Meisterschaftsende
Was für eine Sensation: Das junge B-Team des FC St.Gallen besiegt in Genf das routinierte A-Team Servettes 2:1

Mit dem völlig unerwarteten Dreier in der Westschweiz beenden die Ostschweizer die Saison auf dem siebten Platz. Die Jungen wissen zu glänzen, und zu kämpfen, und wie!

Christian Brägger
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Salifou Diarrassouba trifft zum 1:0 für den FC St.Gallen.

Salifou Diarrassouba trifft zum 1:0 für den FC St.Gallen.

Bild: Cyril Zingaro/KEYSTONE

Die Spielwertung

Es mag ein Kehrausspiel sein zum Meisterschaftsende. Aber der FC St.Gallen kämpft solidarisch, verteidigt mit Mann und Maus und setzt Nadelstiche. Und beweist ein erstes Mal, dass im Rücken der ersten Mannschaft etwas nachwächst. Der Lohn ist ein verdienter 2:1-Sieg beim Traditionsklub Servette. Spielnote: 4,5

Die Tore

  • 0:1, 12. Minute, Salifou Diarrassouba: Die St.Galler spielen schnell nach vorne, Diarrassouba lanciert den Angriff. Der Ball kommt über Besio und Campos wieder zum 19-Jährigen zurück, er schliesst perfekt ab und trifft ins Lattenkreuz. 
  • 0:2, 45. Minute, Alessio Besio: Nach einem Freistoss vor dem Pausenpfiff kommt der Ball zu Besio, der Stürmer beweist seinen Torinstinkt und trifft direkt.
  • 1:2, 56. Minute, Boubacar Fofana: Der Servettien trifft nach einem Valls-Corner aus dem Rückhalt. Dies just in einer Phase, in der St.Gallen zu Zehnt auf dem Platz steht und indisponiert ist. 

Die Spielanalyse

Der FC St.Gallen startet im Stade de Genève in einer Formation in dieses letzte Meisterschaftsspiel, die es so nie wieder geben wird. Es ist ein B-Team, das Trainer Peter Zeidler nominiert. Keiner der möglichen Titulare für den Cupfinal steht auf dem Platz - deshalb kommt es auch einem Testspiel gleich. Was Wunder, geht es doch für beide Mannschaften um nichts mehr. Das hindert den Gast aus der Ostschweiz nicht daran, besser in die Partie zu finden, nach zwölf Minuten und der ersten Chance führt er dank Diarrassoubas Tor. Das ist überraschend, zumal Servette fast in der bestmöglichen Besetzung antritt.

St.Galler Jubel nach der Führung.

St.Galler Jubel nach der Führung.

Bild: Urs Lindt/Freshfocus

Nach der Führung wird Servette besser und kommt zu zwei Möglichkeiten, auch regnet es nun immer mehr. Aber richtig gefährlich wird es nicht, auch wenn es über 70 Prozent Ballbesitz hat. Vor dem Pausenpfiff kommt es zum Paukenschlag, und St.Gallen führt nach einem Freistoss und dem anschliessenden Direktschuss von Besio 2:0. Servette ist bedient, Alain Geiger wohl noch mehr, man hätte gerne in die Genfer Kabine reingehört.

Nach der Pause sind die Servettiens sichtlich bemüht, den Rückstand zu minimieren. Vorerst gelingt ihnen das nicht. Aber dann nützen sie die Unerfahrenheit der St.Galler aus, die wegen einer vermuteten Rippen-Verletzung Boubacar Traorès temporär nur zu Zehnt sind. Nach einem Corner trifft Boubacar Fofana unhaltbar aus dem Rückhalt zum Anschluss.

Miroslav Stevanovic im Zweikampf mit Nsana Simon (rechts).

Miroslav Stevanovic im Zweikampf mit Nsana Simon (rechts).

Bild: Urs Lindt/Freshfocus

Es giesst nun wie aus Kübeln, ein geordnetes Spiel ist kaum mehr möglich. Servette ist nach dem 1:2 nicht mehr wirklich zwingend, und die St.Galler versuchen sich in Entlastungsangriffen. Zeidler wechselt munter durch, gewährt vielen Spielern Super-League-Minuten, die noch nie welche hatten. Eine Ausgleichschance hat Servette noch, doch man sieht es in jeder Aktion, die Jungen geben ihr Bestes. Und bringen nach Hause, was keiner für möglich gehalten hat.

Der Beste

Die ganze, doch so junge Mannschaft des FC St.Gallen. Wie sie sich gegen die Routiniers unerschrocken präsentiert, ist eindrücklich. Wie sie gegen den 17-fachen Schweizer Meister solidarisch beisst und besteht, verdient höchstes Lob. Es ist ein solidarisches.

Der Schlechteste

Keiner.

Musah Nuhu: Note 5. Dirigiert die Abwehr mit Letard. Durch die Mitte gibt es für die Grenats kein Durchkommen.
15 Bilder
Lukas Watkowiak: Note 4,5. Der Deutsche feiert sein Début. Beim Gegentor machtlos, ansonsten agiert der Hüne sicher.
Lorenzo Gonzalez: Note 4,5. Für Campos eingewechselt (68.), erster Pflichtspieleinsatz für die Ostschweizer. Zeigt Ansätze.
Adonis Ajeti: Note 4,5. Kommt nach all den Jahren noch zu seinen Début in Grün-Weiss.
Boubacar Traore: Note 4,5. Muss das Feld, offenbar mit einer Rippen-Verletzung, in der 57. Minute verlassen. Bis dahin solide und wenig zulassend.
Tim Staubli: Note 5. Auf Görtlers Position macht der Werdenberger den Captain. Und er ist, wie Görtler, der Antreiber, der unglaublich viel läuft.
Angelo Campos: Note 4,5. Der Bündner kommt zum zweiten Saisonspiel – prompt ein Assist und auch sonst Torgefahr.
Yannis Letard: Note 4,5. Bis zu seiner Auswechslung spielt er einen souveränen Part.
Salifou Diarrassouba, Note: 5. 12 Minuten sind gespielt, und Diarrassouba trifft wunderbar in die hohe Ecke. Der Wirbelwind hat später nochmals eine Chance.
Patrick Sutter, Note: 5. Macht seine Sache auf der rechten Abwehrseite sehr gut, ist hartnäckig, cool, offensiv. Dabei ist der 22-jährige Rheinecker ja eigentlich ein Stürmer.
David Jacovic, Note: 5. Erstes Spiel, dann gleich so: Ist pfeilschnell, ballsicher. Auf ihn dürfte Zeidler in Zukunft setzen.
Nsana Simon, Note: 4,5. Spielt auf der linken Seite, beisst sich in die Zweikämpfe, spielerisch nicht so auffällig.
Alessio Besio, Note: 5. Der 17-jährige Sohn des früheren Espen Claudio macht mit einem satten Schuss das 2:0 – und beweist: Er ist ein Talent und ein Versprechen für die Zukunft.
Michael Heulle, Note 4,5. Erster Auftritt des Rheintalers für St.Gallen. Kommt für Traorè (57.)und reiht sich nahtlos ein.
Oliver Mayer, Note 4,5. Ebenfalls erstmalig für den FCSG. Hilft mit bis zum Ende.

Musah Nuhu: Note 5. Dirigiert die Abwehr mit Letard. Durch die Mitte gibt es für die Grenats kein Durchkommen.

Aufgefallen I

Trainer Peter Zeidler lässt drei Spieler von Anfang an debütieren im letzten Saisonspiel: Lukas Watkowiak, Alessio Besio und David Jacovic. Die Startformation seines B-Teams in Genf ist knapp 21 Jahre alt, es kommen lauter Spieler (Patrick Sutter, Nsana Simon oder Salifou Diarrassouba) zum Einsatz, die nicht zum Stamm gehören und am Cupfinal in Bern eher nicht im Aufgebot stehen werden: Boubacar Traorè und Musah Nuhu womöglich davon ausgenommen. Im Verlauf der Partie schickt Zeidler weitere Spieler auf den Platz, die noch nie ein Pflichtspiel für St.Gallen bestritten.

Alessio Besio traf bei seinem ersten Einsatz für den FCSG.

Alessio Besio traf bei seinem ersten Einsatz für den FCSG.

Bild: Urs Lindt / FRESHFOCUS

Aufgefallen II

Besio, Alessio: Er ist der Sohn des ehemaligen Fussballers Claudio Besio, der 1989 einst vom FC Uzwil zum FC St.Gallen gewechselt war. Und danach einige Partien auf höchster Stufe für die Ostschweizer absolvierte. Alessio ist 17 Jahre alt, gilt als Talent, und trifft sogleich bei seinem Début für den FC St.Gallen.

Die Reaktionen

Tim Staubli: «Ich hatte am Schluss Krämpfe, muss mich nun regenerieren, um am Montag wieder parat zu sein. Dass ich jetzt einmal Captain des FC St.Gallen war, macht mich unglaublich stolz. Wir wollten hierherkommen und Spass haben, mutig und frech sein. Wir sind als Mannschaft aufgetreten, blieben stets positiv, verteidigten zusammen, griffen zusammen an. Wir freuen uns nun richtig über den Sieg. Nun kommt der Cupfinal.»

Peter Zeidler: «Dass wir hier gewinnen konnten, ist unglaublich. Der Sieg ist schon etwas Besonderes. Ich bin wirklich stolz. Und wir sind vor dem FC Zürich. Das gibt die richtige Stimmung für den Pfingstmontag. Es gibt schon noch ein paar Angeschlagene, aber ich will dazu jetzt gar nicht allzu viel verraten. Jetzt müssen wir noch dreimal schlafen und sind dann im Wankdorf. Unser Spiel hat mir gezeigt, dass wir uns richtig entschieden haben. Dass der FC Luzern mit der besten Mannschaft im letzten Spiel angetreten ist, ist seine Sache. Wir werden dann sehen, was richtig war.»

Das Spiel im Liveticker nachlesen:

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