Pleite im Kybunpark
Der Cupfinalist versinkt im Abstiegssumpf: Der FC St.Gallen unterliegt Sion im kapitalen Heimspiel 0:3 +++ Trainer Zeidler: «Das war ein Stromausfall»

Der FC St.Gallen findet in der Meisterschaft auch nach der Cupfinal-Qualifikation nicht aus der Krise. Die Ostschweizer liefern gegen den Tabellenletzten Sion eine miserable zweite Halbzeit ab. Der Vorsprung auf den Barrageplatz beträgt nun noch einen Punkt, auf den direkten Abstiegsplatz sind es noch drei Zähler. Cheftrainer Peter Zeidler sagt: «Die 20 Minuten nach der Pause waren in allen Belangen wirklich schlecht.»

Daniel Walt
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Die Spielwertung

Sowohl der achtplatzierte FC St.Gallen als auch die rote Laterne aus dem Wallis stehen massiv unter Druck: Es zählt für beide Mannschaften nur der Sieg. Das Resultat: ein Kampf auf Biegen und Brechen, sowohl die Espen als auch die Sittener geben keinen Meter Rasen verloren. Das Heimteam führt dabei in der ersten Halbzeit die spielerisch feinere Klinge, ist in der Offensive aber erneut zu harmlos. Im zweiten Umgang dreht der Wind: Die Walliser werden stärker und machen das, was den Ostschweizern abgeht: Sie schiessen Tore. Spielnote: 4,5

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Bild: Michel Canonica

Die Tore

  • 0:1, 51. Minute, Torschütze: Guillaume Hoarau. Der langjährige YB-Goalgetter, im Wallis erst seit kurzem auf dem aufsteigenden Ast, zeigt seine Kaltblütigkeit. Er verwertet eine Hereingabe von der rechten Seite flach und scharf zur Sion-Führung.
  • 0:2, 62. Minute, Torschütze: Guillaume Hoarau. Erneut von der rechten Seite bedient, kontrolliert der Sion-Stürmer den Ball und überlupft den herauseilenden Zigi.
  • 0:3, 89. Minute, Torschütze: Guillaume Hoarau. Der Stürmer macht den Hattrick nach einem Konter alleine vor Zigi klar.

Die Spielanalyse

Ein Blick auf die Tabelle vor dem Anpfiff genügt, um sich der Brisanz dieser Partie bewusst zu werden:

Bild: Screenshot Teletext

Die Espen, bei einer erneuten Niederlage nur noch einen Punkt vom Barrage- und drei Zähler vom Abstiegsplatz entfernt, starten weniger furios als auch schon, Strafraumszenen sind vorerst Mangelware. Trotzdem könnten die Ostschweizer nach zehn Minuten führen: Nach einem knallharten Foul an Miro Muheim – der Sünder sieht nicht einmal Gelb – setzt Victor Ruiz einen Freistoss aus halblinker Position an die Latte. Sieben Minuten später setzt der agile Held von Genf, Basil Stillhart, vor dem Strafraum Kwadwo Duah ein. Der zieht direkt ab und zwingt Sion-Goalie Kevin Fickentscher zu einer ersten Parade.

Nach Ablauf der ersten halben Stunde steht eine weitere Chance der Espen durch Junior Adamu zu Buche. Die Ostschweizer haben bei einem missglückten Ausflug ihres Goalies Lawrence Ati Zigi allerdings auch Glück, dass die Hereingabe des Sittener Angreifers beim Heimteam landet. Viel mehr ausser einem St.Galler Distanzversuch, den Fickentscher erst im Nachfassen behändigen kann, ist in Umgang eins nicht.

Kampf und Krampf im Kybunpark – selbst die Zauberer in den beiden Reihen vermögen daran nichts zu ändern: Der St.Galler Victor Ruiz gegen Sions Musa Araz.

Kampf und Krampf im Kybunpark – selbst die Zauberer in den beiden Reihen vermögen daran nichts zu ändern: Der St.Galler Victor Ruiz gegen Sions Musa Araz.

Bild: Michel Canonica

«Machet e Goal!», schreit eine St.Galler Anhängerin beim Anpfiff zur zweiten Halbzeit auf den Rasen. Es ist allerdings nicht Grünweiss, sondern Sion-Stürmer Guillaume Hoarau, der Sekunden später beinahe einnetzt. Er kommt freistehend zum Kopfball, Zigi pariert aber glänzend. Wenig später hat Betim Fazliji Glück, dass Schiedsrichter Urs Schnyder nach seiner Intervention an einem durchbrechenden Sittener nur Gelb zeigt – zur grossen Empörung der Walliser. Insbesondere Goalie Fickentscher ist kaum zu beruhigen: Trainer Marco Walker muss einschreiten und ihn in die Schranken weisen.

Was sich seit dem Seitenwechsel abgezeichnet hat, wird nach 51 Minuten Realität: Die Espen-Defensive präsentiert sich gegen die nun offensiver agierenden Walliser ein weiteres Mal orientierungslos. Dieses Mal kann auch Zigi nichts mehr ausrichten – Guillaume Hoarau bezwingt ihn nach einer Hereingabe mit einem scharfen Flachschuss.

Der Ärger des Torhüters: Lawrence Ati Zigi nach dem 0:1.

Der Ärger des Torhüters: Lawrence Ati Zigi nach dem 0:1.

Bild: Keystone

Knapp zehn Minuten später doppelt Sions Nummer 99 nach: Er bezwingt den herauseilenden Zigi, nachdem er den Ball nach einer Flanke technisch stark unter Kontrolle gebracht hat. Zu allem St.Galler Übel ist wenige Minuten zuvor auch noch Betim Fazliji nach einer Notbremse vom Platz geflogen:

Bild: Michel Canonica

Der Rest der Partie ist schnell erzählt: Die St.Galler drücken, haben mehr vom Spiel, kommen aber zu praktisch keiner nennenswerten Torchance mehr. Sion trifft durch Hoarau sogar noch ein drittes Mal und schaukelt das Spiel sowie die drei Punkte gekonnt über die Zeit.

Die Walliser haben sich im Kampf gegen den Abstieg definitiv zurückgemeldet. Die Lage der Ostschweizer hingegen spitzt sich immer mehr zu. Zu grossen Sorgen Anlass geben muss insbesondere die absolute Harmlosigkeit, die Peter Zeidlers Team in der Offensive an den Tag legt.

Bild: Screenshot Teletext

Der Beste

Basil Stillhart. St.Gallens Siegestorschütze aus dem Cup-Halbfinal wirkt anfangs beflügelt von seinem listigen Treffer gegen Servette-Goalie Jérémy Frick. Er bleibt auch später, als ihm weniger gelingt, jederzeit bemüht.

Der Schlechteste

Kwadwo Duah. Der Espen-Angreifer ist zwar immer für ein Tor aus dem Nichts gut. Er wirkt in diversen Szenen aber seltsam unbeteiligt. Ein No-Go in einer derart wichtigen Partie wie heute.

Bild: Michel Canonica

Der Aufreger

In der 8. Minute begeht Sion-Cavaré ein sackgrobes Foul an Miro Muheim. Der St.Galler Verteidiger muss gepflegt werden, bevor er wieder ins Spiel eingreifen kann. Schiedsrichter Urs Schnyder zückt den gelben Karton unverständlicherweise und zum Ärger der St.Galler Anhänger nicht.

Die Fans

Es ist ein Jammer: Gerade einmal 100 Fans dürfen bei herrlichstem Frühlingswetter in den Kybunpark. Für sie gibt es wegen der neuesten Bundesvorgaben weder Getränke noch Bratwürste zu kaufen: Es herrscht ein absolutes Konsumationsverbot. Die Sinnfrage? Unbeantwortet.

Nichtsdestotrotz begrüssen die Anhänger ihre Cuphalbfinal-Helden beim Einlaufen gebührend. Auch während der Partie machen die Espen-Fans gehörig Stimmung: «Hopp Sanggalle, Hopp Sanggalle!», hallt es durchs leere Rund, Balleroberungen und gelungene Spielzüge des Heimteams werden beklatscht und bejohlt.

Der grösste Fan des FC Sion sitzt wenige Reihen unterhalb der Medientribüne: Sion-Präsident Christian Constantin. Der Rebell aus dem Tourbillon, die Maske zumeist ganz runtergezogen, feuert seine Spieler lautstark an. Dabei fehlen auch Anweisungen an einzelne Akteure nicht.

Bild: Keystone

Die Reaktionen

Peter Zeidler, Cheftrainer FC St.Gallen

Peter Zeidler, Cheftrainer FC St.Gallen

Bild: Keystone

Peter Zeidler, Cheftrainer FC St.Gallen: «Das ist ein bitterer Abend. Wir sind am Boden – aber wir werden wieder aufstehen. In der ersten Halbzeit haben wir in etwa so gespielt, wie wir uns das vorgestellt haben: Wir dominierten und liessen praktisch keine Konter zu. Nach der Pause wollten wir diesen Rhythmus dann halten, ja sogar noch erhöhen. Was dann passiert ist, war ein Stromausfall, Sion hat uns den Stecker gezogen. Mit dem 0:1, der roten Karte und dem 0:2 kam wirklich alles zusammen. Die 20 Minuten nach der Pause waren in allen Belangen wirklich schlecht.

Wir müssen diese Partie jetzt abhaken. Wir haben nach wie vor alles in der Hand, am besten fangen wir in Zürich an. Es wird ein heisser Kampf.»

Marco Walker, Cheftrainer FC Sion

Marco Walker, Cheftrainer FC Sion

Bild: Keystone

Marco Walker, Cheftrainer FC Sion: «In der ersten Hälfte war St.Gallen besser im Spiel, viel besser. Wir verloren jedoch den Ball viel zu schnell. Verteidigt haben wir gut, aber das war es dann auch schon. In der zweiten Halbzeit hatten wir eine Top-Chancenauswertung gegen einen aggressiven Gegner, gegen den es nie einfach ist.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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