Macht die Uefa St.Gallen zum Meister?

Am Dienstag tagen die 55 Mitglieder-Verbände der Uefa. Gemäss gut informierten Quellen wollen sie jene Mannschaften zu Meistern küren, die aktuell Leader sind.

Jürg Ackermann
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St.Galler Jubel - bald auch über den Meistertitel 2019/2020?

St.Galler Jubel - bald auch über den Meistertitel 2019/2020?

Bild: Urs Bucher

Das Corona-Virus hat Europa fest im Griff. Die Stimmen, die daran glauben, dass die Krise bald vorbei ist, werden leiser. Immer mehr Experten gehen davon aus, dass auch der Fussball nicht so schnell zur Normalität zurückkehren wird – und dass die Meisterschaft 2019/2020 nicht mehr zu Ende gespielt werden kann. Selbst dann, wenn die EM auf nächstes Jahr verschoben würde.

Was passiert dann? Wird wie im Schweizer Eishockey keine Mannschaft Meister? Oder wird die Meisterschaft mit dem aktuellen Tabellenstand eingefroren und diejenigen Mannschaften dürfen sich freuen, die jetzt vorne liegen? Gemäss der spanischen Sportzeitung «As» ist der Fall für die Uefa offenbar klar. Können die Meisterschaften nicht mehr zu Ende gespielt werden, sollen die aktuellen Leader zu Titelehren kommen. Das will der europäische Fussballverband seinen 55 Mitgliederländern morgen an einer Videokonferenz vorschlagen.

Das hiesse: Der FC St.Gallen wäre zum dritten Mal nach 1904 und 2000 Schweizer Meister, weil er derzeit zwar punktgleich aber mit dem besseren Torverhältnis knapp vor den zweit platzierten Young Boys liegt. Er dürfte damit im Sommer – sofern dann wieder gespielt werden kann – an der Qualifikation zur Champions League teilnehmen.

Klar ist: Die Uefa will einheitliche Kriterien, um «faire Bedingungen» für die Qualifikation zu den europäischen Wettbewerben für die nächste Saison zu garantieren. Und sie beruft sich gemäss der spanischen Sportzeitung auf ein historisches Beispiel. Weil die Meisterschaft in Rest-Jugoslawien wegen des Balkankrieges 1999 zehn Runden vor Schluss abgebrochen werden musste, kam die Mannschaft von Partizan Belgrad damals zu Meisterehren. Dieses Szenario könnte sich nun in allen europäischen Ländern wiederholen. 

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