KOMMENTAR: Contini - der Hoffnungsträger im Abstiegskampf

Der FC St.Gallen muss nun hoffen, dass seine Pläne mit Giorgio Contini aufgehen und er die Notbremse nicht zu spät gezogen hat. Das schreibt Sportchefin Patricia Loher in ihrem Kommentar zum Trainerwechsel beim FC St.Gallen.

Patricia Loher
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Giorgio Contini, der neue Trainer des FCSG, wird am Sonntag in Lausanne erstmals an der Seitenlinie stehen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Giorgio Contini, der neue Trainer des FCSG, wird am Sonntag in Lausanne erstmals an der Seitenlinie stehen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Der FC St.Gallen hat die Reissleine gezogen: Trainer Joe Zinnbauer muss gehen, Giorgio Contini kommt. Der 43-jährige ehemalige Vaduz-Coach leitete am Donnerstag bereits das Training und wird am Sonntag in Lausanne erstmals an der Seitenlinie stehen. Der FC St.Gallen ist für den Meisterstürmer aus dem Jahr 2000 die erste grosse Station im Schweizer Fussball als Coach. Kurzfristig wird Contini vor allem daran gemessen werden, ob er die Mannschaft stabilisieren und so schnell wie möglich aus dem Abstiegskampf führen kann.

Der FC St.Gallen muss nun hoffen, dass seine Pläne mit Contini aufgehen und er die Notbremse nicht zu spät gezogen hat. Die Mannschaft ist seit sieben Spielen ohne Sieg, die vergangenen fünf Partien hat sie allesamt verloren. Etwas Ähnliches ist zuletzt keinem Team in der Super League passiert. Noch stehen sechs Runden aus, St. Gallen steht gleich vor zwei kapitalen Partien: Nach dem Auswärtsspiel im Waadtland empfängt das Team mit Vaduz ausgerechnet Continis ehemaligen Club, gegen den die St. Galler in der höchsten Liga noch nie gewonnen haben. Die St. Galler sind innerhalb von bloss fünf Runden in den Abstiegskampf geraten. Nicht jeder Spieler kann mit solch einer neuen Ausgangslage umgehen, darin besteht die Gefährlichkeit dieser Situation. Continis Vorteil aber ist: Er hat mit Vaduz permanent gegen den Abstieg gespielt.

Giorgio Contini wechselte 1996 vom FC Baden zu St.Gallen. Hier eine Aufnahme von 1997. (Bild: Michel Canonica)
17 Bilder
In 145 Spielen erzielte der Stürmer insgesamt 30 Tore. (Bild: Keystone)
Aufnahme aus dem Jahr 1998. (Bild: Sandra D. Sutter)
Die FCSG-Spieler Thomas Alder, Wilco Hellinga, Patrick Bühlmann, Giorgio Contini und Marco Zwyssig (von links) nehmen eine CD auf. (1998) (Bild: Michel Canonica)
Contini überlistet FCZ-Torhüter Trombini zum 1:0. (1999) (Bild: Rainer Bolliger)
Im Kopfballduell mit Lausannes Erich Hänzi (1999). (Bild: Rainer Bolliger)
Zweikampf mit Yverdons Victor Diogo. (2000) (Bild: Keystone)
Portraitaufnahme als ziemlich frischgebackener Schweizer Meister im August 2000. (Bild: Keystone)
Contini (rechts) in einem Spiel gegen Luzern. (2000) (Bild: Rainer Bolliger)
Contini bejubelt in der Meistersaision Jairos (rechts) 2:0 gegen Luzern. (Bild: Rainer Bolliger)
Der Meistersturm: Giorgio Contini, Charles Amoah und Ionel Gane mit Trainer Marcel Koller (2.v.r.) (Bild: Keystone)
Contini bejubelt mit Sascha Müller sein Tor beim 4:1 gegen Sion im Espenmoos. (2001) (Bild: Hannes Thalmann)
Während dem Heimspiel gegen Sion, das mit 4:1 endete. (2001) (Bild: Hannes Thalmann)
Der Schweizer Meister im Cupspiel gegen B-Ligist Wil im Bergholz. Der FCSG gewinnt 3:1. (2001) (Bild: Trix Niederau)
Contini (rechts) als Assistent des neuen St.Gallen-Trainers Rolf Fringer gegen Yverdon. (2006) (Bild: Keystone)
Contini (rechts) als Assistent von Luzern-Trainer Murat Yakin. (2011) (Bild: Keystone)
Contini bei seinem ersten Einsatz als Cheftrainer des FC Vaduz im Jahr 2011. Er bleibt, bis März 2017. (Bild: Keystone)

Giorgio Contini wechselte 1996 vom FC Baden zu St.Gallen. Hier eine Aufnahme von 1997. (Bild: Michel Canonica)


Zinnbauer hat es in den vergangenen eineinhalb Jahren nie geschafft, richtig in St.Gallen anzukommen. Zwar war er ein Arbeitstier, aber mit dem ständigen Auf und Ab, manchem blutleeren Auftritt und auch dem 0:7 gegen Basel verlor der 47-jährige Deutsche die Gunst des Publikums. Hinzu kam, dass die vielen, zum Teil nicht nachvollziehbaren Wechsel in seinen Startformationen nicht bloss die Zuschauer, sondern auch die Spieler vor den Kopf stiessen. Zuletzt, so heisst es, soll Zinnbauer auch im Team keine Lobby mehr gehabt haben. Zudem wendeten sich Sponsoren ab, der Saisonkarten-Verkauf für die nächste Saison ist trotz verzweifelt gerührter Werbetrommel sehr schlecht angelaufen. Wirtschaftlich und sportlich: Es wäre fahrlässig gewesen, hätte der FC St.Gallen über all diese Faktoren hinweggesehen. Der letzte Abstieg im Jahr 2011 hat die Ostschweizer vier Millionen Franken, viel Vertrauen der Bevölkerung, Wirtschaft und Politik gekostet.

Es war ein mutiger Entscheid des FC St.Gallen, im September 2015 Zinnbauer als neuen Trainer zu verpflichten. Er kam aus Hamburg, war ohne Vorurteile und ohne Verstrickungen. Die Clubverantwortlichen liessen sich von seiner Rhetorik und seinen Ideen auf dem Papier begeistern, Zinnbauer ist in der Tat ein grossartiger Verkäufer. Es gelang ihm auch, junge Spieler wie Silvan Hefti oder Roy Gelmi besser zu machen. Aber die meisten anderen Akteure stagnierten oder bauten gar ab. So muss nach eineinhalb Jahren konstatiert werden: Das Experiment Zinnbauer ist gescheitert. In der Verantwortung stehen nebst dem Trainer auch Sportchef Christian Stübi und Präsident Dölf Früh. Sie gingen damals das Wagnis ein und statteten das unbeschriebene Blatt Zinnbauer mit einem Dreijahresvertrag aus, was schlicht unnötig war. Nun haben die St.Galler bis Sommer 2018 zwei Trainer und auch den abgesetzten Assistenten Daniel Tarone auf ihrer Lohnliste. Das dürfte den Verein aber immer noch billiger kommen als ein Abstieg.

Patricia Loher
patricia.loher@tagblatt.ch