Kolumne
Kinder sollen spielen dürfen und nicht gut sein müssen

Endlich dürfen die Junioren neben den Trainings auch wieder Partien bestreiten. Sobald bei Juniorenspielen die Zuschauerinnen und Zuschauer wieder erlaubt sind, werden viele übermotivierte Mütter und Väter an der Seitenlinie ihre Kinder zum Gewinn der «kleinen Weltmeisterschaft» schreien. Dabei wünschen sich die Kinder Mama und Papa als ruhige Zuschauer und Beobachter.

René Bühler
Drucken
Unser Kolumnist René Bühler

Unser Kolumnist René Bühler

Benjamin Manser

Dies passiert vor allem im Kinderfussball, wo alles noch so verspielt und herzig daher kommt. Wenn das Kind dann aber kein Talent hat, sind die Eltern oft nicht mehr zu sehen, dabei geht es im Kinder- und Juniorenfussball vor allem um das «Erlebnis vor dem Ergebnis».

Natürlich handelt es sich immer noch um eine Minderheit von Eltern, die am Spielfeldrand hyperventiliert, aber es sind zu viele. Wo sind diese Eltern, wenn zwei Teams mit pubertierenden Kindern im Alter von
14 Jahren in der schwächsten Kategorie gegeneinander antreten?

Wenn Kinder die Eltern nicht dabei haben möchten

Man fragt sich dann, was auf dem Weg vom herzigen Minikicker zum Jugendlichen, zum vielleicht auch nicht mehr so talentierten Fussballer, alles passiert ist. Die Kinder sind nicht daran schuld, wenn sie die Eltern an den Spielen nicht mehr dabei haben möchten.

Diese Eltern sollten sich spätestens in diesem Moment fragen, was sie falsch gemacht haben, als ihre Kinder doch einfach nur spielen wollten und Väter sowie Mütter vor lauter Enthusiasmus damals schon peinlich waren. Ausserdem dürfen die Kinder auch untalentiert sein, es geht im Sport nicht nur um Talent und eine mögliche Karriere, sondern um die Bewegung, die Freude und das Teamgefühl.

Die Kinder wünschen sich Mama und Papa als ruhige Zuschauer und Beobachter. Eine dezente Anfeuerung oder ein Lob ist herzlich willkommen und wirkt motivierend. Zu oft hat diese Begeisterung aber das Kommentieren jeder Spielsituation zur Folge.

So gelingt es, nicht peinlich zu sein

Man kann Kinder beobachten, die nach jeder Aktion zu den Eltern schauen, um sich dort auch noch Lob (oder Tadel) abzuholen. Wenn man seinem Kind dann zuhause in aller Ruhe noch einen guten Tipp für die Zukunft mitgeben möchte, wird dies von Kindern in den meisten Fällen positiv aufgenommen.

So gelingt es auch, seinen Nachwuchs durch die ganze Juniorenzeit zu begleiten, ohne jemals peinlich zu sein. Und wenn man als Eltern noch intensiver am Hobby seines Schützlings Anteil haben möchte, dann freut sich jeder Verein über unterstützende Trainer, Assistenztrainer oder Betreuer.

Uneinsichtige Erwachsene

Aufgrund diverser Vorfälle hat der Fussballverband vor zwei Jahren den Mindestabstand der Eltern zum Spielfeld neu geregelt. Wer bei den D-Junioren Schiedsrichter sein will, ist verpflichtet, einen Minikurs zu besuchen. Aber die Tiger-Mama und der Fussballexperte lassen sich davon nicht beeindrucken.

Vor einigen Monaten erlebte ich einen Vater, der gegenüber einem anderen Vater handgreiflich werden wollte. Er wurde im letzten Moment gestoppt. Aufgrund einer Meldung an den Verband wurde dieser Vater gebüsst.

Diese Busse hat er nicht akzeptiert und ging juristisch dagegen vor, was ihm aber auch keinen Erfolg einbrachte. Diese uneinsichtigen Erwachsenen gehören zum Wohl ihrer eigenen Kinder nicht auf den Sportplatz. Nur so können die Mädchen und Buben unbeschwert ihrem Hobby nachgehen.

Kein Kind möchte kreischende Mütter, schreiende oder gewalttätige Väter am Spielfeldrand. Eltern sollen bei ihrem Kind nur die Freude am Spiel unterstützen und es ist völlig egal, ob das Kind etwas mehr oder weniger Talent hat. Erst wenn dies gelingt, gibt es auch keine solchen Vorfälle mehr auf den Plätzen, für welche sich die Kinder für ihre Eltern schämen müssen!

Unser Kolumnist

René Bühler wirft in regelmässigen Abständen einen Blick auf das Sportgeschehen. Er ist Ehrenpräsident des FC Fortuna St.Gallen und Herausgeber des Buches «Fussballjahre». (red)

Aktuelle Nachrichten