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Matthias Hüppi im grossen Interview: «Ich setze bei jedem voraus, dass er für Grün-Weiss alles gibt»

Matthias Hüppi, der Präsident des FC St.Gallen, geht zuversichtlich in die neue Saison. Der 60-Jährige über den Kaderumbruch, die Vorstellungen des neuen Trainers Peter Zeidler sowie Dölf Früh, der in seiner Firma frühere Weggefährten anstellt.
Interview: Patricia Loher, Christian Brägger
Matthias Hüppi ist seit Anfang dieses Jahres St.Gallens Präsident. (Bild: Benjamin Manser)

Matthias Hüppi ist seit Anfang dieses Jahres St.Gallens Präsident. (Bild: Benjamin Manser)

Matthias Hüppi, weshalb hat sich der FC St.Gallen für diesen grossen Kaderumbruch entschieden?

Er ist eine Folge des gesamten Umbruchs im Verein. Und wenn man sich die Schlussphase der vergangenen Meisterschaft vor Augen hält, wird klar, dass wir reagieren mussten. Wir mussten den Modus, der damals Einzug hielt, brechen. Hinzu kamen die Vorstellungen des neues Trainers. Es war legitim, dass Peter Zeidler diese vorbrachte. Mit dem Konkurrenzgedanken, der nun in dieser Mannschaft herrscht, können wir einen Schritt weiter kommen.

Vor der Niederlagenserie war der FC St.Gallen auf Rang drei klassiert. Sportchef Alain Sutter sagte, man sei qualitativ nur hinter den Young Boys und Basel. Hat man mit den Veränderungen jetzt nicht übertrieben?

Das wird sich weisen. Aber das Ganze muss auch perspektivisch betrachtet werden. Es gibt Spieler, die haben bei uns noch einen Vertrag für ein Jahr. Da weiss man nicht was passiert. Wir haben nun junge Spieler geholt, die sich entwickeln und hoffentlich zu Stammspielern werden können. Das sind langfristige Planungen. Unser Ziel war es, überlegt zu handeln, ohne uns hetzen zu lassen.

Aber genau das ist der Fall: Die Kadenz der Transfers ist hoch, als fühlte sich der Club gehetzt.

Die Kadenz war in den vergangenen zwei Wochen hoch. Losgegangen ist es ja relativ gemächlich. Die Namen der Spieler, die wir nun verpflichtet haben, waren schon früh auf unserem Radar.

«Letztlich geht es darum, dass der Coach
seine Vorstellungen umsetzen kann -
immer unter der Bedingung, dass wir den finanziellen Rahmen einhalten.»

Sie sagten, St.Gallen wolle mit jungen, eigenen Spielern arbeiten.
Nun haben diese aber fast keine Chancen mehr auf Einsätze.

Nias Hefti ist dabei, auch Alessandro Kräuchi. Mit Lars Traber und Betim Fazliji sind zwei weitere Spieler nahe dran an der ersten Mannschaft. Das ist eine gute Quote, wenn man davon ausgeht, dass wir pro Saison einen jungen eigenen Spieler integrieren wollen. Es ist aber sinnvoll, auch ausserhalb des Clubs nach neuen Spielern zu suchen, die frischen Wind in ein Team bringen.

Dennoch erhielt man den Eindruck, dass eine Strategie fehlte. Nun sind gewisse Positionen dreifach besetzt.

Wir haben einen Coach, der mit jungen, entwicklungsfähigen Spielern arbeiten will. Zeidler spielt einen anderen Fussball, einen dynamischen, schnellen. Schon in den Trainings wurde der Wandel ersichtlich. Also brauchten wir Akteure, die diesen Fussball beherrschen.

Die grün-weisse Welle, welche die neue Vereinsleitung zu Beginn propagiert hat, sehen wir bei all diesen Transfers dennoch nicht.

Die neuen Spieler werden sich für grün-weiss zerreissen, das garantiere ich.

Diesen Satz hört man oft, doch gerade am Ende der vergangenen Saison war davon nichts zu sehen.

Wir waren damals auch enttäuscht. Aber das ist abgehakt. Ich empfehle Ihnen einfach einmal abzuwarten um zu sehen, wie die neue Mannschaft auftreten wird. Ich setze bei jedem voraus, dass er für Grün-Weiss alles gibt, auch wenn er nicht in der Region grossgeworden ist.

Jede Mannschaft braucht einen sogenannt bösen Spieler. Wer ist das beim neuen FC St.Gallen?

Dafür ist es zu früh. Aber es gibt einige Kandidaten, im Training schenken sie sich jedenfalls nichts. Man spürt einfach, dass der Konkurrenzkampf nun gross ist. Leonel Mosevich könnte ein sogenannt «Böser» werden. Aber auch Spieler, die gestanden und schon länger bei uns sind, müssen einen Schritt vorwärts machen.

Würden Sie alles nochmals so machen wie im April? Trotz Rang drei Giorgio Contini entlassen und Boro Kuzmanovic einstellen?

Das ist für mich nicht mehr relevant. Wir schauen nicht zurück. Es ist nun unser Projekt und wir sind mit Zuversicht und einem hervorragenden Trainer an der Arbeit. Nun kann man uns messen.

Aber gerade Kuzmanovic hat an Autorität verloren.

Natürlich war die Phase unglücklich. Es wäre aber unfair, alles nur ihm anzulasten. Es sind damals alle in der Verantwortung gestanden.

Früher wurde bemängelt, um Marco Otero bilde sich eine ihm genehme Gruppe. Nun hat der Club mit Kuzmanovic oder dem zweiten Assistenten Peter Kappeler sowie dem Technischen Leiter Christian Maier auch Leute geholt, die Sutter nahe stehen.

Diesen Floh hat Ihnen jemand ins Ohr gesetzt. Das kann man nicht vergleichen. Es ist klar, dass Alain Sutter Leute seines Vertrauens holt. Aber das läuft alles transparent. Alles ist abgesegnet. Selbstverständlich muss das alles als Ensem­ble funktionieren. Christian Maier trägt das FCO-Gen schon lange Zeit in sich und war ehemaliger Nachwuchstrainer. Viele bei uns sind grün-weiss durch und durch. Da schadet es manchmal nicht, wenn auch die Aussensicht eingebracht wird.

«Mir kommt dieses Gespräch relativ negativ vor. Schauen wir doch, wie es kommt. Und dann reden wir weiter.»

Der ehemalige Präsident Dölf Früh hat eine Kosmetikfirma gekauft, in der er Leute um sich schart, die den FC St.Gallen verliessen: Ferruccio Vanin, Joe Zinnbauer, und auch Thomas Stadelmann, der nicht mehr Sekretär des Verwaltungsrats des FC St.Gallen ist. Zudem soll Otero dazustossen. Was denken Sie?

Ich registriere das. Es steht jedem frei, bewährte Arbeitskräfte bei sich anzustellen, wenn er davon überzeugt ist, dass sie ihm etwas bringen. Wir haben jedenfalls mit Marc Wolfer einen neuen Rechtsberater. Stadelmann hat uns in der Anfangsphase gut unterstützt. Aber es war klar, dass er nicht bei uns bleiben konnte, als wir den Schnitt machten und alles auf neue Beine stellten. Das ist alles mit ihm fair und transparent abgesprochen.

Was ist denn der Plan hinter Frühs Konstrukt?

Da muss man Dölf Früh fragen. Ich bin aber nicht beunruhigt. Ferruccio Vanin ist jedenfalls normal ausgeschieden, Marco Otero bezahlen wir noch. Er arbeitet jetzt teilweise beim U19-Nationalteam der Frauen; diesen Lohn ziehen wir selbstverständlich ab.

Sie sprechen häufig das strukturelle Defizit des Clubs an. Das dürfte es heuer nicht geben, zumal Albian Ajeti und Jasper van der Werff die fehlenden 2,5 Millionen Franken fast eingespielt haben.

Das alleine genügt aber nicht. Wir haben Altlasten, die wir begleichen müssen. Da geht nicht alles weg vom Defizit-Betrag. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir es schaffen und das um eine knappe Million Franken gekürzte Budget der ersten Mannschaft einhalten können.

Reichen Tranquillo Barnettas Batterien noch für diese Saison?

Es haben alle dieselben Chancen. Falls es Pläne mit ihm gibt, die über das Aktive hinausgehen, müssten wir das mit ihm besprechen. Es ist logisch, dass es uns nicht egal ist, was mit Barnetta passiert. Er hat hier eine grosse Bedeutung und unsere Unterstützung.

Zeidlers System mit hohem Pressing dürfte ihm nicht entgegenkommen.

Wie müssen schauen, wie es mit der Trainingsbelastung geht. Letztlich entscheidet der Trainer. Ich habe für jeden Spieler gleichviel übrig und funke Zeidler nicht drein. Er hat einfach den Auftrag, die Besten spielen zu lassen.

Wie nehmen Sie den Coach in seinen ersten Arbeitswochen wahr?

Wir haben ein enges Verhältnis, begegnen uns auf Augenhöhe. Er hat stets ein offenes Ohr. Mit ihm kann man über alles reden, er geht unter die Leute, ist kommunikativ. Ich verspreche mir sehr viel von ihm. Zeidler hätte jedenfalls locker bei vielen Vereinen der Schweiz anheuern können, wir sind froh, ist er bei uns. Aber auch er wird an den Resultaten gemessen, insbesondere in der Öffentlichkeit. Es braucht einfach Geduld. Und selbst wenn jetzt viele denken, wir hätten zu viele «Fremde» engagiert: Bei uns haben die eigenen Nachwuchsspieler eine Chance. Ich verlange auch, dass mindestens einer pro Saison den Sprung in die erste Mannschaft schafft. Aber sie müssen bereit sein, allenfalls einen Umweg über eine Ausleihe zu gehen.

Den Umweg also, den der 21-jährige Silvan Gönitzer auf sich nimmt.

Genau. Seine Ausleihe an Rapperswil-Jona ist die perfekte Lösung. Wir wollen mit dem Club sowieso enger zusammenarbeiten. Ich bin überzeugt, in einem Jahr ist Gönitzer bereit für uns. Wir müssen in jedem Fall eine Durchlässigkeit schaffen. Aber eben: Wenn der junge Spieler nicht bereit ist für diesen sinnvollen Umweg, führt es dann halt zu einer Vertragsauflösung.

Was sind Ihre Wünsche für die kommende Saison?

Dass wir die Zuschauer in unserem Stadion begeistern. Dass unsere Anhänger die neuen Spieler in ihr Herz schliessen und wir uns in der vorderen Hälfte der Tabelle etablieren können – Trainer ­Peter Zeidler will sich auf kein Rangziel festlegen, das kann ich nachvollziehen. Aber wir wollen vor allem zu Hause die Grossen ärgern.

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