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Neuzugang Lukas Görtler: «Das Angebot des FC St.Gallen hat mir schlaflose Nächte bereitet»

St.Gallens Neuzugang Lukas Görtler hat vier Jahre im Büro gearbeitet, ehe er Profi wurde. Trotzdem schaffte er es bis zu Pep Guardiola. Am Samstag um 19 Uhr bestreitet der 25-Jährige mit den Ostschweizern den Saisonauftakt gegen Luzern.
Patricia Loher
Lukas Görtler hat in St.Gallen einen Dreijahresvertrag unterschrieben. (Bild: Urs Bucher)

Lukas Görtler hat in St.Gallen einen Dreijahresvertrag unterschrieben. (Bild: Urs Bucher)

Es war eine turbulente Sommerpause. Lukas Görtler ist ehrlich. Das Angebot aus St.Gallen hat ihm schlaflose Nächte bereitet. Utrecht, der Club aus der höchsten holländischen Liga und Teilnehmer an der Europa-League-Qualifikation, hätte den Vertrag mit dem Deutschen gerne vorzeitig verlängert. Aber eben, eine Garantie, dass Görtler regelmässiger zum Einsatz kommen würde, mochten ihm die Verantwortlichen dann doch nicht geben.

Der FC St.Gallen hingegen lockte mit der Aussicht, dass er in einem neu zusammengesetzten Mittelfeld eine tragende Rolle einnehmen kann. Es galt also, hin und her zu überlegen. «In Utrecht war ich einer von fünf, sechs Mittelfeldspielern. Ich wäre oft auf der Ersatzbank gesessen», sagt der 25-Jährige.

«Die St.Galler aber liessen mich spüren, dass ich einer ihrer Wunschspieler bin.»

Görtler entschied sich, die Niederlande zu verlassen: «Ich bin in einem Alter, in dem die Karriere nochmals einen Schub erhalten kann.»

«Ich habe gelebt wie andere in meinem Alter auch»

Görtler hat in Anbetracht der Entwicklungen im heutigen Fussball einen unkonventionellen Weg hinter sich. Er durchlief keine Nachwuchsakademie von Kindsbeinen an, er erhielt keine Rundumbetreuung. Der Bayer spielte die meiste Zeit für Bamberg, wo er es bis in Deutschlands vierthöchste Liga brachte, daneben absolvierte er eine Ausbildung zum Informatik-Kaufmann. Vier Jahre hatte Görtler gearbeitet und gelebt, «wie es andere Männer in diesem Alter auch tun».

Doch dann klopfte im Jahr 2014 Bayern Münchens U23-Mannschaft mit dem heutigen Ajax-Amsterdam-Trainer Erik ten Hag an. Görtler war schon 20-jährig, als er seinen ersten Profivertrag unterschrieb.
Er bat seinen Arbeitgeber um eine Auszeit, um wieder in das Berufsleben einsteigen zu können, sollte es nichts werden mit einer Karriere als Fussballprofi. Doch dem wurde nicht stattgegeben. Görtler sah sich gezwungen zu kündigen – und es traf ein, wovon der Fussballer nicht zu träumen gewagt hatte.

Teileinsatz in der Bundesliga

Er erzielte in der Regionalliga in 27 Spielen elf Tore und schaffte es in die Nähe der ersten Mannschaft. Er trainierte vier Monate mit den Besten. Pep Guardiola war der Trainer, Claudio Pizarro, Philipp Lahm oder Arjen Robben seine Mitspieler. Als sich die Bayern 2015 frühzeitig den Meistertitel gesichert hatten, kam Görtler gegen Leverkusen zu einem Teileinsatz in der Bundesliga. Auf die Frage, weshalb es ihm nicht gereicht habe zum grossen Durchbruch, sagt der Spieler: «In Anbetracht meines Weges war es schon ein Erfolg, überhaupt so weit zu kommen.» Gegenüber der Zeitung «Rheinpfalz» sagte Görtler einmal:

«Jeder, der das realistisch einschätzen kann, der weiss, dass Bayern Spieler für 40 oder
50 Millionen holt und keinen aus Bamberg.»

Guardiola sei der beste Trainer der Welt. Nur schon die Videoanalysen seien lehrreich gewesen. Görtler erinnert sich an Trainings, während der ihn der Coach nicht schonte. Vor 3000 Zuschauern habe er einen langen Ball auf links spielen müssen.

«Als der Ball nicht ankam, unterbrach Guardiola das Training. Natürlich kam dann auch der zweite Ball nicht an.»

Später erklärte ihm der Coach, nicht im Sinn zu haben, ihn klein zu machen – aber das sei der Druck, der auch in der Meisterschaft auf einem Spieler laste.

Horst Konzok, Sportchef der Zeitung «Rheinpfalz», begleitete den Spieler während seiner Zeit in Kaiserslautern zwischen 2015 und 2017. Konzok sagt: «Wer es bei den Bayern ins Umfeld der ersten Mannschaft schafft, hat schon etwas an sich.» Görtler war nach seinem Engagement beim deutschen Rekordmeister auf den Betzenberg in die 2. Bundesliga gewechselt, wo er turbulente Zeiten erlebte. In zwei Jahren trainierte Görtler unter vier Coaches, auch der spätere Wil-Trainer Konrad Fünfstück war einer der Übungsleiter.

Lukas Görtler im Testspiel mit St.Gallen gegen Bochum. (Bild: Urs Bucher)

Lukas Görtler im Testspiel mit St.Gallen gegen Bochum. (Bild: Urs Bucher)

In Kaiserslautern wurde Görtler Opfer eines Trainerwechsels

Konzok sagt, Görtler sei in Kaiserslautern dem Trainerwechsel von Tayfun Korkut zu Norbert Meier zum Opfer gefallen. «Görtler hatte in Kaiserslautern einen guten Start. Unter Meier aber war es für ihn von Beginn an schwierig, zumal er auch noch verletzt war.» In zwei Saisons kam der Bayer auf 41 Einsätze. Görtler verfüge über gute Anlagen, so der Journalist. «Er ist schnell, laufstark und schont sich nicht. Zudem ist er ein feiner Mensch.» Als feststand, dass es für ihn in Kaiserslautern keine Zukunft gibt, verabschiedete sich Görtler von allen Clubmitarbeitern persönlich. «Das war keine Selbstverständlichkeit für einen, der soeben abserviert wurde», so Konzok. Der Spieler sei immer korrekt gewesen im Umgang. «Deshalb war er auch in der Mannschaft beliebt.»

«Er hat es verdient, dass ein Trainer voll auf ihn setzt»

Görtler bezeichnet diese Art als «geerdet». Er weiss aufgrund seines Werdegangs um das Privileg, Fussballprofi zu sein. «Deshalb will ich den Kontakt zur normalen Welt, der Welt meiner Freunde und Familie, nicht verlieren.» Der 25-Jährige liest viel, er weiss, was abseits des Fussballplatzes läuft. Er fährt mit dem Velo zum Training, ein eigenes Auto hat er nicht. Bald will er sich eine Vespa anschaffen. Konzok sagt: «Görtler hat es verdient, dass bald wieder ein Trainer voll auf ihn setzt.

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