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Lugano-Trainer Abascal:
«Der FC St.Gallen verfügt über ein grossartiges Team»

Dem FC St. Gallen bietet sich am Sonntag ab 16 Uhr die Chance, im Heimspiel gegen Lugano den zweiten Platz zu zementieren. Auch wenn der gegnerische Trainer die Ostschweizer lobt: die Tessiner hatten zuletzt ebenfalls Aufwärtstendenz. Ein Mannschaftsvergleich.
Ralf Streule, Christian Brägger
St. Gallens Trainer Peter Zeidler. (Bild: Melanie Duchene/Keystone)
Luganos Coach Guillermo Abascal. (Bild: Gabriele Putzu/Keystone)
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Gegner in Reichweite

Der FC St. Gallen hat die Meisterschaftspause auf Platz zwei verbracht. Gegen Lugano, bei zwei Punkten Differenz, ist morgen indes kein deutlicher Favorit auszumachen. Die Direktbegegnungen folgten aus
St. Galler Sicht zuletzt einem Muster: Niederlage, Sieg, Niederlage, Sieg, Niederlage. Wer hat am Sonntag im Kybunpark die Nase vorn? Einige der folgenden Punkte könnten Einfluss haben.

Die Trainer

Lugano: Der 29-jährige Guillermo Abascal ist mit Abstand der jüngste Trainer der Liga. Er gilt als smart, eloquent – und für seine Kritiker als zu jung. Doch der Spanier hat klare Vorstellungen vom Fussball, die er sich einst als Junior des FC Barcelona einverleibte, wo er mit Spielern wie Jordi Alba aufwuchs. Abascals Fussballphilosophie ist spanisch geprägt, und so will er auch seinen FC Lugano spielen sehen: Mit Ballbesitz, einem soliden Aufbau, genauem Positionsfussball. Dennoch: Der Coach kann sein System durchaus dem Gegner anpassen – und auf schnelle Konter setzen. Er sagt: «Der FC St. Gallen verfügt über ein grossartiges Team. Er macht viel Druck, es wird kompliziert für uns.»

St. Gallen: Der 56-jährige Peter Zeidler gilt ebenfalls als smart, eloquent – und Kritiker gibt es bisher (fast) keine. Anfänglich suchte der Deutsche nach seiner Idealbesetzung, rotierte viel und holte damit nicht immer das Optimum heraus; siehe Europacup («auch der Trainer ist nicht immer in Form»). Zeidler hat nun jene Stammformation gefunden, die seine Devise – Angriffsfussball, mit hohem Pressing und schnellen Kombinationen – derzeit am besten erfüllt. Doch die Gefahr besteht, dass der Fussball des FC  St. Gallen berechenbar wird. Der Coach bleibt unbeirrt: «Wir müssen gegen Lugano einfach ein gutes Spiel raushauen, mit flachen, und nicht mit hohen Bällen operieren.»

Die Stimmung im Verein

Lugano: Als sehr stabil gilt der Tessiner Club nicht. Von finanziellen Turbulenzen um die Jahrhundertwende erholte er sich lange nicht. Und Präsident Angelo Renzetti ist als Vulkan bekannt, dem der Geduldsfaden fast so schnell reissen kann wie jener von Christian Constantin in Sitten. Luganos 1:0-Sieg gegen Zürich hat zuletzt ein mögliches Feuer gelöscht. Zuvor war oft von Differenzen zwischen Trainer und Spielern zu hören. Renzetti forderte, Abascal müsse die Gruppe besser verwalten. Im Moment scheint die Sonne, aber Wolken können immer aufziehen. Management und Präsident erwarten viel vom FC Lugano – Abascals Position ist also stets gefährdet.

St. Gallen: Die grosse Ruhe nach stürmischen Zeiten hält in der Clubführung an, wohl auch dank des aktuellen Tabellenrangs. Trotz Sparkurs steht ein schlagkräftiges Team auf dem Rasen, Sportchef Alain Sutter hat die ersten Prüfungen bestanden. Und die von Präsident Matthias Hüppi propagierte Grün-Weiss-Bewegung mit positivem Geist scheint zu greifen. Zeidler ist vom Teamspirit angetan. Natürlich sagen dies Trainer fast immer, aber: Im Team scheint in der Tat vieles im Lot. Was man bemängeln muss, ist die bisherige Heimbilanz. Zeidler sieht darin (noch) kein Thema: «Wir dürfen die Lockerheit nicht verlieren.»

Die Defensive

Lugano: Die Verteidigung war in der Vergangenheit oft der Schwachpunkt. Weder Andrea Manzo, Zdeněk Zeman noch Pierluigi Tami bekamen dieses Problem in den Griff. Und in der vergangenen Saison konnte man sich auch selten auf den Goalie verlassen. Das ist nun anders: Dank Noam Baumann, der von Wil zu den Tessinern wechselte. Mit Innenverteidiger Mijat Maric und dem defensiven Mittelfeldspieler Miroslav Covilo ist weitere Stabilität dazugekommen.

St. Gallen: Zeidler will, dass das Verteidigen bei den Stürmern anfängt. Wer presst und hoch steht, läuft aber Gefahr, von schnellen Gegenstössen ausgehebelt zu werden. So gesehen in der ersten Halbzeit gegen Xamax. Verbesserungen sind hier weniger mit individueller Abwehrarbeit, sondern mit der gesamten Organisation des Spiels zu erzielen. Gesetzt scheinen derzeit Nicolas Lüchinger und Andreas Wittwer auf der Seite, Silvan Hefti in der Innenverteidigung sowieso. Zuletzt lief Leonel Mosevich hingegen Milan Vilotic den Rang ab. «Beide sind qualitativ auf Augenhöhe», sagt Zeidler. Dennoch scheint der Argentinier Mosevich die besseren Karten zu haben. Der Trainer sagt: «Wer zuletzt gespielt hat, ist schon leicht im Vorteil.»

Die Offensive

Lugano: An Torchancen fehlt es meist nicht. Dennoch treffen die Tessiner nicht allzu oft. Laut Marc Janko liegt’s am System. Der ehemalige Basler Stürmer war es gewohnt, Bälle im Strafraum zu empfangen. Doch Abascal setzt nicht auf die weiten Zuspiele, vielmehr soll Mittelfeldspieler Domen Crnigoj hinter der Spitze das Offensivspiel lancieren. Zuletzt waren Alexander Gerndt und Mattia Bottani nur wenig effizient.

St. Gallen: Mit Cedric Itten gibt es einen sicheren Wert. Er trifft nicht nur regelmässig, sondern schafft dank seiner Physis auch Platz für andere. Roman Buess, Yannis Tafer und Nassim Ben Khalifa kämpfen um Stammplätze im Offensivbereich. Zuletzt hatte Buess die besten Karten. Im Mittelfeld haben Majeed Ashimeru und Jordi Quintillà das Auge für die Mitspieler. Noch kommt dies aber nicht immer zum Tragen. Gegen eng verteidigende Teams kann die Offensive auch einmal sehr blass aussehen.

Die Schlüsselspieler

Lugano: Der Uruguayer Jonathan Sabbatini ist Herz und Kopf der Tessiner, Dreh- und Angelpunkt ihres Spiels. Der 30-jährige Captain spielte einst in der Reservemannschaft Liverpools und fand im Sommer 2012 über Umwege zum FC Lugano. Hier hat er all die Höhen und Tiefen erlebt, Aufstieg, Cupsieg und Auftritte in der Europa League.

St. Gallen: Ashimeru ist der Spieler, von dem sie in St. Gallen schwärmen. Dabei gehört er den Ostschweizern nicht einmal. Der Stellenwert des Ghanaers zeigte sich am Donnerstag, als er nach einem Zweikampf das Training abbrechen und das Schlimmste befürchtet werden musste. Schon sah man das ganze System des FC St. Gallen über den Haufen geworfen. «Es besteht die kleine Chance, dass er gegen Lugano spielen kann», sagt Zeidler. Der Coach sieht das Team nicht in Abhängigkeit von Ashimeru. Fakt ist: Ist der Mittelfeldspieler gut drauf, sind es auch seine Teamgefährten.

Das Finanzielle

Lugano: Der Präsident spricht von einer «guten finanziellen Situation». Allerdings schwimmt auch Lugano nicht im Geld: Renzetti muss Jahr für Jahr die besten Spieler verkaufen, um das Budget zu korrigieren. Stürmer Assan Ceesay ist gerade für rund zwei Millionen Franken nach Zürich gezogen. Doch die Situation könnte sich bald ändern. Der russische Magnat Leonid Novoselskiy, derzeitiger Präsident von Luganos Nachwuchsabteilung, wird bald Aktionär der FC Lugano  SA. Die Frage ist: Wird Novoselskiy einfach ein Partner oder wird er die Mehrheit der Anteile übernehmen? Novoselskiy ist ein Mitgründer und der Präsident der Gradient-Gruppe, eine der 200 führenden Firmen Russlands.

St. Gallen: Nach überbordendem Budget in den vergangenen Jahren ist man mit Sparen beschäftigt, nicht zum ersten Mal. Dank dem zurückgewonnenen Vertrauen hofft man auf Zuschauer- und Sponsorenzuwachs. Dennoch bleibt man monetär auf dünnem Eis.

Die besten Torschützen

Hier geht der Blick weit zurück. In Direktbegegnungen der beiden Teams haben sich zwei bekannte Südamerikaner als die besten Torschützen eingereiht. Julio Hernan Rossi traf zwischen 1999 und 2002 siebenmal für Lugano gegen St. Gallen. Ivan Zamorano traf in sechs Spielen zwischen 1988 und 1990 sechsmal. Gegen Lugano war er zudem später noch einmal doppelt erfolgreich: Mit Real Madrid im Cup der Cupsieger 1993.

Die Erfolge

Was die Titelgewinne angeht, kann St. Gallen mit Lugano nicht mithalten. Auf zwei Meistertitel 1904 und 2000 und einen Cupsieg 1969 bringen es die Ostschweizer. Die Tessiner feierten je drei Titel. Meister waren sie 1938, 1941 und 1949, Cupsieger 1931, 1968 und 1993. In den vergangenen 20 Jahren sieht die Bilanz aber für die St. Galler besser aus – die Tessiner darbten nach dem Bankrott 2003 zwölf Jahre lang in unteren Ligen. Schliesslich gibt es da noch die ewige Tabelle der höchsten Liga: St. Gallen steht auf Platz sieben, Lugano auf Platz acht.

(Mitarbeit: Marcello Pelizzari, Sportjournalist beim «Corriere del Ticino»)

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