Spieler Möglichkeiten gehabt, mit einem Erfolg Ruhe ins Team zu bringen. Everton und Sandro Gotal in der ersten Halbzeit, Albert Bunjaku und Yannis Tafer in der Schlussphase vergaben diese aber liederlich.

Saibene hatte die Mannschaft auf sechs Positionen umgestellt. Dejan Janjatovic und Mickaël Facchinetti, zuletzt meist von Beginn weg dabei, standen nicht im Aufgebot. Saibene zeigte damit Mut, deutete damit aber auch an, dass er sein Team nach sieben Saisonspielen noch sucht. Zwar brachte Rückkehrer Yannis Tafer wieder Schwung auf die rechte Angriffsseite, zwar gab Edgar Salli in der letzten halben Stunde des Spiels ein vielversprechendes Début. Ja, Wille und Einsatz waren zu spüren. Ja, St.Gallen war über weite Strecken spielbestimmend. Dennoch bleibt der Eindruck eines ideen- und oft konzeptlosen Teams haften. Die vergebenen Chancen und das Abwehrverhalten beim Gegentor lassen zudem schlicht an der Qualität im entscheidenden Moment zweifeln. Und zu Beginn musste man sich bei Lopar bedanken: Er rettete zweimal bravourös gegen Moreno Costanzo.

Steckt der FC St.Gallen wirklich in der Krise? Oder ist sie heraufbeschworen, wie es Trainer und Spieler gerne sehen? Noch immer ist St.Gallen auf Platz sechs, wo es aufgrund der Budgetstärke in etwa hingehört. Nur: In den vergangenen Jahren hatte es Saibene stets geschafft, früh in der Saison sein Team zu finden. Diesmal gibt es viele personelle Fragezeichen, im defensiven Mittelfeld oder im Sturm. Und: Die wenig überzeugende Phase dauert nun seit Anfang Jahr an – so lange wie nie zuvor unter Saibene. Logisch, werden seine Kritiker lauter. Der Trainer sei kein Thema, beteuerte Sportchef Christian Stübi gestern auf Anfrage noch einmal. Eine Analyse sei erst nach einem Viertel der Meisterschaft angebracht.

Zeit, um durchzuatmen

In der Nationalmannschaftspause hat Saibene nun also Zeit, durchzuatmen und sein Team zu suchen. Nicht im Training dabei sein werden die Nationalspieler Mario Mutsch (Luxemburg), Bunjaku (Kosovo), Salli (Kamerun) sowie Martin Angha und Roy Gelmi (Schweizer U21).

In zwei Wochen steht der Gang nach Basel an, darauf folgt das Heimspiel gegen Thun. Punktet St.Gallen nicht, ist die Krise nicht mehr wegzureden.