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Silvan Hefti: «Jammere nicht. Ändere es!»

Es ist, als hätte Silvan Hefti schon immer für den FC St.Gallen gespielt. Am Sonntag absolviert der Innenverteidiger gegen die Young Boys bereits sein 100. Super-League-Spiel für die Ostschweizer. Eine Annäherung an einen vielleicht Unterschätzten.
Christian Brägger
Mit 21 Jahren ist der Goldacher Silvan Hefti beim FC St.Gallen bereits ein Routinier. (Bild: Ralph Ribi)

Mit 21 Jahren ist der Goldacher Silvan Hefti beim FC St.Gallen bereits ein Routinier. (Bild: Ralph Ribi)

2009 schloss sich Silvan Hefti den Junioren des FC St.Gallen an. 2015 folgte der erste Super-League-Auftritt in Basel, der verloren ging. Heute hat er bereits drei Jahre als Profifussballer hinter sich und den höchsten Marktwert im Kader. Dabei geht schnell vergessen, wie jung der Goldacher mit 21 Jahren noch ist.

Im Prinzip ähnelt Heftis Werdegang jenem von Tranquillo Barnetta, der es beim FC St.Gallen vom Fankurven-Zuschauer zum Spieler mit Kultstatus brachte. Hefti stand nie in der Kurve, doch als Knirps besuchte er in voller Montur, mit Schal und Leibchen, die Heimspiele der Ostschweizer. «Der FC St.Gallen war mein Sportereignis der Region, und er ist es jetzt noch, einfach in einer veränderten Rolle», sagt Hefti. Barnetta verliess die Ostschweizer in frühen Jahren, der Hype war bereits da und blieb, als im Ausland die Erfolge kamen. Wäre er länger in St.Gallen geblieben, hätte sich der Rummel um seine Person wohl schneller gelegt, sagt er.

Wird Heftis wahrer Wert verkannt?

Hefti musste für die Gunst der Anhänger mehr investieren: Es liegt in der Natur dieses Sports, dass Offensivspielern die Herzen schneller zufliegen. Er sagt, er spüre die Unterstützung der Anhänger, und «Hefti-Plakate» brauche er nicht. Dennoch bekommt man das Gefühl, dass der Fan den wahren Wert des Eigengewächses verkennt; es ist wie beim Lehrling, der nach dem Abschluss in der Firma bleibt, und das Image des Stifts dabei nicht loswird. Bei Roy Gelmi verhielt es sich ähnlich, erst als er weg war, erkannte man seine Bedeutung – es gab auch schon die Idee, ihn von Thun zurückzuholen. «Wenn Silvan eine Pirouette macht, einen Zweikampf gewinnt, geht das Publikum sofort mit, der Funke springt. Aber es ist schwieriger, dass der Eigene zur besonderen Figur wird, wenn er den Verein nie wechselt. Man bleibt irgendwie immer der eigene Junior», sagt Barnetta. Dereinst werde Hefti für seine Entwicklung einen grösseren Club finden müssen, denkt Barnetta.

Im Moment sind derlei Gedanken für Hefti weit weg. Zwar reizt ihn die Bundesliga, doch im Hier und Jetzt gibt es nur den FC St.Gallen, «der gerechte Rest kommt von alleine, wenn ich immer Leistung bringe». In solchen Sätzen schwingt Heftis Bodenständigkeit mit, der als ruhiger, ehrgeiziger Schaffer gilt. Als einer, der für seine Sachen selbst einsteht, nicht mit lauten Tönen, sondern mit Taten.

Doch vielleicht beschreibt Hefti folgende Episode, die sich vor Jahren zugetragen hat, am besten. So war es für den Spieler ein kleines persönliches Drama, wenn er 90 Minuten lang auf der Bank schmoren musste – es wäre es wohl noch heute. Einmal, in der U15, hatte er an einem Samstagnachmittag tatsächlich keine Minute gespielt. Am Abend wusste der pubertierende Bub nichts Besseres, als in der Sportanlage Kellen in Tüb­ach drei bis vier Stunden lang an sich zu arbeiten; der junge Hefti wollte seinem damaligen Trainer Daniel Bamert nie mehr die Möglichkeit geben, ihn nicht zu bringen. «Jammere nicht. Ändere es!», sagt Hefti heute noch. Es ist eine Art Lebensmotto geworden wie auch der Satz, den er über sich dereinst lesen will:

«Silvan hat keine halben Sachen gemacht. Er war immer mit vollem Herzen dabei.»

Mit den Jahren im Fussball reifer und selbstbewusster geworden

Hefti haben die Jahre im Fussball, bei St.Gallen und in den Nachwuchsauswahlen («wegen meines Alter kann ich nur noch für die Schweizer A-Nationalmannschaft aufgeboten werden») selbstbewusster werden lassen und nicht das Amt des Captains. Mit den Einsätzen habe er Selbstvertrauen entwickelt, davor sei er eher zurückhaltend gewesen, weil man erst mit Leistung lauter sein dürfe. Sagt Hefti, der heute überlegter redet und viel reifer wirkt. Und der nicht vor der Spielkonsole herumhängt, stattdessen lieber ins Kino geht. Oder am Bodensee in Arbon verweilt, wo er wohnt. Die Diskussionen mit ihm, der einen KV-Abschluss auf der Bank in der Tasche hat und derzeit die Berufsmatur im Fernstudium nachholt, könnten sich denn auch problemlos um aktuelle Vorgänge in der Welt der Wirtschaft drehen.

Nicht immer ganz deutlich ist indes, welche Position Hefti auf dem Rasen bevorzugt. Er sagt, er bringe die Voraussetzungen für den Rechts- wie für den Innenverteidiger mit, aber im Zentrum bewege er sich lieber, dort fühle er sich wirklich zu Hause. Dennoch hat Hefti genau auf der Innenverteidiger-Position eine Zeit hinter sich, in der es ihm nicht immer lief. Insbesondere jüngst im Cup gegen Sion nicht. Das lag allenfalls auch daran, dass in jenem Spiel neben ihm mit Slimen Kchouk, Leonel Mosevich und Axel Bakayoko lauter Neuzugänge spielten, die zudem der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Auch Dejan Stojanovic, der Goalie, ist noch nicht so lange im FC St.Gallen. Da kann es schon einmal viel werden für Hefti, vielleicht zu viel. Es hat mit Gelmi oder Martin Angha schon Spieler in der Ostschweiz gegeben, die mit der Captainbinde unter Druck und in ein Tief gerieten; auch deshalb hinterfragt man den zweiten Innenverteidiger neben Hefti vermutlich mehr als sonst, da man mit Alain Wiss oder Milan Vilotic mehr Stabilität erwartet. Peter Zeidler sieht diese Problematik nicht. Stattdessen sagt der St.Galler Trainer, er sei einfach froh, dass Hefti sein Spieler sei:

«Er hat einen Mini-Durchhänger gehabt, den Rückschlag im Cup gegen Sion aber weggesteckt. Er geht mit seiner Art und Weise voran, kann Schlechtes abhaken. Hefti ist mental unglaublich stark.»

Ein Jubiläum, das stolz macht

Unter Zeidler spielen die St.Galler heute offensiver, Hefti muss nun viel höher stehen. Ziel ist es, dem Gegner keine Luft zum Durchschnaufen zu geben. Keine Luft zum Durchschnaufen will sich auch Hefti geben, er dürfe nicht zurücklehnen, müsse jedes Wochenende liefern. «Ich darf mir bewusst sein, was ich bis jetzt erreicht habe. Aber es ist noch nicht das Ende.» Zuerst folgt nun morgen dieses 100. Spiel in der Super League – es macht Silvan Hefti, das Eigengewächs, unglaublich stolz.

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