Harmlos in Basel

Der FC St. Gallen verliert auswärts gegen Basel mit 1:2. Der unangefochtene Leader legt die Basis für den Sieg gegen die zurückhaltenden Ostschweizer in der überzeugenden Startviertelstunde.

Ralf Streule/Basel
Merken
Drucken
Teilen

Wer gestern abend von St. Gallen nach Basel fuhr, der zog vom Hellen ins Dunkle. Schwarze Wolken türmten sich irgendwo über dem Fricktal auf, die Bäume bogen sich im Wind. In der Ostschweiz war der Himmel noch blau gewesen. Der eine oder andere FC-St. Gallen-Anhänger dürfte es als böse Vorahnung genommen haben, quasi als Reise ins Reich des bedrohlichen Leaders der Super-League. Sieben Spiele, sieben Siege – dass beim Team von Urs Fischer wenig zu holen wäre, besonders in der eigenen delikaten Phase ohne Cheftrainer, war zu vermuten. Als dann die Nacht wirklich hereinbrach und der Regen durch die Flutlichtkegel des Jakobparks fiel, wurde aus der Vorahnung schnell Realität. Basel begann vor 27 736 Zuschauern stürmisch – St. Gallen versuchte hinten zusammenzuhalten, was möglich war. In der vierten Minute enteilte Yoichiro Kakitani der St. Galler Verteidigung und verfehlte knapp, in der achten Minute tat es ihm Birkir Björnasson gleich. Vier weitere Minuten später fiel der Isländer nach einem unnötigen Foul von Yannis Tafer im Strafraum. Matias Delgado traf aus elf Metern.

St. Gallen fängt sich

Der St. Galler Interimstrainer Daniel Tarone hatte den Baslern wehtun wollen, wie er es vor dem Spiel formulierte. Und er hatte das Team auf einigen Positionen überraschend besetzt. Da Everton gelbgesperrt fehlte, rückte Mario Mutsch ins Mittelfeld, seine Position in der Aussenverteidigung übernahm der erst am Freitag ins Kader gerückte Nachwuchsspieler Silvan Hefti.

Weh taten die St. Galler dem Leader bis zur Schlussphase nie. Dzengis Cavusevic gelang so etwas wie ein Abschluss nach einer halben Stunde, das war es auch schon mit Offensivaktionen. Die Ostschweizer fingen sich aber nach dem Gegentor, hielten das Spiel immerhin im Mittelfeld ausgeglichen – auch dank der allmählichen Zurückhaltung der Basler.

Offensiv fehlen die Ideen

Auch nach der Pause setzten die Basler schnell Druck auf. Delgado scheiterte in der 48. Minute nach starkem Zusammenspiel mit Kakitani an Daniel Lopar. Auch später kam der Leader immer wieder zu Chancen – die aber entweder zu wenig druckvoll abgeschlossen oder von Lopar entschärft wurden. Erst in der 82. Minute trafen die Basler zum zweiten Mal, als Marc Janko nach einem gefährlich getretenen Freistoss von Luci Zuffi nur den Fuss hinhalten musste. Den besten Eindruck hinterliessen die St. Galler zum Ende der Partie. Plötzlich kam wieder Hoffnung auf, als Marco Aratore zwei Minuten vor Schluss mit einem schönen Schlenzer überraschend zum 1:2 verkürzte. Zu mehr reichte es aber nicht.

Das St. Galler Team schien nicht etwa uninspiriert, war von der Qualität der Basler aber schlicht überfordert und wirkte meist harmlos – vor allem im Vergleich zu den beiden Auftritten in Basel in der vergangenen Saison, als man einmal 2:0 gewinnen konnte und zum Saisonabschluss beim 3:4 ein begeisterndes Spiel zeigte. Dazu kam ein altbekanntes Problem: In der Offensive fehlten den Ostschweizern lange Zeit die Ideen, neben dem Tor gab es keine nennenswerte Chance zu notieren.

St. Gallen orientiert sich damit in der Tabelle nach hinten. Viel mehr darf derzeit aber gegen einen stabilen FC Basel wohl nicht erwartet werden. Die Ostschweizer befinden sich in einer Zwischenphase, in der das Team nach Jeff Saibenes Abgang nach einer neuen Handschrift sucht. Vielleicht kann sie sich diese schon im Cupspiel vom kommenden Sonntag in Breitenrain mit einem neuen Trainer aufbauen. Gestern war in der Trainerfrage hingegen nichts Neues zu erfahren.