Kolumne

Rassismus im Sport – wie gehen wir damit um, wenn die Stadien eines Tages wieder gefüllt sein werden?

Der FC St.Gallen hat auf den Vorfall im Spiel gegen Zürich richtig reagiert. Niemand möchte Zuschauer, die einen Spieler rassistisch beleidigen. Aber dieser eine Zuschauer ist ein Bauernopfer.

René Bühler
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Unser Kolumnist René Bühler.

Unser Kolumnist René Bühler.

Benjamin Manser

Nach den Vorfällen in den USA ist auch in Europa das Thema Rassismus in aller Munde. Unsere vom Thema ablenkenden Mohrenkopf-Diskussionen stören den seriösen Dialog mehr, als sie nützen.

Ebenso unverständlich ist es, dass homosexuelle Menschen in vielen Ländern noch immer verfolgt werden oder dass Männer bei einer Scheidung schlechter dastehen als Frauen. Die Ungleichbehandlung von Mann und Frau in Bezug auf Lohn und Pensionsalter ist ebenfalls Rassismus unter den Geschlechtern, auch wenn das Wort Diskriminierung etwas versöhnlicher klingt.

Der FC St.Gallen hat auf den Vorfall im Spiel gegen Zürich richtig reagiert. Niemand möchte Zuschauer, die einen Spieler rassistisch beleidigen. Aber dieser eine Zuschauer ist das Bauernopfer und Stellvertreter für viele andere, die in einem gefüllten Stadion gleiches tun, aber nicht von jedem Mikrofon aufgenommen werden.

Es braucht Millionen von Tropfen

Wie gehen wir damit um, wenn die Stadien eines Tages wieder gefüllt sein werden? Es lassen sich nicht an jeder Ecke Kameras und Mikrofone installieren. Selbstverständlich ist es richtig, gegen diese Leute vorzugehen, allerdings ist es leider nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Aber es braucht diese Millionen von Tropfen, auch wenn die Lösung nicht nur die Verurteilung des einzelnen Täters ist.

Die Aufklärung und Prävention müsste in der Schule beginnen. Dabei geht es nicht nur um die Hautfarbe eines Menschen, sondern auch um Themen wie eine andere sexuelle Präferenz und die Unantastbarkeit der Individualität des Menschen.

Es muss in der Schule noch mehr thematisiert werden, damit es im Erwachsenenleben gar kein Thema mehr ist. Mit zehn Prozent weniger Geometrie, die notabene 99 Prozent der Menschheit nicht fürs Leben braucht, gibt es genügend Freiräume für die wirklich wichtigen Angelegenheiten im Leben. Die Befürchtung ist gross, dass es weitere 50 Jahre dauern wird, bis sich ein homosexueller Mensch nicht mehr gedrängt fühlt, sich outen zu müssen.

Zigi, Amoah, Toko, Kutesa

Einige Fussballer mit einer dunklen Hautfarbe haben beim FC St.Gallen Erfolge gefeiert oder tun dies auch aktuell. Torhüter Lawrence Ati Zigi war sogar nach zwei Partien schon der Publikumsliebling. Auch frühere Spieler wie Charles Amoah, Toko oder Dereck Kutesa waren beliebt bei den St.Galler Anhängern. Es ist unwichtig, welches Team wie viele schwarze oder weisse, hetero- oder homosexuelle Spieler im Kader hat.

Ebenso egal ist es, welchem Glauben sie angehören. Sie sollen nur nach ihrer Leistung auf dem Platz beurteilt werden und Vorbilder für unsere Jugend sein. Und diese Jugend ist der Ansatz für gesellschaftliche Veränderungen zum Thema Rassismus auf der ganzen Welt und im Fussballstadion.

Ich hoffe, dass meine Grosskinder die Menschen nicht mehr nach Kriterien wie der Hautfarbe oder der sexuellen Ausrichtung kategorisieren. Es sollten endlich nur noch die wirklichen Werte des Menschen zählen und es sollte sich niemand mehr outen oder verstecken müssen.

Unser Kolumnist

René Bühler wirft regelmässig einen Blick auf das Sportgeschehen. Er ist Ehrenpräsident des FC Fortuna St. Gallen und Herausgeber des Buches «Fussballjahre». (red)