Nun ist es offiziell – der FC St.Gallen wurde benachteiligt 

Der Video Assistant Referee (VAR) hat im Spiel zwischen St. Gallen und Luzern einmal zu Unrecht und einmal zu Recht eingegriffen. Zu diesem Schluss kommen die Verantwortlichen in einer Analyse der VAR-Premiere in der Super League.

Patricia Loher
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Schiedsrichter Lionel Tschudi konsultiert die TV-Bilder. (Bild: Urs Bucher)

Schiedsrichter Lionel Tschudi konsultiert die TV-Bilder. (Bild: Urs Bucher)


In der Situation nach gut einer Viertelstunde, als der Schiedsrichter Lionel Tschudi nach einem Rencontre zwischen St. Gallens Axel Bakayoko und Luzerns Lazar Cirkovic auf Penalty entschied, hätte der VAR nicht intervenieren dürfen. Das schreibt die Swiss Football League (SFL) auf ihrer Website.

Nach der Konsultation der TV-Bilder zog der Unparteiische den Penalty zurück. Es sei die am Schwierigsten zu beurteilende Situation des Spieltages gewesen, so die SFL. «Einerseits lassen die Bilder zwar keinen Kontakt erkennen – was mehr für eine Simulation/Schwalbe spricht. Andererseits ist aber auf der Grundlage der zur Verfügung stehenden Fernsehbilder auch nicht völlig auszuschliessen, dass der St. Galler von seinem Gegenspieler, der mit hohem Risiko zum Ball ging, getroffen wurde.» Und: «Die Intervention des VAR hätte unterbleiben müssen.» Der Videoschiedsrichter darf nur bei klaren und offensichtlichen Fehlern einschreiten.

«Der ausbleibende Pfiff ist ein offensichtlicher Fehler»

Der zweite VAR-Eingriff ist aber zu Recht erfolgt. Es wurde festgestellt, dass St. Gallens Goalie Dejan Stojanovic «ein klares Foul» begangen hat. Er komme Sekundenbruchteile zu spät, und während der Stürmer eher mit dem Kopf am Ball sei, treffe der Torhüter «mit beiden Fäusten statt des Balles unzweifelhaft, ausschliesslich und heftig den Kopf des Angreifers». Der ausbleibende Pfiff des Schiedsrichters sei ein klarer und offensichtlicher Fehler. Die Verantwortlichen schreiben:

«Der unerlaubte Einsatz des Torhüters muss mit einem Penalty und einer Verwarnung geahndet werden.»

Luzerns Blessing Eleke verwertete den Elfmeter in der 87. Minute. In der Nachspielzeit erhöhte Christian Schneuwly auf 2:0 für die Zentralschweizer.

Laut Mitteilung stellte das VAR-Projektteam, bestehend aus Vertretern der SFL und des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV), fest, dass alle technischen und organisatorischen Abläufe des neuen Systems funktionierten. Dazu gehören die Bildübertragung vom Stadion in den Videoraum und zurück, das neu eingeführte Kommunikationssystem zwischen Schiedsrichter und VAR sowie die Information für die Zuschauer in den Stadien und vor dem TV. «Dennoch wird es in den nächsten Wochen und Monaten darum gehen, weitere Erfahrungen zu sammeln und die Abläufe zu optimieren.»

Gegentribüne: Das ist er jetzt also, der gerechte Videobeweis...

Am Samstag fand der Match St.Gallen gegen Luzern an zwei Schauplätzen statt. Der eine war im Kybunpark, wo das Heimteam lange Zeit die deutlich bessere Mannschaft war. Der andere befand sich irgendwo in einem Fernsehstudio in Volketswil. Entscheidend – oder vielmehr fehlentscheidend – war, was im TV-Raum geschah.
Fredi Kurth