FCSG-Präsident Matthias Hüppi hofft nach dem Verbot von Grossveranstaltungen auf Verschiebungen: «Dann spielen wir halt öfter als einmal pro Woche»

Wegen des Corona-Virus ist die Super-League-Runde des Wochenendes auf ein unbestimmtes Datum verschoben worden. Der FC St. Gallen bangt zudem um zwei Heimspiele.

Patricia Loher
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Die Drähte laufen heiss: St. Gallens Präsident Matthias Hüppi trifft sich am Montag mit den anderen Vorsitzenden der Super- und Challenge-League-Clubs zu einer Sonderkonferenz.

Die Drähte laufen heiss: St. Gallens Präsident Matthias Hüppi trifft sich am Montag mit den anderen Vorsitzenden der Super- und Challenge-League-Clubs zu einer Sonderkonferenz.

Martin Meienberger/Freshfocus

Das Corona-Virus hat dem FC St. Gallen und der Super League einen schweren Schlag versetzt. Der bundesrätliche Entscheid, wegen der Ausbreitung der Epidemie per sofort und mindestens bis am 15. März Grossveranstaltungen mit über 1000 Personen zu verbieten, tangiert nach der Absage der Meisterschaftsrunde des Wochenendes auch zwei Heimspiele des Super-League-Leaders.

Auf den 7. März ist die Partie gegen den FC Zürich angesetzt, eine Woche später trifft St. Gallen auf Thun. Gemäss Gesundheitsminister Alain Berset sollen mit dem Verbot von Grossveranstaltungen die Ansteckungsketten verlangsamt werden.

Am Montag treffen sich die Präsidenten in Bern

Noch ist unklar, ob die Ostschweizer – wie in den beiden höchsten Ligen im Schweizer Eishockey bereits beschlossen – Geisterspiele austragen müssen oder ob die Partien auch verschoben werden können. Am Montag werden sich die Präsidenten der Super- und Challenge-League-Clubs in Bern zu einer Sonderkonferenz treffen. Dabei soll das weitere Vorgehen besprochen werden.

Thema wird dann auch sein, auf wann die Runde dieses Wochenendes – St. Gallen hätte am Samstag beim kriselnden FC Sion gespielt – neu angesetzt wird. Allerdings bleibt es weiterhin auch möglich, dass das Grossveranstaltungsverbot über den 15. März hinaus ausgedehnt wird.

Die Daten für Verschiebungen sind knapp

St. Gallens Präsident Matthias Hüppi sagt, an erster Stelle stehe die Sorge um die Gesundheit und das Wohl der Bevölkerung. Zwei Heimpartien ohne Zuschauer wären für den FC St. Gallen sportlich und wirtschaftlich aber ein nur schwer zu verdauender Brocken. Der 61-Jährige sagt:

«Wir müssen alle Möglichkeiten ausloten, um Partien zu verschieben und vor Publikum spielen zu können.»

Der Terminkalender ist jedoch eng, die Champions League geht in die entscheidende Phase und der FC Basel ist weiterhin in der Europa League vertreten. Am Freitagabend hat der Schweizerische Fussballverband zudem auch die Partien im Cup der nächsten Woche auf noch zu bestimmende Daten verschoben.

Die Swiss Football League schreibt in einer Mitteilung: Aufgrund des hohen Termindrucks und um die Meisterschaft in einem regulären Rahmen weiterführen zu können, müssten Spiele ohne Zuschauer in Betracht gezogen werden. «Gleichzeitig müssen bei der Diskussion der möglichen Szenarien aber auch die wirtschaftlichen Interessen der Clubs berücksichtigt werden.»

Zwei Geisterheimspiele könnten über 500'000 Franken kosten

Falls es nicht möglich sein wird, die Heimspiele gegen Zürich und Thun zu verschieben, dürfte dem FC St. Gallen schätzungsweise ein Schaden von über 500'000 Franken entstehen. Ihm entgehen nebst Zuschauer- auch Catering- und Sponsoringeinnahmen. Ob solch massive Ausfälle versichert sind, ist noch ungewiss. Das alles müsse über das Wochenende aufgearbeitet werden und am Montag auf den Tisch kommen, sagt Hüppi.

Auch ist unklar, was mit bereits gekauften Eintrittskarten passieren würde und ob Saisonabonnementen entschädigt würden. Für das Heimspiel gegen Zürich vom 7. März waren bereits 11'000 Tickets abgesetzt worden.

Wunderbare Choreografie von St.Gallens Anhängern vor dem Spiel gegen die Young Boys.

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Urs Bucher

Heimspiele sind für den FC St.Gallen überlebenswichtig

Für einen Club wie St. Gallen, dessen erste Mannschaft über ein Budget von 7,6 Millionen Franken verfügt, sind die Heimspiele eine tragende Säule und deshalb überlebenswichtig. Das Grossveranstaltungsverbot wegen des neuartigen Corona-Virus trifft den Club in einer Phase der finanziellen Gesundung. Dem FC St. Gallen ist es gelungen, in den vergangenen zwei Jahren einen grossen Teil des Defizits von 2,5 Millionen Franken abzutragen.

Nun soll am Montag der Frage, wie Geisterspiele verhindert werden können, erste Priorität eingeräumt werden. Aber auch Hüppi weiss um den fein getakteten, engen Terminkalender. Der Präsident des FC St. Gallen wäre bereit, fast alle Kompromisse einzugehen, um Partien ohne Publikum zu vermeiden. Er sagt:

«Dann spielen wir halt öfter als einmal pro Woche. Oder zu ungewöhnlichen Zeiten. Das alles wäre dann zu akzeptieren.»

Die zwölf St. Galler Heimpartien der laufenden Saison besuchten im Durchschnitt fast 14'000 Personen. Vor einer Woche war der Kybunpark beim packenden 3:3 gegen die Young Boys restlos ausverkauft. Noch am vergangenen Donnerstag sagte Trainer Peter Zeidler über das stimmungsvolle Heimspiel gegen den Meister: «Die Zuschauer haben den Ball richtiggehend zum 2:2 und 3:2 ins Tor geschrien. Meine Mannschaft ist empfänglich für eine so grosse Energie von den Rängen.»

So wären Partien ohne Zuschauer wohl auch für St. Gallens junge, so begeisterungsfähige Mannschaft nicht einfach wegzustecken. Der FC St.Gallen hofft, die gute Form konservieren zu können. In den drei Spitzenspielen der Rückrunde gegen Basel, Servette und die Young Boys haben sich die Ostschweizer sieben Punkte gesichert. Der FC St. Gallen ist unterdessen seit einem Monat punktgleich mit Meister Young Boys Leader der Super League.

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