Der FC St.Gallen spielt heute im Cup in Monthey, wo grün-weisse Spuren zu finden sind

Der FC St.Gallen reist für die erste Hauptrunde des Schweizer Cup nach Monthey – dort gibt es mehr Berührungspunkte, als man denkt.

Christian Brägger
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Uwe Rapolder: zuerst Monthey, dann St.Gallen. (Bild: Imago)

Uwe Rapolder: zuerst Monthey, dann St.Gallen. (Bild: Imago)

Gross gegen Klein, Goliath gegen David, der FC St.Gallen gegen den FC Monthey. Brisant für die Ostschweizer wird heute Abend ab 19 Uhr die Begegnung der 1.Hauptrunde des Schweizer Cups beim Club der 2.Liga interregional kaum. Immerhin liefert sie im Vorfeld jede Menge kleine Geschichten, mit überraschend vielen alten Bekannten.

Uwe Rapolder: Nach Monthey kam St.Gallen

Da war doch wer, ja genau: Uwe Rapolder, Coach des FC St.Gallen zwischen 1993 bis 1996, davor eineinhalb Jahre lang Spielertrainer von – Monthey. Der Deutsche stieg mit den Wallisern in seiner Schaffenszeit in die damalige Nationalliga B auf, später trainierte er immerhin unter anderen den 1.FC Köln und den Karlsruher SC; man kann von Monthey aus also durchaus eine «Weltkarriere» als Trainer starten.

Tejeda, das spanische Einwandererkind

Julio Tejeda, das Kind spanischer Einwanderer, wuchs in Monthey auf und lernte dort das Fussballspiel. Dann wechselte der Mittelfeldspieler mit knapp 20Jahren zum FC Sion, wurde 1992 Teil der Meistermannschaft, erhielt aber keine Prämie vom damals neuen Präsidenten Christian Constantin. Also ging Tejeda zurück zu Monthey und traf auf den Fussballer Stéphane de Siebenthal sowie Rapolder, der das Duo im Sommer 1994 für zwei Saisons nach St.Gallen lotste. Heute noch ist Tejeda mit dem FC Monthey verbunden – als technischer Direktor. Überdies war der Brasilianer Luiz Milton – er hat eine St.Galler Vergangenheit – am Ende der aktiven Laufbahn für die Walliser als Spielertrainer engagiert.

Christian Constantin: früherer Monthey-Goalie. (Laurent Gillieron/Keystone)

Christian Constantin: früherer Monthey-Goalie. (Laurent Gillieron/Keystone)

Der Goalie, den heute jeder Schweizer kennt

Als Chef des FC Sion ist Christian Constantin die vielleicht schillerndste Figur im Schweizer Fussball, und vermutlich war er ja auch ein schillernder Goalie: Anfang der 1980er-Jahre hütete der heute 62-Jährige in der Nationalliga B das Tor Montheys: «Damals, im Derby gegen Martigny, kamen 6000 bis 7000 Zuschauer. Das ist eine Partie, wie wenn der SC Brühl gegen den FC St.Gallen spielt. Bis heute hat Monthey aber sehr viel Qualität eingebüsst und nur noch wenig Ausstrahlung.» Constantin beginnt zu schwärmen über seine Aktivzeit, und auch wenn es nicht zum aktuellen Cupspiel der Ostschweizer passt, fügt er an: «Écoute, ich war ein guter Goalie! Ich erinnere mich noch genau an 1977 und mein allererstes NLA-Spiel mit Xamax: Wir gewannen im Espenmoos 1:0 gegen St.Gallen!»

Was man von Monthey wissen darf

In der Stadt, an der Rhone gelegen und zum Schweizer Teil der Landschaft Chablais gehörend, wohnen etwas mehr als 17000 Einwohner, die Chemiefirmen BASF oder Syngenta führen hier Standorte. Sowieso ist es die Chemie- und Metallindustrie, die den Rebbau in der Talebene rund um Monthey längst verdrängt und völlig reduziert hat. Aus sportlicher Perspektive ist der Ort bekannt für Basketball, dreimal wurde man Schweizer Meister, zweimal Cupsieger.

Was man vom FC Monthey wissen soll

Der Fussballclub wurde 1910 gegründet, spielte 1930 in der höchsten Liga und 1970/71 in der Nationalliga B zweimal gegen den FC St.Gallen, dem man beide Male unterlag. Ebenfalls hat Brühl im Cup in der Saison 2012/13 seine Erfahrungen gemacht gegen Monthey, es setzte sich in der 1.Hauptrunde 4:2 nach Verlängerung durch. Der wohl bekannteste Fussballer war der 16-fache Internationale Philippe Pottier, nach dem auch das Stadion benannt ist. Spielerischer Hoffnungsträger für Trainer Cédric Strahm, den St.Gallens Trainer Peter Zeidler aus seiner Zeit in Sitten kennt, und den angestrebten Aufstieg in die 1.Liga ist der auf diese Saison hin verpflichtete Kevin Derivaz. Mit 41 Toren war der Stürmer für St-Maurice der beste Torschütze der regionalen 2. Liga und wurde auf diese Saison hin verpflichtet.

Zeidler: «Wir sind der FC St.Gallen»

Werner Zünd, der ewige St.Galler, hat am vergangenen Wochenende den FC Monthey beim Saisonauftakt und dem 1:1 gegen Signal Bernex-Confignon beobachtet. Er musste von überraschenden Qualitäten berichtet haben, weil Zeidler nun sagt, dieser Widersacher habe nichts mit den Cupgegnern des Vorjahres, Muri oder Ueberstorf, zu tun. «Die Auslosung hat uns nicht den nettesten Konkurrenten gegeben. Das sind Halbprofis, die viermal in der Woche trainieren. Aber wir müssen uns nichts vormachen: Wir sind der FC St.Gallen, das sagt alles.» Zeidler vermeidet es, von «ja nicht unterschätzen» zu sprechen; das würde nämlich implizieren, dass man auf diesen Gedanken kommen könnte.

St.Gallens zweiter Torhüter Jonathan Klinsmann. (Bild: Benjamin Manser)

St.Gallens zweiter Torhüter Jonathan Klinsmann. (Bild: Benjamin Manser)

Im Cup steht Klinsmann im Tor

In Monthey fehlen die üblichen Langzeitverletzten, weiter nicht dabei sind Axel Bakayoko, Milan Vilotic und wohl auch Jérémy Guillemenot. Zeidler wird sein Team im Vergleich zu den vergangenen Meisterschaftspartien geringfügig verändern, die grosse Rotation kündigt er aber nicht an. Im Tor wird Jonathan Klinsmann stehen. Zeidler sagt: «Es ist mit Goalietrainer Stefano Razetti abgesprochen, dass der aktuelle Ersatzgoalie spielt.» Damit weicht der Deutsche von seiner Einstellung der vergangenen Saison ab, als er im Cup ausschliesslich auf seinen Stammgoalie Dejan Stojanovic setzte.

Bleibt für Hüppi der Cupsieg das Ziel?

Den Traum/das Ziel «Cupsieg» hat Matthias Hüppi schnell einmal nach Amtsantritt ausgerufen, heute gibt er sich defensiver und sagt: «Einen Cupsieg kann man nicht prognostizieren. Wir wollen aber in diesem Wettbewerb etwas erreichen in dieser Saison. Dafür brauchen wir auch Losglück. Wir müssen jeden noch so kleinen Widersacher von Anfang ernst nehmen und Präsenz markieren. Deshalb bereiten wir die Partie wie ein Meisterschaftsspiel vor.» Und deshalb reisten die Ostschweizer bereits gestern nach dem Abendessen ins Wallis.