"Jeff, le Chef"

FUSSBALL. Einen Tag nach dem Rücktritt von Jeff Saibene als Trainer des FC St.Gallen wird wild über seinen Nachfolger spekuliert. Was seinen Entscheid angeht, so sind die Stimmen in den sozialen Medien durchwegs positiv. Kaum einer nimmt ihm den Entscheid übel.

Alexandra Pavlovic
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Für viele beweist Jeff Saibene mit seinem Rücktritt Charakter. (Bild: Urs Bucher)

Für viele beweist Jeff Saibene mit seinem Rücktritt Charakter. (Bild: Urs Bucher)

"Chapeau Jeff!", "Für immer einer von uns!" oder auch "Grande Jeff!": solche und ähnliche Lobeshymnen kursieren derzeit in den sozialen Netzwerken zu Jeff Saibenes Entscheid sich vom FC St.Gallen zu trennen und den Trainerposten für einen neuen Kandidaten frei zu machen.

Oft wurde Saibene in der Vergangenheit kritisiert. Zuletzt wegen des schlechten Saisonstarts. Viele Anhänger forderten seinen Rücktritt und ein Umdenken in der Clubführung. Jetzt, wo Saibene freiwillig gegangen ist, könnte man meinen, dass die Kritiker in die Hände klatschen und den Entscheid bejubeln. Doch dem ist nicht so. Statt scharfer Worte wird der Rücktritt in höchstem Masse auf Twitter, Facebook oder dem FCSG-Fan-Forum gewürdigt.

"Ein ganz, ganz Grosser geht"
So äussert sich etwa jemand im FCSG-Fan-Forum mit den Worten: "Auch der Abgang hat - wie alles was Jeff in den vergangenen vier Jahren geleistet hat - grossen Stil!" Ein anderer schreibt: "Das hat Stil und Anstand. Danke für viereinhalb Jahre anständige und harte Arbeit mit dem Höhepunkt Europa League. Du wirst immer einer von uns bleiben, auch wenn einige hier von Anfang an nur auf diesen Moment gewartet haben."

Einige bezeichnen Saibene auf Twitter und Facebook nicht nur als grossartigen Trainer, sondern auch als grossartigen Menschen. Er habe den FCSG geprägt, er habe den FCSG zurück nach oben gebracht, so weitere Stimmen. "Ein ganz, ganz Grosser geht - nicht nur sportlich, sondern auch menschlich."

Wiederaufstieg, dritter Platz und die Europa League
Für viele ist Saibene für immer einer von ihnen. Einige erinnern sich gerne zurück an die Glanzzeiten, die der FC St.Gallen unter ihm erlebt hatte und danken ihm dafür. So habe man etwa unter Saibene einige der wunderbarsten Momente in der langen Geschichte des Vereins zu verdanken. Der Aufstieg, der 3. Platz in der Meisterschaft, das Wunder von Moskau, die Europa League Gruppenphase: "Danke für die unvergessliche Reise nach Russland, den Ausflug nach Swansea, danke für den Wiederaufstieg und überhaupt für die ganze Europa League." Saibene habe von Anfang bis Ende Charakter gezeigt trotz teils unberechtigter und vor allem auf einem tiefen Niveau geäusserter "Kritik", so ein weiterer Beitrag im FCSG-Fan-Forum.

Es gibt aber auch kritische Stimmen: "Saibene war verantwortlich für ein paar schöne tolle Momente, die beim FCSG sonst ziemlich rar sind. Dafür gebührt ihm Dank und Respekt für seine Arbeit und Leistung. Aber diese schönen Momente liegen alle schon etwas zurück und die jüngere Vergangenheit spricht eine andere Sprache." Weiter sei Saibenes Entscheid in seinen Augen notwendig und richtig, es brauche wirklich einen neuen frischen Wind und neue Ideen. "Aber das er von sich aus diesen Entscheid gefällt hat und dies auch durchzieht, anstatt abzuwarten bis sogar Früh endlich der Kragen platzt, zeugt von einem gutem Charakter und dafür sollte man auch Respekt zollen."

10.11.2013: Jeff Saibene im Regen; dennoch gewinnt sein FC St.Gallen das Cup-Achtelfinalspiel gegen Aarau mit 4:0. (Bild: Urs Jaudas)
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8.03.2011: FC St.Gallen Präsident Dölf Früh stellt Jeff Saibene als neuen Trainer vor. (Bild: Keystone)
25.05.2011: Saibene kann den Abstieg in die Challenge League nicht verhindern. Der FC St.Gallen verliert das letzte Meisterschaftsspiel gegen die Young Boys mit 2:4. (Bild: Keystone)
13.05.2012: Nach dem 2:0-Sieg gegen den FC Locarno ist der Wiederaufstieg perfekt. (Bild: Keystone)
19.05.12: Bierdusche für den Wiederaufstiegstrainer. (Bild: Urs Bucher)
28.07.12: Nach dem 3:1-Sieg gegen den FC Zürich übernimmt das Team von Jeff Saibene die Tabellenspitze. (Bild: Michel Canonica)
20.08.12: Jeff Saibene kann sich nach dem Sieg über den FC Basel ein Lächeln nicht verkneifen. (Bild: Urs Bucher)
29.08.13: Der FC St.Gallen schafft die Sensation und zieht nach einem 4:2-Auswärtssieg in die Gruppenphase der Europa League ein. (Bild: Urs Bucher)
3.10.2013: Jeff Saibene freut sich auf das Europa-League-Spiel gegen Swansea City. (Bild: Keystone)
28.11.2013: Düstere Miene bei Jeff Saibene nach der 4:0-Auswärtsniederlage in der Europa League gegen Kuban Krasnodar. (Bild: Keystone)
1.12.2013: Der FC St.Gallen gewinnt gegen den FC Zürich mit 2:1. (Bild: Urs Bucher)
17.04.2014: Jeff Saibene treibt seine Mannschaft nach vorne; dennoch endet das Spiel gegen Lausanne mit 0:0. (Bild: Urs Jaudas)
23.11.2014: Ein ungläubiger Jeff Saibene: Der FC St.Gallen entgeht einer Niederlage und spielt 3:3-Unentschieden gegen den FC Vaduz. (Bild: Urs Bucher)
15.02.15: Schwere Zeiten für Jeff Saibene und seinen FC St.Gallen. (Bild: Urs Bucher)
1.09.2015: Bereits nicht mehr Trainer des FC St.Gallen: Jeff Saibene auf dem Weg zur Medienkonferenz. (Bild: Ralph Ribi)
1.09.2015: Der Abschied fällt Jeff Saibene sichtlich schwer. (Bild: Keystone)

10.11.2013: Jeff Saibene im Regen; dennoch gewinnt sein FC St.Gallen das Cup-Achtelfinalspiel gegen Aarau mit 4:0. (Bild: Urs Jaudas)

Saibenes Art kommt an
Ein anderer User im Fan-Forum erwähnt sogar die Tatsache, dass sich vorallem auch Anhänger von gegnerischen Mannschaften immer positiv und lobend über Saibene geäussert hätten. Diesen Respekt habe er leider in St.Gallen zu Unrecht nie ganz genossen.

Man mag über das Sportliche geteilter Meinung sein und in den vergangenen Monaten vieles zu Recht kritisiert haben, aber Jeff Saibenes Art kommt beim Grossteil an. Er sei ein "ganz feiner Typ, der seinesgleichen sucht". So fordern einige, ihn in die Hall of Fame aufzunehmen. Andere würden es gar begrüssen, wenn die FCSG-Ultras ein Spruchband für Saibene erstellen und ihn so würdig verabschieden.