Pleite im Tessin
St.Gallens Talfahrt verschärft sich: 0:2-Niederlage nach einem schwachen Auftritt in Lugano +++ Zeidler: «Abhaken heisst das Zauberwort»

Der FC St.Gallen findet nicht aus der Krise und verliert auch die Auswärtspartie in Lugano. Trotz einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit können die Espen den Tessiner Beton nicht knacken. Am Samstag kommt es nun zum kapitalen Heimspiel gegen das neuntplatzierte Vaduz, das noch einen Punkt Rückstand auf den FCSG aufweist.

Daniel Walt
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Die Spielwertung

Schlechter kann der Match aus St.Galler Sicht nicht beginnen: Schon nach zwei Minuten fällt das 1:0 fürs Heimteam. Das ist alleine schon deswegen Gift für die Gäste, weil sich Lugano nun auf das verlegen kann, was es am liebsten macht: Hinten reinstehen und gefährlich kontern. Ein Genuss ist die Partie deswegen zu keinem Zeitpunkt, selbst wenn das Engagement beider Teams stimmt. Spielnote: 4

Die Tore

  • 1:0, 2. Minute, Numa Lavanchy: Auf der rechten Seite verliert Musah Nuhu ein Duell gegen zwei Luganesi. Der Querpass landet bei Numa Lavanchy, der Zigi mit einem Flachschuss bezwingt.
  • 2:0, 72. Minute, Joaquin Ardaiz: Die Luganesi fangen einen Pass von Leonidas Stergiou ab. Ardaiz hat alleine vor Zigi keine Probleme, zum 2:0 einzuschieben.

Die Spielanalyse

Noch bevor im Cornaredo der erste Pass gespielt ist, rutscht der FC St.Gallen auf Tabellenplatz 8 ab. Dies, weil Luzern seine Heimpartie gegen Lausanne gewinnt und an den Espen vorbeizieht. Nun droht den Ostschweizern bei einer Pleite gegen Lugano und einem gleichzeitigen Sieg von Vaduz gegen Basel sogar der Fall auf den gefürchteten Barrageplatz.

Trainer Peter Zeidler rotiert stark: Er setzt im Vergleich zur letzten Partie Stergiou, Guillemenot, Ruiz, Muheim und Duah auf die Bank. Kräfteschonen für das eminent wichtige Heimspiel gegen Vaduz am Samstag scheint angesagt. Die Partie beginnt dann mit einem Knalleffekt, der Zeidlers Pläne völlig über den Haufen wirft. Bereits nach zwei Minuten geht das Heimteam nach einer missglückten Aktion von Musah Nuhu in Führung. Torschütze: Numa Lavanchy.

Bild: Keystone

Nach diesem Schock ist für die Espen vorerst Aufrappeln angesagt. Mit der Zeit haben sie sogar etwas mehr vom Spiel, während die Tessiner wie gewohnt den Beton anrühren und auf Konter lauern. Zu einer ernstzunehmenden Chance kommen die Gäste aber erst nach rund 25 Minuten – sofern man Youans Distanzversuch überhaupt als solche bezeichnen kann. Wesentlich gefährlicher fallen da die Gegenstösse der Tessiner aus, die insbesondere über die linke Angriffsseite vorgetragen werden.

St.Gallens Trainer Peter Zeidler sieht in der ersten Halbzeit wenig Erbauliches von seinem Team.

St.Gallens Trainer Peter Zeidler sieht in der ersten Halbzeit wenig Erbauliches von seinem Team.

Bild: Keystone

In der Pause reagiert St.Gallens Cheftrainer Peter Zeidler: Er holt den schwachen Musah Nuhu genauso wie Boris Babic und Betim Fazliji vom Feld. Für sie kommen Miro Muheim, Leonidas Stergiou und Victor Ruiz. An der Spielanlage ändert dies freilich wenig: Die Tessiner wirken bei ihren wenigen Gegenstössen um einiges gefährlicher als die St.Galler. Nach 60 Minuten dann ein offensives Lebenszeichen der Ostschweizer in Form einer reellen Torchance – Görtlers Abschluss streift aber am Tor vorbei.

Die St.Galler haben nun ihre stärkste Phase und schrammen wenig später bei einem Schuss des auffälligen und engagierten Thody Elie Youan erneut nur knapp am Ausgleich vorbei. Dann kommt das, was zu befürchten gewesen war: Dem eingewechselten Leonidas Stergiou unterläuft ein Fehlpass. Joaquin Ardaiz kann alleine auf St.Gallen-Keeper Zigi losziehen und trifft sicher zum 2:0. Es ist die Vorentscheidung in einer Partie, in der von Anfang an alles gegen die Ostschweizer lief. Die Espen zeigen sich in der Defensive insbesondere in der ersten Halbzeit zu fehlerhaft, und im Angriff gelingt es ihnen praktisch nie, den Tessiner Beton zu knacken.

Nach dem 1:1 zwischen Vaduz und Basel trennt nur noch ein Punkt den achtplatzierten FC St.Gallen von den Liechtensteinern, die auf dem Barrageplatz liegen.

Luganos Torschütze zum 2:0, Joaquin Ardaiz, enteilt Leonidas Stergiou.

Luganos Torschütze zum 2:0, Joaquin Ardaiz, enteilt Leonidas Stergiou.

Bild: Keystone

Der Beste

Euclides Cabral. Der Defensivmann setzt seinen Aufwärtstrend der letzten Partien fort und spielt stark. Auch Thody Elie Youan überzeugt: Er ist enorm einsatzfreudig und der einzige St.Galler Angreifer, der ab und an etwas Spielwitz aufblitzen lässt.

Starker Auftritt: Euclides Cabral.

Starker Auftritt: Euclides Cabral.

Bild: Keystone

Der Schlechteste

Musah Nuhu. Er steht am Ursprung des frühen 0:1. Generell ist er ein Unsicherheitsfaktor in St.Gallens Defensive und wird zu Recht vom Platz geholt.

Der Aufreger

Nach etwas mehr als einer halben Stunde reklamieren die Espen vehement und fordern einen Elfmeter. Dies, nachdem der Ball an die Hand eines Tessiners gesprungen ist. Schiedsrichter Sandro Schärer lässt die Partie aber weiterlaufen, und auch der VAR interveniert nicht.

Der eine oder andere VAR-geschädigte St.Gallen-Fan dürfte mit Recht bemerken, dass in vergleichbaren Situationen schon auf Penalty gegen sein Team entschieden worden ist.

Die Fans

Erstmals seit vergangenem Herbst dürfen wieder 100 Fans ins Stadion. Die meisten Anhänger der Bianconeri nehmen auf der Haupttribüne Platz, ein paar wenige sitzen auf der Gegentribüne. Beim Einlaufen der Mannschaften machen sie sich lautstark bemerkbar.

Natürlich, das Cornaredo ist generell nicht als Stimmungshochburg des Schweizer Fussballs bekannt. Und 100 Fans machen noch keine Ambiance in einem Stadion aus. Trotzdem: Jeder Anfeuerungsruf, jeder Ärger über einen Schiedsrichter-Pfiff, jedes Klatschen tut der Fussballerseele in dieser unseligen, trostlosen Coronazeit gut. Bloss auf den Jubel der Lugano-Anhänger hätte man als Ostschweizer an diesem Abend getrost verzichten können.

Aufgefallen: St.Gallens sonderbarer Ersatzcaptain

Am Tag vor dem Spiel in Lugano wird St.Gallens Captain Jordi Quintillà positiv auf das Coronavirus getestet. An seiner Stelle trägt gemäss dem Matchblatt Euclides Cabral die Binde:

Euclides Cabral? Wirklich? Nun, der Neuzugang hat zuletzt zwar stark gespielt. Trotzdem werden die Espen im Cornaredo selbstverständlich von Lukas Görtler aufs Feld geführt. Der Deutsche macht seine Sache wie gewohnt gut, er ist seinem Team ein kämpferisches Vorbild.

Der Fantipp für den FC St.Gallen auf Facebook:

Die Reaktionen

Peter Zeidler, Cheftrainer FC St.Gallen: «Beim 0:1 sind mehrere Dinge zusammengekommen. In der Folge haben wir gut reagiert, wobei wir uns natürlich gewünscht hätten, klarere Chancen herauszuspielen. Die 20 Minuten nach der Pause waren dann wirklich gut, wir hatten auch zwei sehr gute Torchancen. Nach einem 0:2 wird es gegen ein Team wie Lugano natürlich richtig schwierig.

Jetzt gilt es, dieses Spiel und die Enttäuschung über das Resultat schnell abzuhaken. Wenn uns das gelingt, werden wir am Samstag gewinnen – sonst wird es schwierig. Wir wollen unseren Vorsprung auf Vaduz natürlich zumindest halten, wenn nicht gar vergrössern.

Der Rhythmus derzeit ist natürlich höllisch, aber das ist keine Entschuldigung. Mit den Wechseln in der Startformation haben wir die Partie nicht hergeschenkt, es ging darum, dass alle Spieler, die wir noch brauchen werden, im Rhythmus bleiben. Und jetzt gilt wie gesagt: Abhaken, das ist das Zauberwort.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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