Mutig in die Niederlage: St.Gallen verliert gegen YB mit 2:3 

Der FC St.Gallen gleicht einen 0:2-Rückstand aus, verliert am Ende aber dennoch. Dank einer kämpferischen und mutigen Leistung hält der FC St.Gallen lange mit dem Meister mit und steht in der Schlussphase dem Siegtreffer lange Zeit gar näher als die Berner - YB aber macht seinem Ruf als Meister der Effizienz alle Ehre. 

Ralf Streule
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Am Ende gibt es für die Espen kein Vorbeikommen. Hier Miro Muheim im Zweikampf mit dem YB-Aussenverteidiger Saidy Janko. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Am Ende gibt es für die Espen kein Vorbeikommen. Hier Miro Muheim im Zweikampf mit dem YB-Aussenverteidiger Saidy Janko. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Die Tore

  • 0:1, 12. Minute, Jean-Pierre Nsame: Schnelles Direktspiel der Berner überfordert die St.Galler. Der Ball gelangt rechts zu Roger Assalé, der knapp nicht im Abseits steht und den unbewacht vor dem Tor stehenden Jean-Pierre Nsame bedient.
  • 0:2, 31. Minute, Ulisses Garcia: Ein Tor wie aus dem Training. Ausgerechnet als St.Gallen etwas den Tritt findet, unterläuft Leonidas Stergiou ein Fehlpass mit Folgen. Die Young Boys schliessen den Gegenstoss per traumwandlerischem Passspiel mit dem zweiten Tor ab.
  • 1:2, 44. Minute, Jordi Quintillà: Ein Freistoss des Spaniers aus 18 Metern passt haargenau und landet per Lattenunterkante im Tor.
  • 2:2, 51. Minute, Cedric Itten: Nach einem Foul an Boris Babic trifft Itten vom Penaltypunkt. Goalie David von Ballmoos ahnt die Ecke, ist am Ball dran, kann den Ausgleich aber dennoch nicht verhindern.
  • 2:3, 80. Minute, Jean-Pierre Nsame: Leonidas Stergiou springt der Ball vom Fuss - die Young Boys können erben und kommen so relativ locker zum Siegestreffer. Ausgerechnet in einer Phase, als die
    St.Galler dem 3:2 näher standen als die Berner.

Die Spiel-Analyse

Die Partie ist von Beginn weg attraktiv, beide Teams suchen früh das Pressing und das schnelle Direktspiel. Die physisch überlegenen Berner tun dies in der ersten halben Stunde aber weit abgeklärter, sie setzen die Ostschweizer konsequenter unter Druck. Peter Zeidlers Team will sich davon im Aufbauspiel nicht aus der Ruhe bringen lassen - was zum einen oder anderen gefährlichen Pass aus der Abwehrreihe der
St.Galler führt. Vor allem Yannis Letard spielt oft mit dem Feuer. Die beiden Tore der Young Boys in der ersten Halbzeit sind schön herausgespielt, fallen aber zu einfach. Die St.Galler Defensive ist in diesen Momenten völlig überfordert. Die Ostschweizer verstärken nach einer halben Stunde die offensiven Bemühungen und finden über viel Kampf ins Spiel zurück. Die Belohnung ist der Freistosstreffer von Quintillà, Marke Kunstschuss.

Nach der Pause trifft Cedric Itten schon nach einer Minute, wird aber aus dem Offside zurückgepfiffen. St.Gallen spielt immer mutiger, sucht den Ausgleich vehement und findet ihn per Penalty. Danach wird das Spiel zum Hin-und-Her, die Berner führen weiter die feinere Klinge und kommen zunächst zu den grösseren Chancen. Zwischen der 70. und 80. Minute drücken aber die Ostschweizer. Just in jenem Moment kommt ein weiteres Geschenk der St.Galler Abwehr. Jean-Pierre Nsame sagt danke. 

Mit seinem leidenschaftlichen und mutigen Auftritt hätte sich der
FC St.Gallen einen Punkt verdient. In entscheidenden Momenten aber waren die Berner abgeklärter. Vorwerfen müssen sich die St.Galler, defensiv teils zu nachlässig gespielt zu haben. 

Der Beste

Jordi Quintillàs Freistosstor macht ihn zum Mann des Spiels - auch darüber hinaus ist sein Spiel sehr abgeklärt. Auffallend vor allem zum Schluss der Partie: Lukas Görtler, der sich mit viel Einsatz gegen ein weiteres Gegentor stemmt - und beinahe zum 3:2 trifft.

Dejan Stojanovic: Note 4. Ein undankbarer Abend für den FCSG-Goalie. Ohne Abwehrchancen bei allen drei Gegentoren.
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Cedric Itten: Note 4. Bekommt lange keine guten Zuspiele in die Spitze. Aber wenn er am Ball ist, wird es stets gefährlich. Bereits sein zweiter Penaltytreffer in dieser Spielzeit.
Miro Muheim: Note 4.5. Eine solide Leistung des Linksverteidigers. Schaltet sich dann und wann mit gefährlich Flanken in der Offensive ein.
Silvan Hefti: Note 4.5. Der Captain mit einer soliden Leistung. Findet auf der rechten Seite immer wieder Platz nach vorne.
Jordi Quintillà: Note 5. Ein Traumtor des Spaniers. Schlenzt den Ball aus 18 Metern herrlich ins Lattenkreuz. Versucht Ruhe in die Defensive zu bringen. In der ersten halben Stunde gelang das nicht.
Jérémy Guillemenot: Note 3.5. Kämpferisch, stellt sich in den Dienst der Mannschaft, offensiv aber ohne Durchschlagskraft. Muss nach 60. Minuten angeschlagen vom Platz.
Leonidas Stergiou. Note 3. Nicht der Abend des jungen Verteidigers. Lanciert mit einem Fehlpass den YB-Angriff zum 2:0. Vor dem 2:3 verspringt ihm der Ball.
Yannis Letard. Note 4. Nervös in der Startphase, mit einigen gefährlichen Fehlpässen. Steigert sich in der zweiten Halbzeit. (Bild: Keystone)
Lukas Görtler. Note 4.5. Glücklos und mit wenig Einfluss aufs Spiel in der ersten Halbzeit. Zeigt eine umso kämpferische zweite Hälfte. (Bild: Keystone)
Angelo Campos. Note 4.5. Kommt für die letzten zwanzig Minuten ins Spiel. Bemüht, aber wenig nennenswerte Offensivaktionen.
Moreno Costanzo. Note 4. Kommt für Babic ins Spiel. Ein unauffälliger Teileinsatz des Rückkehrers.
Alessandro Kräuchi. Kommt in der 85. Minute für Ruiz. Zu kurz für eine Bewertung.
Victor Ruiz: Note 5. Knüpft nahtlos an seine guten Leistungen der letzten Partien an. Ein Aktivposten und an jeder gefährlichen Aktion beteiligt.
Boris Babic. Note 4. Darf zum ersten Mal von Beginn weg starten, zeigt aber keinen guten Auftritt. Holt zumindest den Penalty heraus.

Dejan Stojanovic: Note 4. Ein undankbarer Abend für den FCSG-Goalie. Ohne Abwehrchancen bei allen drei Gegentoren.

Der Schlechteste

Leonidas Stergiou macht an sich eine gute Partie, gewinnt sehr viele Zweikämpfe. Aber er ist es eben auch, der mit zwei groben Fehlern zwei Gegentore verschuldet. «Er wird schnell wieder aufstehen», ist man sich bei der Clubführung einig.

Das gab zu reden

Was hat es zu bedeuten, dass Dereck Kutesa nicht im Aufgebot der
St.Galler stand? Die offizielle Begründung: Eine Fussverletzung soll ihn an einem Einsatz gegen die Young Boys gehindert haben. Die Vermutung vieler Beobachter ist aber eine andere: Nahm der Stürmer aufgrund der jüngsten Transferverhandlungen auf der Tribüne Platz? Am Freitag wurde bekannt, dass der FC St.Gallen ein Angebot von Stade Reims für Kutesa ablehnte. Finden Nachverhandlungen statt? Seitens Club gibt es diesbezüglich keine Informationen.

Die Fans

Mit einer aufwendigen Choreografie vor dem Anpfiff gibt der Espenblock die Richtung vor. "zrugg zur Spitze" will man, möglichst schon im Spiel gegen den Meister will man das bewerkstelligt sehen. Die Zuschauerzahl ist aber eher enttäuschend. 12594 Personen an einem Samstagabend gegen Meister Young Boys... - höchste Zeit, dass die Schulferien zu Ende gehen. Immerhin: Nach dem 2:2 sind Standing Ovations und Gänsehautstimmung angesagt.

Die Reaktionen

Lukas Görtler: «Wir waren auf Augenhöhe mit YB, vielleicht sehe ich das etwas mit der grün-weissen Brille. Aber es war eine super kämpferische Leistung. Wir sind sehr enttäuscht. Aber diese Leistung macht mir Lust auf das Spiel nächsten Mittwoch gegen Zürich.»

YB-Trainer Gerardo Seoane: «In den ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit hatte der FC St. Gallen deutlich Überhand. Wir wussten aber, dass wir Erfolg haben können, wenn wir schnell und steil nach vorne spielen. Sensationell, das Freistosstor von Quintillà.»

Peter Zeidler: «In den ersten 20 Minuten spielten wir nicht so wie wir spielen wollten, das war nicht unser Plan gegen den Hochgeschwindigkeitsfussball von YB, Vielleicht war da etwas Nervosität. Kompliment an meine Mannschaft, was die zweite Hälfte betrifft, da haben wir uns gut zurückgekämpft. Der Beginn der zweiten Hälfte war in vielerlei Hinsicht sehr gut. Was die Fehler von Leonidas Stergiou betrifft: Ich sehe das Glas voll, er hat ansonsten sehr stark gespielt. Wer etwas Ahnung von Fussball hat, weiss, welch starker Fussballer er ist. »

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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