Kein würdiger Saisonabschluss

FUSSBALL. Zum Ende der Meisterschaft muss der FC St.Gallen fünf Gegentore hinnehmen. Die kraft- und ideenlosen Ostschweizer verlieren auswärts gegen Sion mit 1:5 und schliessen die Saison eins nach dem Aufstieg auf dem sechsten Rang ab.

Patricia Loher/Sitten
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St. Gallens Michael Lang (rechts) im Zweikampf mit dem Sittener Kevin Neurohr. (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

St. Gallens Michael Lang (rechts) im Zweikampf mit dem Sittener Kevin Neurohr. (Bild: ky/Jean-Christophe Bott)

Dem FC Sion reichten fünf Minuten vor der Pause, um die Vorentscheidung herbeizuführen. Zuerst traf Arnaud Bühler nach einem abgefälschten Kopfball zum 2:0, wenige Sekunden vor dem Halbzeitpfiff erhöhte Emile Mpenza auf 3:0. Ohne ein offensives Feuerwerk gezündet zu haben, hatten die Sittener die Gäste distanziert. Das 0:3 nach drei ruhenden Bällen stand für den grossen Unterschied zwischen diesen beiden Mannschaften.

Auf der einen Seite der FC Sion; abgeklärt, frisch und stets in der Lage, das Tempo zu verschärfen, wenn es die Situation erforderte. Auf der anderen Seite der FC St. Gallen: zwar mit Engagement und wieder weniger statisch als zuletzt beim 1:2 gegen Bellinzona, aber offensiv harm-, weil ideenlos. Im letzten Spiel der Meisterschaft, in dem es für beide Teams darum ging, nach zwei Niederlagen noch einmal erfolgreich zu sein, konnten die St. Galler nicht verbergen, dass ihnen körperlich und geistig die Kräfte ausgegangen sind.

Die Chance zum 1:1

Zwar spielten sie mit, wie schon so oft in dieser Saison in fremden Stadien. Und nach dem 0:1 Mpenzas nach einer Viertelstunde durch einen Foulpenalty, der von Michael Lang an Kevin Neurohr verschuldet worden war, bot sich den Gästen die Möglichkeit zum 1:1. Nach 20 Minuten war ein schöner Pass von Moreno Merenda für einen der seltenen Überraschungsmomente im St.Galler Spiel verantwortlich, doch Brice Owona kam zu spät und scheiterte an Sions Torhüter Andris Vanins. Die Hoffnung kam zurück, als Adrian Winter kurz nach der Pause mit einem schönen Tor aus der Distanz auf 1:3 verkürzte. Doch St. Gallen fand sich nicht mehr. Hinzu kam, dass es nun auch in den Zweikämpfen nachliess. So waren die Ostschweizer während Minuten überfordert, und Sion erhöhte durch einen Foulpenalty Mpenzas – Goalie Reto Bolli hatte den Belgier regelwidrig behindert – und ein Tor Neurohrs bis zur 62. Minute auf 5:1. Fünf Gegentore hatten die St. Galler in dieser Saison noch nie hinnehmen müssen. «Das Resultat ist eine Ernüchterung. Wir sind am Anschlag», sagte Trainer Uli Forte. Schon die Aufstellung sei ein Experiment gewesen, «aber es blieb mir nichts anderes übrig».

Die Verletztenliste ist lang. Hinzu kam, dass Marc Zellweger unter einer Wadenverhärtung litt und deshalb nur Ersatz war. Dabei hatten sich die Anhänger für Zellwegers letzten Auftritt in einem St.Galler Ernstkampf noch einmal etwas einfallen lassen. «Thanks a lot» hatten sie auf ein Transparent geschrieben. Und «Zelli 17 Gott». Im Wallis durften sie bezüglich Choreographien aus dem vollen schöpfen. Schliesslich mussten die Anhänger aber zur Kenntnis nehmen, dass der Captain nicht von Beginn weg spielen konnte. Als Zellweger 20 Minuten vor dem Ende eingewechselt wurde, zogen die Fans ein Transparent auf: Darauf abgebildet war das Konterfei des Verteidigers. Auch er hatte sich wenigstens sportlich einen schöneren Abschied gewünscht.

Vorbereitung beginnt am 7. Juni

Das Aussergewöhnlichste war gestern, dass Fernando als Innenverteidiger auflief. Und weil zwölf Spieler verletzungsbedingt passen mussten, sassen mit Manuel Sutter, Trung Nguyen und Philipp Lutz drei U21-Spieler auf der Ersatzbank. Sutter kam schliesslich noch zu seinem Super-League-Début. Die in den vergangenen Wochen immer länger gewordene Verletztenliste liess zuletzt kaum mehr zu, Spielern eine Pause zu geben. Das 1:5 war wohl die Quittung. «Es ist gut, dass die Saison zu Ende ist», sagte Forte.

«Nun müssen wir die richtigen Schlüsse ziehen.» Die Vorbereitung auf die kommende Meisterschaft beginnt am 7. Juni.