Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

IVAN ZAMORANO: «Bin St. Gallen immer dankbar»

In den 90er-Jahren gehörte er zu den besten Fussballern der Welt. Nun blickt Ivan Zamorano auf seine Karriere und seine Anfänge in St. Gallen zurück – und sagt, warum ihm der Fussball noch immer derart wichtig ist.
Jürg Ackermann/Santiago De Chile
«Meine Trainerkarriere in der Schweiz starten? Warum nicht!»: Ivan Zamorano in seinem Büro in Santiago. (Bild: Lorena Weber)

«Meine Trainerkarriere in der Schweiz starten? Warum nicht!»: Ivan Zamorano in seinem Büro in Santiago. (Bild: Lorena Weber)

Ivan Zamorano, vor 25 Jahren haben Sie St. Gallen als Fussballer verlassen. Was für Erinnerungen haben Sie?

Ivan Zamorano: Ich kam weinend an, weil es mir damals schwerfiel, Chile zu verlassen. Und ich weinte, als ich von St. Gallen weg nach Sevilla ging, weil mir vieles ans Herz gewachsen war.

Wie hat Sie damals dieser erste Auslandaufenthalt verändert?

Zamorano: Diese zwei Jahre in St. Gallen haben mich reifer gemacht, erfahrener. Sie waren sehr, sehr wichtig. Ich werde den Menschen beim FC St. Gallen dafür immer dankbar sein. Ich wusste ja noch nicht, was nachher kommen würde. Im Rückblick war es der Anfangspunkt, das Trampolin für meine internationale Karriere, auf die ich sehr stolz bin.

Ivan Zamorano erzielt gegen den FC Sion eins seiner vielen Tore für den FC St.Gallen. (Bild: Archiv)Ivan Zamorano erzielt gegen den FC Sion eins seiner vielen Tore für den FC St.Gallen. (Bild: Archiv)
Spitzenspiel im Dezember 1989 gegen Xamax: Ivan Zamorano liess sich im Espenmoos auch vom Schnee nicht stoppen. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Spitzenspiel im Dezember 1989 gegen Xamax: Ivan Zamorano liess sich im Espenmoos auch vom Schnee nicht stoppen. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
Die Fans des FC St.Gallen hatten im Herbst 1989 einen unbestrittenen Liebling: Ivan Zamorano. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Die Fans des FC St.Gallen hatten im Herbst 1989 einen unbestrittenen Liebling: Ivan Zamorano. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
Supertechniker Hugo Rubio wirbelte am Flügel und versorgte Ivan Zamorano mit Massflanken. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Supertechniker Hugo Rubio wirbelte am Flügel und versorgte Ivan Zamorano mit Massflanken. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
Jung, dynamisch, treffsicher: Ivan Zamorano in Aktion. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Jung, dynamisch, treffsicher: Ivan Zamorano in Aktion. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
Trainer Kurt Jara (rechts) mit seinem chilenischen Trio Patricio Mardones, Ivan Zamorano und Hugo Rubio (v.l.). (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Trainer Kurt Jara (rechts) mit seinem chilenischen Trio Patricio Mardones, Ivan Zamorano und Hugo Rubio (v.l.). (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
Roger Hegi, damals Captain des FC St.Gallen, war der Denker und Lenker im Mittelfeld. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Roger Hegi, damals Captain des FC St.Gallen, war der Denker und Lenker im Mittelfeld. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
Hugo Rubio wurde vom St.Galler Tagblatt schon nach seinem ersten Ernstkampf für Grünweiss als "Diamant" bezeichnet. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Hugo Rubio wurde vom St.Galler Tagblatt schon nach seinem ersten Ernstkampf für Grünweiss als "Diamant" bezeichnet. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
Sie nannten ihn "Ivan, den Schrecklichen": Der Chilene Ivan Zamorano trifft gegen Sion-Goalie Stephan Lehmann. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Sie nannten ihn "Ivan, den Schrecklichen": Der Chilene Ivan Zamorano trifft gegen Sion-Goalie Stephan Lehmann. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
Technisch gesehen war Hugo Rubio vermutlich der beste und kompletteste Spieler, der jemals für den FC St.Gallen im Einsatz war. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Technisch gesehen war Hugo Rubio vermutlich der beste und kompletteste Spieler, der jemals für den FC St.Gallen im Einsatz war. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
Autogrammjäger bestürmen Ivan Zamorano bei einem Besuch in St.Gallen, nachdem er den Verein bereits verlassen hatte. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Autogrammjäger bestürmen Ivan Zamorano bei einem Besuch in St.Gallen, nachdem er den Verein bereits verlassen hatte. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
Ein filigraner, wendiger Spieler: Hugo Rubio bei einem Gastspiel im alten Berner Wankdorf-Stadion. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)Ein filigraner, wendiger Spieler: Hugo Rubio bei einem Gastspiel im alten Berner Wankdorf-Stadion. (Bild: Archiv/St.Galler Tagblatt)
12 Bilder

Der FC St.Gallen im Zamorano-Hoch

Warum spielten Sie in der Ostschweiz von Anfang an so gut, obwohl Sie die Sprache nicht beherrschten, die Kultur nicht kannten?

Zamorano: Es erwartete niemand etwas von mir, ich hatte keinen grossen Druck. Der Schweizer Fussball war damals vielleicht auch noch nicht so kompetitiv wie heute. Das hat mir die Möglichkeit gegeben, mich zu entfalten. Und dann diese Stimmung im Espenmoos. Es ist noch immer unglaublich für mich, wie eigentlich sonst eher zurückhaltende Menschen so enthusiastisch, so leidenschaftlich für den Fussball sein können wie in St. Gallen.

Wissen Sie, dass der FC St. Gallen am vergangenen Sonntag gegen Luzern gewonnen hat – nach einer ziemlichen Durststrecke?

Zamorano: Ja klar! Ob St. Gallen Real oder Inter: Bei allen Vereinen, für die ich einmal spielte, weiss ich immer, ob sie gewonnen oder verloren haben.

Glaubten Sie als Jugendlicher daran, dass Sie es – damals noch als einer von wenigen Chilenen – ins Ausland auf die grosse Fussballbühne schaffen könnten?

Zamorano: Nein, um die Wahrheit zu sagen, habe ich nie damit gerechnet. Ich spielte Fussball, weil ich Spass, weil ich so viel Freude daran hatte. Ich wuchs in La Legua, einem bescheidenen Viertel von Santiago auf. Wir spielten endlos auf der Strasse. Wirklich endlos. Wir begannen nach der Schule und hörten meist erst auf, wenn die Nacht hereinbrach. Die Spiele endeten 43:39 oder 35:30. Meine Vater und meine Onkel sagten immer, dass ich das Potenzial hätte. Aber dass ich eines Tages bei Real oder bei Inter spielen und Captain der chilenischen Nationalmannschaft sein würde, übertraf sämtliche Träume.

Vor zwölf Jahren haben Sie hier in Santiago die «Ciudad Deportiva Ivan Zamorano» gegründet und über zehn Millionen Franken investiert. Warum?

Zamorano: Ich will weitergeben, was mir der Fussball gegeben hat. Hier in diesem Sportzentrum stehen die drei Pfeiler, die ich als die wichtigsten erachte, im Zentrum: der Sport, die Gesundheit und die Bildung. Das ist das Fundament, das stimmen muss, damit sich Menschen entfalten können.

Sie trainieren selber Junioren. Was geben Sie ihnen mit auf den Weg?

Zamorano: Wer etwas werden will, muss nicht nur Talent mitbringen, sondern ein paar Werte kennen: den Teamgeist, die Überwindung der eigenen Grenzen, die Disziplin, die Grossherzigkeit auch. Wer diese Werte lebt, hat die Möglichkeit, Grosses zu erreichen, nicht nur im Sport. Ich finde, der Sport müsste darum nicht nur in Chile auch als wichtiger Ausweg aus Armut, Drogen oder Kriminalität betrachtet werden.

Sprechen Sie aus eigener Erfahrung?

Zamorano: Ja, für mich war der Fussball immer auch ein Ausweg. Dort, wo ich aufwuchs, gab es auch Schwierigkeiten. Dies hat mich geprägt: Vielleicht hat sich dadurch der Fussball umso mehr als das Gute und Erstrebenswerte in meinem Leben gezeigt.

Wie stark hat sie Ihre Familie geprägt?

Zamorano: Sehr. Mein Vater war Lastwagenfahrer bei Coca Cola. Meine Eltern mussten hart arbeiten, um uns zu ernähren, um uns in die Schule zu schicken. Dann kam der Schicksalsschlag: Mein Vater starb, als ich 13 Jahre alt war. Da veränderte sich alles. Ich war nun der einzige Mann im Haushalt – zusammen mit meiner Schwester, meiner Mutter, meiner Grossmutter. Ich trug auf einmal sehr viel Verantwortung und fand mich auch in einer Art Vaterrolle für meine kleinere Schwester wieder.

Sie scheinen noch immer eine sehr spezielle Beziehung zu Ihrer Schwester zu haben.

Zamorano: Das ist vielleicht allein schon durch die Umstände bedingt. Sie hat 1992 genau an dem Tag geheiratet, an dem mich mein Berater anrief und mir sagte, dass ich in nun Spieler von Real Madrid sein würde. Stellen Sie sich vor: Die Schwester heiratet, und ich zu Real Madrid. Das war ein unglaublicher Tag, den ich nie vergessen werde.

Ihr Mutter und Ihre Schwester haben sie damals auch nach St. Gallen begleitet. Wie wichtig war das im nachhinein für Sie?

Zamorano: Für mich war die Familie immer die Basis von allem. Es war entscheidend, dass ich mit ihnen gerade am Anfang der Karriere die Freude und das Leid eines Fussballerlebens teilen konnte. Ich musste mich um rein gar nichts kümmern: Ich ging ins Training, konzentrierte mich auf das Spiel. Meine Mutter begleitete mich auch nach Spanien. Als ich mit 29 Jahren zu Inter ging, war sie dann nicht mehr immer dabei. Ich war ja auch schon ein Mann. (lacht)

Wie hat sich der Fussball Ihrer Meinung nach seit Ihrem Karriereende entwickelt?

Zamorano: Er ist physischer geworden. Die Spieler werden körperlich immer fitter. Natürlich ist auch alles kommerzieller geworden. Die grossen Clubs kaufen nicht nur teure Spieler, um Pokale zu gewinnen, sondern auch, um mehr Leibchen zu verkaufen.

Die Topspieler verdienen immer mehr und sind schon früh in ihrer Karriere Millionäre. Was halten Sie davon?

Zamorano: Die Vereine zahlen diese Löhne, weil sie offensichtlich finden, dass die Spieler das wert sind. Der Fussball ist zu einem grossen Geschäft geworden. Heute könnte ich wahrscheinlich das Doppelte verdienen, aber mir ging es ja damals schon sehr gut.

Sie müssen sehr stolz auf Ihr Land sein. Chile hat im Juli zum erstenmal die Südamerika-Meisterschaft gewonnen.

Zamorano: Das bin ich allerdings. Wir hatten das Glück, dass ausländische Trainer zu uns kamen, wie der Argentinier Marcelo Bielsa, die unser System änderten. Zudem spielen 90 Prozent der chilenischen Nationalspieler mittlerweile in wichtigen Ligen. Ich bin extrem stolz, dass ich auch ein Wegbereiter für diese neue Generation sein durfte. Zu meiner Zeit spielten ja praktisch nur Marcelo Salas und ich im Ausland. Mit dieser Generation von chilenischen Fussballern ist vieles möglich.

Auch der Weltmeistertitel?

Zamorano: Wenn alles zusammenstimmt, ja. Nehmen wir die WM, wo wir mit viel Pech im Achtelfinal gegen Brasilien im Penaltyschiessen ausschieden. Deutschlands Teammanager Oliver Bierhoff sagte mir danach, dass sich die Deutschen im Halbfinal mehr vor den Chilenen gefürchtet hätten als vor den Brasilianern. Unsere Mentalität hat sich grundlegend geändert. Die Spieler übernehmen mehr Verantwortung, sie wissen genau, was der Trainer will: einen aggressiven Fussball, eine starke Rückeroberung des Balles. Das beherrschen sie fast bis zur Perfektion. Ohne dieses systematische Arbeiten gibt es im Fussball nichts mehr zu gewinnen.

Sie reden wie ein Trainer. Reizt es Sie nicht, einmal selber an der Seitenlinie zu stehen?

Zamorano: Ich habe viele Projekte, die mich begeistern und die ich durchziehen will. Natürlich würde ich auch gerne einmal Trainer von Chile sein. Die Diplome habe ich. Es gab auch schon Angebote, beispielsweise aus dem arabischen Raum. Aber ich sagte ab. Wenn, dann würde ich meine Trainerkarriere lieber in Europa starten. Warum nicht in der Schweiz? Warum nicht in St. Gallen? Meine Frau und meine Kinder würden mich auf jeden Fall begleiten. Wenn es eine Möglichkeit gibt und alles passt, werden wir sie ergreifen.

Das Interview führte Jürg Ackermann vor rund 14 Monaten in Santiago de Chile.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.