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Kolumne

Gegentribüne: Grün siegt auch im Fussball – St.Gallens Pflänzchen gedeiht prächtig

Die Grünen triumphierten am Finaltag der Politik. Und während die Hochrechnungen liefen, gewannen auch die Grünen des FC St.Gallen am Genfersee gegen Servette. Unaufhaltsam beginnt hier wie dort etwas zu spriessen, beim FC belegt durch die Vertragsverlängerung mit Alain Sutter.
Fredi Kurth
Torjubel bei den Espen: Ermedin Demirovic trifft für St.Gallen. (Bild: Keystone)

Torjubel bei den Espen: Ermedin Demirovic trifft für St.Gallen. (Bild: Keystone)

Gegentribüne-Autor Fredi Kurth (Bild: Urs Bucher)

Gegentribüne-Autor Fredi Kurth (Bild: Urs Bucher)

Sie jubelten wie Fussballer nach dem entscheidenden Tor, mit geballter Faust und aufgerissenem Mund. Und wie der FC St.Gallen verdanken die Grünen ihren Erfolg einer jungen Welle, die ein junges Mädchen vor einem Jahr ausgelöst hatte, als es sich in Schweden an einem Freitag mausbeinallein vor die Schule stellte und streikte.

Wenn jeder Spieler besser wird...

Mindestens so rasch wandelte sich das Klima beim FC St.Gallen. Noch in der vergangenen Saison war in Anhängerkreisen zu hören, dass nicht nur die Mannschaft, sondern auch die einzelnen Spieler keine Fortschritte erzielten. Der unverhohlene Hinweis auf Peter Zeidler war herauszuhören oder wurde sogleich nachgeliefert. Umgekehrt kennen wir auch den Satz, dass dieser oder jener Trainer jeden Spieler «besser macht». Wer in den vergangenen Wochen den FC St.Gallen beobachtet hat, stellt fest, dass – Simsalabim ­­- auch unter Zeidler fast jeder Akteur besser spielt. Wie ist dieser Widerspruch zu verstehen? Tatsächlich kann ein Spieler von einem gewissen Trainer besonders profitieren, kann später rückblickend sogar sagen: «Von diesem Trainer habe ich am meisten gelernt.» Entscheidend ist indessen das Kollektiv der Mannschaft. Wenn es so funktioniert wie zuletzt jenes des FC St.Gallen, dann steigert sich jeder auch individuell.

Beispiel Meistermannschaft 2000

Aus der Vergangenheit das beste Beispiel liefert die Meistermannschaft von 2000. Marcel Koller hatte damals mit seinen Leuten innerhalb eines halben Jahres eine Alchemie geschaffen, durch die das Team von der ersten bis zur letzten Runde auf dem ersten Rang klassiert war. Als danach aber das glorreiche Ensemble auseinander fiel, fanden die wenigsten bei andern Vereinen ihr Glück. Allen voran Topskorer Charles Amoah, der bei Sturm Graz die Erwartungen nicht zu erfüllen vermochte. Ausnahmen bildeten Torhüter Jörg Stiel und Verteidiger Marco Zwyssig, die bei Borussia Mönchengladbach beziehungsweise beim FC Basel ihre internationale Karriere lancierten und erlebten.

In Genf lief es harzig

Und welches Schicksal erleben die Spieler der jetzigen Mannschaft? Die Frage ist natürlich viel zu früh gestellt. Wir kennen nicht einmal die kurzfristige Zukunft. Am Sonntag bei Servette, im sechsten Spiel seit der wundersamen Wende mit nun 16 Punkten aus diesen Partien, gelang es St.Gallen am wenigsten, Zeidlers Vorstellungen umzusetzen. Der Hauptgrund war, dass Servette die gleiche Spielidee entwickelte: starkes Pressing, unermüdliche Laufarbeit. Wenn zwei dasselbe tun, ist das der Qualität eines Spiels in der Regel nicht förderlich. Foulspiel, Fehlpässe, lange Zeit wenig Torszenen waren die Folge. Der seifige Untergrund, der sich an einigen Stellen eher für «Spiel ohne Grenzen» eignete, trug auch seinen Teil dazu bei.

Demirovic – wieder einer, der einschlägt

Ermedin Demirovic war der Matchwinner. Vor wenigen Wochen von Zeidler als gute Kaderergänzung nach dem Abgang von Dereck Kutesa angekündigt, erweist sich auch der Stürmer aus der höchsten spanischen Liga als Volltreffer. Demirovic kommt nicht nur oft in aussichtsreicher Situation an den Ball, sondern auch meistens noch zum Abschluss. Sollte Cedric Itten, der nach der langen Pause verständlicherweise noch um seine Form ringt, ebenfalls früherer Selbstverständnis erreichen, würde die jetzt schon beachtliche Offensivpower der Mannschaft noch stärker. Auch die Defensive präsentiert sich gefestigt. Sie war in Genf eine Stunde lang nur durch stehende Bälle zu beunruhigen, ehe sie in der letzten halben Stunde durch die «Alles-oder-Nichts»-Devise des Gegners einige Male in Panik geriet.

Ermedin Demirovic: Note 5,5. Die Quote des Leihspielers lässt sich sehen: Im fünften Einsatz erzielt der bosnische U21-Internationale die Tore drei und vier.Ermedin Demirovic: Note 5,5. Die Quote des Leihspielers lässt sich sehen: Im fünften Einsatz erzielt der bosnische U21-Internationale die Tore drei und vier.
Dejan Stojanovic: Note 5. In der Schlussphase pariert er einmal stark und hält damit den Sieg fest. Sieht den Weitschuss, der zum 1:2 führt, zu spät.Dejan Stojanovic: Note 5. In der Schlussphase pariert er einmal stark und hält damit den Sieg fest. Sieht den Weitschuss, der zum 1:2 führt, zu spät.
Silvan Hefti: Note 5. Mit weniger Offensivdrang als auch schon. Defensiv aber unermüdlich und fast ohne Fehler.Silvan Hefti: Note 5. Mit weniger Offensivdrang als auch schon. Defensiv aber unermüdlich und fast ohne Fehler.
Yannis Letard: Note 4,5. Zu Beginn etwas unsicher und zögerlich in den Zweikämpfen, steigert sich aber.Yannis Letard: Note 4,5. Zu Beginn etwas unsicher und zögerlich in den Zweikämpfen, steigert sich aber.
Leonidas Stergiou: Note 5. Der 17-Jährige hält dem immer grösser werdenden Druck von Servette nach dem 1:2 nervenstark stand.Leonidas Stergiou: Note 5. Der 17-Jährige hält dem immer grösser werdenden Druck von Servette nach dem 1:2 nervenstark stand.
Miro Muheim: Note 4.5. Der Zürcher lässt dem Gegner in der ersten Halbzeit zu viel Platz, kann aber deutlich zulegen.Miro Muheim: Note 4.5. Der Zürcher lässt dem Gegner in der ersten Halbzeit zu viel Platz, kann aber deutlich zulegen.
Victor Ruiz: Note 5. Zu Beginn tut er sich schwer mit den aufmerksamen Gegenspielern. Dann aber mit einem schönen Assist vor dem 2:0.Victor Ruiz: Note 5. Zu Beginn tut er sich schwer mit den aufmerksamen Gegenspielern. Dann aber mit einem schönen Assist vor dem 2:0.
Lukas Görtler: Note 5. Der Deutsche bügelt den einen oder anderen Fehler der Verteidigung aus. Sein Pass leitet das Führungstor ein.Lukas Görtler: Note 5. Der Deutsche bügelt den einen oder anderen Fehler der Verteidigung aus. Sein Pass leitet das Führungstor ein.
Jordi Quintillà: Note 5. Der Spanier arbeitet unauffällig, was ihn wichtig macht für das Team. Kann das Spiel in der Schlussphase aber auch nicht beruhigen.Jordi Quintillà: Note 5. Der Spanier arbeitet unauffällig, was ihn wichtig macht für das Team. Kann das Spiel in der Schlussphase aber auch nicht beruhigen.
Boris Babic: Note 4,5. Reagiert nach einem Fehler im Genfer Aufbauspiel blitzschnell und bedient Ruiz, der vor dem 2:0 für Demirovic auflegt. Sonst gelingt ihm aber nicht alles.Boris Babic: Note 4,5. Reagiert nach einem Fehler im Genfer Aufbauspiel blitzschnell und bedient Ruiz, der vor dem 2:0 für Demirovic auflegt. Sonst gelingt ihm aber nicht alles.
Cedric Itten: Note 4,5. Er ersetzt den gesperrten Jérémy Guillemenot eins zu eins, also hinter den Spitzen. Solid, aber unauffällig.Cedric Itten: Note 4,5. Er ersetzt den gesperrten Jérémy Guillemenot eins zu eins, also hinter den Spitzen. Solid, aber unauffällig.
 Betim Fazliji: Note 4,5. Er kommt für Babic und macht seine Sache in der hektischen Schlussphase zufriedenstellend. Betim Fazliji: Note 4,5. Er kommt für Babic und macht seine Sache in der hektischen Schlussphase zufriedenstellend.
Vincent Rüfli: Note –. Auch er kann erst kurz vor Schluss helfen, den Sieg über die Zeit zu retten.Vincent Rüfli: Note –. Auch er kann erst kurz vor Schluss helfen, den Sieg über die Zeit zu retten.
Alain Wiss: Note – Wird kurz vor Schluss eingewechselt. Das ist zu wenig Einsatzzeit für eine Note.Alain Wiss: Note – Wird kurz vor Schluss eingewechselt. Das ist zu wenig Einsatzzeit für eine Note.
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Demirovic top, kaum einer fällt ab: Die Noten der FCSG-Spieler nach dem Sieg gegen Servette

Langfristigkeit ist nun keine Vertröstung mehr

Trotz diesmal fehlender Souveränität scheint etwas zusammenzuwachsen, das durch den bis 2022 verlängerten Vertrag mit Alain Sutter zusätzliche Nahrung erhält. Der langjährige Internationale hat die sportliche Erfahrung und Beobachtungsgabe, die ihn im Grunde für (noch) renommiertere Vereine interessant machten. Aber Sutter spürt, dass in St.Gallen Potenzial besteht, das noch nicht ausgereizt und zu steigern ist. Das Triumvirat Hüppi-Zeidler-Sutter kann nun die stets beschworene Langfristigkeit ihrer Bemühungen vertiefen, jetzt erst noch auf der Basis des aktuellen Erfolgs. Das Stichwort hat nun für die Anhänger nicht mehr die Bedeutung von Vertröstung, sondern tatsächlich nachhaltiger Entwicklung. «Mut zur Lücke» wurde an dieser Stelle zu Saisonbeginn gefordert, nämlich die Courage, hinter Basel und Young Boys und dem Rest der Liga mit Vorwärtsdrang in das Vakuum zu springen. Nach harzigem Beginn ist der dritte Platz vorerst abgesichert, hat auch nach dem nächsten Auftritt in Lugano Bestand.

Immer diese Unterbrüche

Also wir sind wieder mittendrin im Meisterschaftsgeschehen. Die Länderspielpause kam mir diesmal besonders lang vor. Vielleicht auch deshalb, weil der FC St.Gallen zuletzt so toll aufgespielt hat. Da empfinde ich es fast als Zumutung, wenn der aufgeblasene Länderspiel-Fussball jeden Monat das Klubprogramm für fast zwei Wochen unterbricht. Die Schweizer Spiele zu verfolgen, erachtete ich natürlich als Pflicht, auch wenn das Nationalteam durch notorische Schwäche nach Auswechslungen erst gegen Irland ihrer Favoritenrolle gerecht wurde. Nun erleben wir im Kybunpark doch noch ein entscheidendes Spiel unserer Rotjacken gegen Georgien. Rot ist übrigens auch eine politische Farbe.

Aufgefallen

Die VAR-Verantwortlichen haben positive Bilanz ihrer bisherigen Tätigkeit gezogen. Ihr kann man sich nur anschliessen, auch wenn sie die Fehlleistungen im Spiel St.Gallen gegen Luzern unterschlagen haben. Damals haben sie in einem Fall einen Fehler sogar zugegeben, im andern nicht, obwohl fast gleichzeitig ein analoger Fall in Thun nicht beanstandet wurde. Doch die Lehren haben sie in Volketswil gezogen: Zurückhaltung ist oberstes Gebot. Dessen Missachtung war mit ein Grund, weshalb in Deutschland, wo man in kritischen Situationen den Fehlentscheid generell abzuschaffen versuchte, der Videoassistent permanent umstritten war.

Das wirkt bis heute nach – da wird immer wieder der VAR gefordert, wo es aufgrund der nicht eindeutigen Situation nichts zu fordern gibt. «Ist das im Sinne der Regel?», fragte ZDF-Mann Béla Réthy am Samstagabend, als Marco Reus nach dem vermeintlichen 1:0 für Dortmund zur Überraschung aller knapp im Offside ertappt wurde. Doch, das ist nicht nur im Sinne des Regelwerks, sondern des Fussballs im Allgemeinen. Just beim Offside haben wir nun Klarheit und nicht mehr die langen Diskussionen und nutzlosen Phrasen wie «im Zweifel für den Angreifer».

Noch enger war der Entscheid bei Servette gegen St.Gallen, als die Genfer schon das 2:2 bejubelten. Hier konnte der VAR aufgrund fehlender Kalibrierung keine Auflösung bieten. Bewährt haben sich auch die meisten der im Sommer eingeführten Regeländerungen. Es gibt deutlich weniger Verzögerungen bei den Auswechslungen und bei Torabstössen sowie weniger Gerangel bei Freistössen. Auch beim Handspiel kommt nun vermehrt der gesunde Menschenverstand zur Geltung, auch wenn immer wieder bei kleinstem Anlass «Hände» geschrien wird, selbst dann, wenn der Ball am Bauch landet...

Natürlich versäumte ich auch dieses Jahr nicht meinen Olma-Bummel und somit zur andern St.Galler Arena, die etwas kleinere als im Westen der Stadt. Faszinierend war für mich, der Viehversteigerung beizuwohnen. Der Auktionator hatte etwas von der Rasanz des St.Galler Fussballspiels. Ich musste mich allerdings hüten, einem Kollegen in der Arena zuzuwinken. Sonst wäre mir in einem ungünstigen Moment noch eine veritable Kuh zugesprochen worden. Nicht mehr ausweichen konnte ich dann in der oberen Degustationshalle. «Fredi» rief da einer, und ich traf eine ganze Gruppe ehemaliger Fussballer des FC St.Gallen.

Thierry Biaggi, der Sohn des ehemaligen Torhüters, hatte aus Anlass von «50 Jahre Cupsieg» an seine Olma-Weinecke eingeladen. Der Ostschweizer Vertreter eines feinen Walliser Tropfens konnte drei Leute aus dem Cupsieger-Kader begrüssen: Leo Bauer, Markus Pfirter und seinen Vater Jean-Paul. Wohlweislich hatte er noch einige andere aus jener Zeit eingeladen, solche, die den Cupsieg zeitlich knapp verpasst haben: Marcel Cornioley, Jost Leuzinger, Guido Palatini, Dieter Rüefli und René Sidler. Während meiner viertelstündigen Anwesenheit war der Beachtungsgrad durch zufällige Passanten gering. Das wäre bei Silvan Hefti, Victor Ruiz oder Cedric Itten und Kollegen anders gewesen – und deren Anwesenheit prompt als unseriöse Matchvorbereitung ausgelegt worden. (th)

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