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Hat der FC St.Gallen einen Komplex gegenüber dem FC Luzern?

Am Sonntag ab 16 Uhr trifft der FC St.Gallen in Luzern auf den Verein, der als sein Klon gilt. Dabei treten die Ostschweizer auch gegen einen Fluch an: Siebenmal in Folge verloren sie zuletzt gegen die Zentralschweizer. Warum ist das so?
Christian Brägger
Cedric Itten ist am 26. August 2018 nach der neuerlichen Niederlage gegen Luzern enttäuscht. (Bild: Gian Ehrenzeller)

Cedric Itten ist am 26. August 2018 nach der neuerlichen Niederlage gegen Luzern enttäuscht. (Bild: Gian Ehrenzeller)

Mit Joe Zinnbauer. Wer hätte gedacht, dass dem FC St.Gallen ausgerechnet mit dem viel gescholtenen Deutschen als Trainer der letzte Sieg gegen den FC Luzern gelang. Damals, am 28. August 2016 im Kybunpark, gab es ein 3:0. Die Torschützen: Roman Buess, Marco Aratore und Seifedin Chabbi. Die Ostschweizer holten zwei Direktbegegnungen später noch ein Unentschieden. Seither reihen sie gegen die Zentralschweizer Niederlage an Niederlage nach teilweise erschreckend schwachen Auftritten.

Dabei werden die Teams in der Super League oft miteinander verglichen und in einem Atemzug genannt, weil sie sich so ähnlich sein sollen. So sagt der rekonvaleszente Cedric Itten, der für beide Seiten gespielt hat und im April auf das Comeback mit St.Gallen hofft: «Für mich sind das identische Vereine.» Auch der am Kreuzband verletzte St.Galler Alain Wiss erkennt keine signifikanten Unterschiede; er muss es wissen nach 222 Auftritten mit Luzern.

Budget, Anspruchsdenken und Wirklichkeit korrelieren

In der Tat korrelieren Budget, Anspruchsdenken und Wirklichkeit. Die Investitionen in den Nachwuchs und der Traum von der Europacup-Teilnahme ebenfalls. Auch die Vermarktung und Sponsorenakquise, die stellenweise Schwierigkeiten bereiten.

Luzerns Sportchef Remo Meyer nennt zusätzliche Parameter, die darauf schliessen lassen, dass die Zentralschweizer eine Art Klon von St.Gallen sind oder umgekehrt: Die fussballbegeisterte Region; eine Stadt, die ähnlich gross ist und in welcher der Fussballclub ein Alleinstellungsmerkmal besitzt; das neue Stadion mit vergleichbarer Kapazität; die Fans; die Euphorie, die um den Verein entstehen kann.

Neben dem Zuschauerrückgang in Luzern unterscheiden sich die Ostschweizer – zumindest in der Aussensicht – in einem weiteren Punkt aber schon: Sie haben ihre unruhige Periode auf und neben dem Rasen offensichtlich überstanden nach den immer grösser werdenden Turbulenzen im Jahr 2017. Luzern hingegen scheint in der Phase der Wirren zu verharren, in der Geschäftsleitung rumorte es lange, und erst Mitte Februar musste Trainer René Weiler gehen – er war nicht einmal acht Monate im Amt. Meyer aber sagt:

«Meist sind es die Medien, die bei uns die Störfeuer legen. Intern ist es sehr ruhig, unsere Zusammenarbeit top.»

Da sich die zwei Clubs so sehr auf Augenhöhe bewegen, regt die negative Bilanz des FC St.Gallen noch mehr zum Nachdenken an. Wenn sie nicht eine Laune der Statistik ist, muss es hierfür einen oder mehrere Gründe geben. Vielleicht haben die Ostschweizer sogar einen Komplex, den sie in die Partien gegen Luzern mitnehmen. St.Gallens Präsident Matthias Hüppi sagt: «Unsere Bilanz ist in der Tat hundsmiserabel. Ich glaube aber nicht, dass es im Sport solche Komplexe gibt. Und erst recht gibt es keinen tieferen, logischen Grund, eine Blockade just gegen dieses Luzern zu haben.»

Vielleicht spielt das Unterbewusstsein eine Rolle

Meyer sagt, allenfalls würden die Direktbegegnungen im Unterbewusstsein eine Rolle spielen. Der Sportchef glaubt vielmehr, dass die Serie purer Zufall sei. «Sie rührt daher, weil alles so eng beieinander ist und jeder jeden besiegen kann.» Selbst wenn es passiert, dass von einer Saison auf die nächste drei Viertel der Spieler nicht mehr auf dem Platz stehen, gibt es nun einmal Teams, die einem Gegner besser liegen.

Luzern sieht gegen Zürich oft stark aus, gegen Thun und Sion dafür weniger. St.Gallen hinterlässt häufig gegen Basel eine gute Figur, hatte aber lange unerklärliche Probleme mit dem FC Vaduz, der sich meist nur dank dieser Siege in der Super League hielt. Manchmal kommen einem Team Spielweisen entgegen oder eben nicht, manchmal Taktiken, oder eben nicht. Hüppi sagt:

«In unserer Negativserie kann überhaupt keine Strategie dahinterstecken. Luzern hatte ja gefühlt jedes Mal einen anderen Coach an der Seitenlinie – da kann es gar nicht die eine Taktik geben gegen uns.»

Goalie David Zibung steht seit 2003 in der ersten Mannschaft des FC Luzern, er sagt: «Ich habe zu viel erlebt, als dass ich auf solche Statistiken Wert lege. Und ich kann mir damit nichts kaufen, denn ich kann die Vergangenheit ja nicht mehr beeinflussen. Dafür die Zukunft. Und die ist am Sonntag.» Sobald man sich anhand einer Serie einen Sieg erwarte, würden sofort zehn Prozent fehlen, sagt der 35-Jährige.

David Zibung legt auf die Serie keinen Wert - weil die Vergangenheit nichts zählt. (Freshfocus)

David Zibung legt auf die Serie keinen Wert - weil die Vergangenheit nichts zählt. (Freshfocus)

Auch das 4:0 von unter der Woche im Cupviertelfinal gegen die Young Boys generiert den Luzernern keinen unmittelbaren Mehrwert fürs Spiel gegen St.Gallen. Doch ihr Gefühl ist gewiss positiver, und so sind sie in einem kleinen, mentalen Vorteil.

Niemand will etwas aus der Negativserie herauslesen

Niemand kann und will aus den sieben Niederlagen in Folge etwas herauslesen. Da Heim- und Auswärtsschwäche, Ballbesitz sowie Chancenverwertung ebenfalls keine Aussage zulassen, treffen wohl Captain Silvan Heftis Worte zu, der die meisten Enttäuschungen hautnah miterlebt hat:

«Luzern hat es in diesen Partien einfach besser gemacht als wir.»

Für Hüppi ist es deshalb an der Zeit, dass sich die Geschichte ändert. Er sagt: «Ganz früher haben wir die Luzerner ja immer besiegt. Und heute sind wir mindestens so gut wie sie.»

Der Schritt nach vorne

Ein oft gesehener Mangel des FC St.Gallen ist seine fehlende Konstanz. Einem Sieg folgt bei den Ostschweizern meist ein Rückschlag, weswegen morgen ein Erfolg in Luzern einer Abkehr vom Zickzack-Kurs gleichkäme und für Peter Zeidler «ein Schritt nach vorne» wäre. Der St.Galler Trainer will mit seiner Mannschaft gegen die Zentralschweizer die Negativserie brechen, für die er überhaupt keine psychologischen und höheren Interpretationen zulässt. In Luzern werden weiter die langzeitverletzten Cedric Itten und Alain Wiss fehlen, fraglich sind die Einsätze von Tranquillo Barnetta, Simone Rapp und Nicolas Lüchinger, die allesamt angeschlagen sind. Daniel Lopar rückt für den rotgesperrten Dejan Stojanovic ins Tor. (cbr)

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