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Josef Winkler: Wie der Vater, so der Sohn

Das Talent und die Leidenschaft für den Fussball sind in der Familie Winkler ausgeprägt: Patrick, der vergangene «Evergreen», verbrachte sein halbes Leben beim FC St.Gallen, zunächst als Spieler, später in verschiedenen Funktionen im Nachwuchs.
Josef Winkler lebt heute in Teufen. (Bild: pd)

Josef Winkler lebt heute in Teufen. (Bild: pd)

Das Talent und die Leidenschaft für den Fussball sind in der Familie Winkler ausgeprägt: Patrick, der vergangene «Evergreen», verbrachte sein halbes Leben beim FC St.Gallen, zunächst als Spieler, später in verschiedenen Funktionen im Nachwuchs. Bereits sein Vater Josef Winkler spielte während acht Jahren beim FCSG. Und auch dessen Vater, József «Csybi» Winkler, war Fussballer. Er absolvierte vier Länderspiele für Ungarn und kam nach dem Ersten Weltkrieg über Italien in die Schweiz. Hier spielte er bei verschiedenen Vereinen, darunter bei den Young Boys.

Josef Winkler lebt heute in Teufen. (Bild: pd)

Josef Winkler lebt heute in Teufen. (Bild: pd)


Über Umwege aufs Espenmoos
1920 wird József Winkler Trainer beim FC Zürich und 1922 Spielertrainer bei den Young Fellows Zürich. Auf die Saison 1937/1938 übernimmt er den FC Lugano und führt den Club gleich zum ersten Meistertitel. 1940/1941 folgt der zweite Titel. Bis heute ist «Csybi» in Lugano eine Legende.

1945, als Josef Winkler 15 Jahre alt ist, zieht die Familie nach St.Gallen. Der Vater wird Trainer beim SC Brühl, der Junior kurze Zeit später Spieler. Er arbeitet bei der Textilfirma Stofel. «Die Chefs waren FCSG-Fans und nahmen mich mal mit in die Loge auf der alten Holztribüne im Espenmoos.» Danach will er für den FCSG spielen. Eine Vereinbarung zwischen den beiden Clubs untersagt jedoch Wechsel vom Krontal aufs Espenmoos während der Saison. Also schliesst er sich 1950 dem FC Wil an, wo sein Vater inzwischen Trainer ist – und wechselt danach zum FCSG.

Der Stürmer schiesst während seiner Zeit beim FC St.Gallen «viele Kopftore», wie er sich erinnert. Gleich sein erstes Spiel für den FCSG ist speziell: Zu Gast im Espenmoos ist der FC Wil. Gegen das Team seines Vaters trifft der «Hungerturm», wie er wegen seiner Postur genannt wird, zweimal. Ein Jahr später kommt der Vater als Trainer der Young Fellows zum Saisonauftakt ins Espenmoos – und wieder schiesst Winkler zwei Tore.

«Das ist der Sohn von Csybi»
Seine Treffsicherheit bleibt nicht unbemerkt. Winkler wird für ein Testspiel der Nationalmannschaft aufgeboten. Auch andere Vereine zeigen Interesse. «Die Young Fellows wollten mich ums Verrecken verpflichten.» Er bleibt aber dem FCSG treu. Der Beruf ist ihm wichtiger als der Fussball. Und in St.Gallen fühlt er sich heimisch.
Viele Spiele und ehemalige Mitspieler sind Josef Winkler noch präsent. Besonders gern erinnert er sich an die legendären Stadtmatches in der Nationalliga B gegen den SC Brühl. Und er weiss noch viele Anekdoten aus jener Zeit. «Einmal spielten wir in Lugano. Bei einem Einwurf schlug mir ein Zuschauer von hinten mit dem Regenschirm auf dem Kopf.» Daraufhin seien andere Zuschauer auf den Täter losgegangen: «Spinnst du, das ist der Sohn von Csybi!»

Bei einem anderen Gastspiel in Lugano sind die Zuschauer so aufgebracht, dass die Mannschaft des FCSG nach Spielschluss in den Trikots aus dem Stadion, das direkt am See liegt, fliehen muss. Sie setzt sich mit dem Schiff nach Melide ab. Als der Zug auf der Rückreise in Lugano hält, warten die Tifosi am Bahnhof.

«Schon damals ging es heiss zu und her.»
Der Fussball aber sei früher «eine komplett andere Welt» gewesen, erzählt Winkler. Lohn gab es keinen, die Prämie betrug 30 Franken für einen Sieg und 15 Franken für ein Unentschieden. Ab und zu gab es eine Sonderprämie: Nach einem Sieg in Genf spendiert der Präsident den Spielern im Speisewagen – an die Auswärtsspiele fährt die Mannschaft immer mit dem Zug – pro Tisch eine Flasche Wein. Und bei einem der wenigen Gastspiele, zu denen das Team im Car anreist, dürfen fünf Frauen der Spieler mitfahren. Es wird gewettet: Wer ein Tor schiesst, bekommt einen Kuss von den Damen. «Ich schoss zwei Tore und bekam zehn Küsse», sagt Winkler mit einem Lachen.

Der Kreis schliesst sich
Aus beruflichen Gründen beendet Josef Winkler seine Karriere als Fussballer Ende der 1950er-Jahre. Der Textilkaufmann geht nach Holland zu einem Grossunternehmen. Später lebt er in Zug, kehrt dann aber nach St.Gallen zurück. Heute wohnt der 84-Jährige in einem Altersheim in Teufen. Mit dem Fussball verbunden bleibt Josef Winkler aber auch nach seiner Aktivzeit. Die vier Kinder tschutten alle, «ich stand dauernd auf dem Platz». Später ist er Präsident des FC Teufen, wo sein Sohn Patrick mit dem Fussballspielen beginnt. So schliesst sich der Kreis.

David Gadze

Matchtip von Josef Winkler:
FC St.Gallen – Young Boys 1:0
(Samstag, 20 Uhr, AFG Arena)

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