Jeremy Seewer wahrt alle Chancen

Gemäss dem Schweizer Spitzenfahrer sind am Startgatter des Frauenfelder WM-Rennens neun Plätze dazu geeignet, den Start zu gewinnen. Mit dem achten Rang im Qualifikationsrennen sichert er sich einen davon.

Rolf Lüthi
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Jeremy Seewer in Frauenfeld: Der Spitzenfahrer ist heute der grosse Schweizer Hoffnungsträger. (Bild: Donato Caspari)

Jeremy Seewer in Frauenfeld: Der Spitzenfahrer ist heute der grosse Schweizer Hoffnungsträger. (Bild: Donato Caspari)

Am Samstag dröhnten in Frauenfeld ab acht Uhr die Motoren – es war das Vorspiel für den heutigen Sonntag, an dem ein Höhepunkt dem anderen folgt. Nach dem Mittag gingen die WM-Fahrer im Zeittraining auf die Jagd nach der schnellsten Rundenzeit, denn in der Reihenfolge der Rundenzeiten dürfen die Fahrer ihren Platz am Startgatter für das Qualifikationsrennen auswählen. Die Platzierung im Qualifikationsrennen wiederum bestimmt den Startplatz für die beiden WM-Läufe vom Sonntag. Was sich schon anhand der Trainingszeiten angedeutet hatte, bestätigte sich im Qualifikationsrennen der Nachwuchsklasse MX2: Die drei Schweizer Gastfahrer belegten Plätze am Schluss des Feldes. Harry Näpflin, beim Schweizer Motorrad-Landesverband FMS für den Motocross-Nachwuchs zuständig, relativiert: «Hier fährt die MX2-Weltklasse auf einer anspruchsvollen WM-Piste, wie wir sie in der Schweiz nicht haben. Vor diesem Hintergrund konnte man von unseren Fahrern nicht mehr erwarten. Trotzdem sehe ich es positiv: Internationale Rennen sind der richtige Weg, um weiterzukommen.»

Der WM-Leader stürzt in der zweiten Kurve

Mehr Überraschungen gab es im Qualifikationsrennen der schnellsten Klasse MXGP: In der zweiten Kurve stürzte WM-Leader Jeffrey Herlings. Tim Gajser übernahm die Spitze und schien einem ungefährdeten Sieg entgegenzufahren, bis er kurz nach Halbzeit immer langsamer wurde, weil in einer tiefen Rille seine hintere Bremse beschädigt worden war. Er rettete noch Platz sieben, unmittelbar vor dem Schweizer Spitzenfahrer Jeremy Seewer, der bei Halbzeit gestrauchelt war und zwei Plätze eingebüsst hatte. Da gemäss Seewers Einschätzung 9 der 36 Startplätze dazu geeignet sind, den Start zu gewinnen, sind seine Chancen intakt. Gewonnen hat das Rennen der Routinier Toni Cairoli, neunfacher Weltmeister und in der WM mit 36 Punkten Rückstand unmittelbar hinter Herlings platziert.

Der Neuenburger WM-Pilot Valentin Guillod fuhr ein unauffälliges Rennen auf Platz 20. Der Romanshorner Andy Baumgartner überraschte mit einem Blitzstart und kam als 19. aus der ersten Runde zurück. In der WM wird auch in den hinteren Rängen gekämpft, als ginge es um Sieg und Meistertitel, und obwohl Baumgartner keinen Gegner einfach so vorbei liess, verlor er in den gut 25 Minuten Renndauer fünf Plätze. Die weiteren Ostschweizer Cyrill Scheiwiller und Yves Furlato belegten die Plätze 28 und 29 unter 37 klassierten Fahrern.

Zuschauer verursachen den grösseren Lärm

Das Schweizer Fernsehen SRF 2 überträgt live ab 13.05 bis 14.55 Uhr den ersten Lauf beider Hubraumklassen. Nach einem Abstecher zum Schwägalp-Schwinget folgt ab 16 Uhr der zweite Lauf der MX2. Nach einer weiteren Kurzvisite bei den Schwingern startet um 17.30 Uhr die Königsklasse MXGP zum zweiten Lauf. Im Fernsehen sieht man vom Renngeschehen mehr als an der Piste, aber man ist nicht mittendrin, wenn die Luft vibriert. «Sie sind alle friedlich, wir haben kaum zu tun, aber sie veranstalten einen Höllenlärm», charakterisiert ein Security-Mann die Motocross-Zuschauer. Denn den grössten Lärm verursachen nicht die Rennmotorräder, sondern Zuschauer mit abgeänderten Motorsägen. Deshalb: Gehörschutz mitnehmen. Der Vorverkauf ist beendet, an der Tageskasse hat es noch genügend Tickets. Kosten: 80 Franken, der Eintritt ins Fahrerlager kostet zusätzlich 20 Franken. (rlü)