Kein Scarione-Abschied vom Team - Streit um Bankgarantie

FUSSBALL. Oscar Scarione wollte sich am Dienstag nach seiner Pressekonferenz von seinen bisherigen Teamkollegen verabschieden. Der Termin wurde schliesslich aber abgesagt.

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Auf leisen Sohlen wegschleichen – das will Oscar Scarione definitiv nicht. An der Pressekonferenz gestern mittag versicherte er: Beim Testspiel des FC St.Gallen gegen den Karlsruher SC am Nachmittag in St.Margrethen werde er sich offiziell von der Mannschaft verabschieden. Und auch Natal Schnetzer, Präsident des FC St.Margrethen und Organisator des Testspiels, erwartete den Torschützenkönig auf dem Sportplatz Rheinau. Fest eingeplant war in der Pause ein «Blitzinterview» als Abschied. Dazu kam es aber nicht. Scariones Berater sagten kurzfristig ab – da die Pressekonferenz am Mittag zu lange gedauert habe.

Transfer noch nicht perfekt
Oder hatte der Gesinnungswandel vielleicht damit zu tun, dass der Transfer doch noch nicht vollständig unter Dach und Fach ist? Darauf hin deutet die Aussage von FC-St.Gallen-Präsident Dölf Früh, der gestern beim Testspiel am Spielfeldrand anzutreffen war. «Eine offizielle Verabschiedung wäre noch zu früh», sagte er. Schliesslich seien die benötigten Bankgarantien für die Transfersumme vom türkischen Club Kasimpasa Istanbul noch nicht eingetroffen. Wie "20 Minuten" am Mittwoch schreibt, sollen sich die Türken weigern, eine Bankgarantie für den Transfer abzugeben. Sportdirektor Erkan Ogut soll gesagt haben, Kasimpasa sei ein Club, der von seriösen Unternehmen finanziert werde und es nicht nötig habe, Garantien abzugeben. Im schlimmsten Fall werde man sogar schweren Herzens auf den Spieler verzichten.

"Grosse Chance für Scarione"
«Es hiess, er komme», sagte gestern nach dem Spiel auch Captain Philippe Montandon schulterzuckend. Ob es doch noch eine Verabschiedung geben werde, wisse er nicht. Über den Wechsel äusserte er sich aber so, als sei er Tatsache: «Es ist eine grosse Chance für Scarione. Der Vertrag ist gut. Wir alle gönnen ihm das.» Dass der eher zurückhaltende Scarione, der sich eigentlich in St.Gallen wohl gefühlt hatte, in einem neuen Umfeld vielleicht nur schwer zurechtkommen könnte, glaubt Montandon nicht. «Letztlich ist es seine Entscheidung. Ich denke aber, er wird sich auch dort durchsetzen. Uns wird er fehlen.» Er sei dennoch zuversichtlich, dass der FC St.Gallen den Abgang verkraften werde.

0:1-Niederlage gegen Karlsruhe
Im gestrigen Testspiel gegen das Team aus der zweiten Bundesliga übernahmen Sébastien Wüthrich und Marco Mathys in der ersten Halbzeit abwechselnd die Position als hängende Spitze, die Scarione jeweils innehatte. Die St.Galler verloren die Partie, die aufgrund der vielen Wechsel in der zweiten Halbzeit wenig Aussagekraft hatte, mit 0:1. Das Tor erzielte Patrick Dulleck in der 47. Minute. Für die St.Galler vergab Alhassane Keita in der 64. Minute die grösste Chance. Er konnte eine Hereingabe von Roberto Rodriguez nicht verwerten. Rodriguez, der von der AC Bellinzona als Testspieler zum FC St.Gallen stiess, könnte im rechten Mittelfeld eine Verstärkung für die Ostschweizer sein. Auffallend war, dass sein Shirt bereits mit seinem Namen bedruckt war – für einen Testspieler ungewöhnlich. Und für Rodriguez vielleicht ein gutes Zeichen. (rst)